Wardenburg Fleischerhaken. Zack. Messer. Zack. Bolzenschussgerät. Zack. In schnellen Schnitten zeigt der Dokumentarfilm „Dominion“ gleich zu Beginn, wie und womit Tiere getötet werden. „Dieser Film hat mich dazu gebracht, kein Fleisch mehr zu essen“, sagt Merle aus der 9b.

Geschlechterrollen

Sie ist eine von vier Vegetarierinnen des Deutschkurses im neunten Jahrgang der IGS am Everkamp in Wardenburg. 22 Schülerinnen und Schüler nehmen an diesem Kurs teil – und auffällig ist, dass neben den vier Mädchen kein einziger Junge vegetarisch lebt. Warum ist das so?

Annika aus der 9b vermutet, dass „Mädchen einfühlsamer sind, sie setzten sich einfach mehr mit dem Leiden der Tiere auseinander.“ Und Ole meint, dass hier die traditionellen Geschlechterrollen nachwirken: „Über Jungs sagt man ja, dass sie kräftiger sind und deshalb unbedingt Fleisch brauchen, um ,echte Männer‘ zu werden.“

Vegetarier

Auch in der Promiwelt gibt es viele Vegetarier und Veganer. Dazu gehören Leonardo DiCaprio, Ariana Grande und Beyonce. Auch Jonny Depp ist Vegetarier. Er sagt: „Wenn du die Bilder von Gewalt an Tieren nicht sehen willst, hilf die Gewalt zu beenden und nicht die Bilder.“

Weltweit hat Indien am meisten Vegetarier. Nach Angaben des Online-Statistik-Portals Statista leben dort 38 Prozent ohne Fleisch und etwa 13 Prozent sind Veganer. In Deutschland verzichten etwa sieben Millionen Menschen auf Fleisch (knapp acht Prozent der Bevölkerung). Etwa eine Million davon lebt vegan.

In Deutschland sind etwa zwei Drittel der Vegetarier weiblich, etwa ein Drittel ist männlich. Es gibt also erheblich mehr vegetarisch lebende Frauen als Männer.

Er vermutet außerdem, dass ein Junge, der auf Fleisch verzichtet, sich blöde Sprüche von seinen Freunden anhören müsste. Und das schrecke halt ab.

Und es ist ja auch nicht immer einfach, das Leben als Vegetarier – vor allem an Feiertagen mit ihrer traditionellen Schlemmerei. „An Weihnachten bei Oma gab es zur Vorspeise Hühnersuppe“, erinnert sich Merle. „Mein Opa kam mit einer Schüssel zu meiner Schwester und mir meinte: ,Das ist für euch.‘ Ich schaute meine Schwester entsetzt an und wir fragten uns, ob das dieselbe Hühnersuppe sei, nur ohne Fleischstücke. Wir wollten aber auch nicht bei Opa nachfragen und eine große Diskussion anfangen, wir wollten ja nicht unhöflich erscheinen. Zum Glück für uns fragte dann unsere Mutter nach – und es stellte sich als sehr leckere Gemüsesuppe heraus.“

Auch Nora aus der 9d vermisst nichts, seitdem sie mit elf Jahren beschloss: „Ab morgen esse ich kein Fleisch mehr.“ Bei ihrer Mutter lief sie mit dem Wunsch offene Türen ein, gemeinsam haben sie allerlei Rezepte ausprobiert. Ihr Lieblingsessen ist ein Klassiker: „Nudeln mit Tomatensoße. Einfach das Hackfleisch weglassen, dafür mehr Paprika und Zwiebeln rein und Parmesan obendrauf.“

Und die Gründe dafür, kein Fleisch mehr zu essen, sind vielfältig: „Ich habe mich dafür entschieden, weil ich mir mehr Gedanken um die Umwelt gemacht habe“, sagt Kaja aus der 9a. Die Fleischproduktion verschlinge Unmengen an Futtermitteln und verursache riesige Kohlendioxid- und Methanemissionen, die zur Erderwärmung beitragen.

Tierschutz wichtig

Wichtig ist allen vier Vegetarierinnen auch der Tierschutz; Bilder und Filme aus Schlachthäusern und über das Leid von Nutztieren haben bei allen vier Vegetarierinnen dazu beitragen, kein Fleisch mehr zu essen.

Und bei Sydney aus der 9a gehört der Fleischverzicht zu ihrer Lebenseinstellung: „Ich verstehe mich da als Aktivistin und Feministin, und da gehört der Verzicht auf Fleisch einfach dazu. Es ist für mich ein Schritt auf dem Weg, die Welt ein bisschen besser zu machen.“

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