Oldenburg „So einen Beruf könnte ich niemals machen!“, höre ich einen Schüler sagen, während wir vor der Trauerhalle stehen. Das Gebäude ist von außen klein und wirkt wie ein ganz normales Haus. Wir sind heute zu Besuch beim Bestattungshaus Speckmann in Oldenburg.

Beim Eintreten nimmt man einen sterilen Geruch war. Kein üblicher Krankenhausgeruch, wie wir ihn alle kennen. Er ist undefinierbar, aber nicht unangenehm. Während wir die Halle betreten, breitet sich Stille aus. Ein flaues Gefühl macht sich in unseren Mägen breit. Wir haben großen Respekt vor dem, was uns hinter den Türen der Trauerhalle erwartet. In diesem Raum wurden bereits viele Menschen verabschiedet. Aufgrund dieses Bewusstseins macht sich Trauer unter uns bemerkbar. Der Gedanke, dass wir diese Halle in Zukunft durchaus auch zu anderen Anlässen betreten könnten, macht uns betroffen.

Stimmungsvoll dekoriert

Dann ist es so weit, und Johannes Schäfer, der Inhaber des Bestattungshauses, öffnet die Türen. Er trägt einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd und eine schwarze Krawatte. Wir betreten nacheinander die Trauerhalle. Uns fällt gleich die ruhige, traurige Musik auf, während wir auf den Stühlen Platz nehmen, welche ordentlich auf der linken und rechten Seite der Trauerhalle platziert sind. Der Gang in der Mitte der Halle ist mit einem schwarzen Teppich ausgelegt.

Während wir eine kurze Zeit auf Schäfer warten, sehen wir uns den Raum genauer an. Unsere Blicke sind auf den Sarg gerichtet, welcher ganz vorn in der Halle steht. Die Dekoration rund um den Sarg ist sehr schön und stimmungsvoll. Weiße Bäume, Blumen, Kerzen und Engel schmücken den vorderen Bereich der Halle und den Sarg. Nachdem Schäfer den Raum betreten hat, klärt er uns über die Bestattungsarten und Trauerfeiern auf und beantwortet unsere Fragen. Die vielen Fragen, die wir dem Bestatter stellen, zeigen, wie wenig wir eigentlich über dieses Thema und den Beruf wissen. Als alle Fragen beantwortet sind, verlassen wir die Trauerhalle und treffen auf einen Mann, der ebenfalls einen schwarzen Anzug trägt.

Der Name des Mannes ist Christopher Minke, beruflich arbeitet er als Thanatopraktiker und Trauerberater. Er erzählt uns etwas über seinen ungewöhnlichen und interessanten Beruf und beantwortet geduldig unsere Fragen.

Blick in Leichenwagen

Daraufhin dürfen wir einen Blick in einen Leichenwagen werfen, der inzwischen vor der Trauerhalle geparkt wurde. Er ist ungewöhnlich lang und glänzt silbrig, ein Schriftzug des Unternehmens ist darauf abgebildet. Im Inneren des Leichenwagens ist eine Trage, mit einer roten Rose. Schäfer erklärt uns, wie der Wagen funktioniert, und warum die Menschen für gewöhnlich nicht mit einem Sarg, sondern in einer speziellen Überführungstrage abgeholt werden. Allein dieser koste so viel wie ein Kleinwagen, erzählt uns der Bestatter. Wir dürfen ein weiteres Mal Fragen stellen und erfahren, dass im Leichenwagen auch Särge und Urnen zum Friedhof transportiert werden.

Das Bürogebäude, welches wir anschließend besuchen dürfen, verfügt über einen Eingangsbereich, ein Gesprächszimmer, eine Sarg- und Urnenausstellung und ein Büroabteil. Auf der linken Seite befindet sich das Gesprächszimmer. In diesem steht ein großer Tisch, mehrere Stühle und ein Regal, auf welchem Getränke und Broschüren platziert wurden. Auf dem Tisch liegen mehrere Stifte, mit welchen wir eine weiße Urne gestalten dürfen. Später nehmen wir sie als Erinnerungsstück mit in die Schule.

Als letztes sehen wir uns die Sarg- und Urnenausstellung an. Bei dieser dürfen wir einen Blick auf verschiedene Urnen mit verschiedenen Farben und Mustern werfen. Angelika Speckmann, die Witwe des ehemaligen Inhabers und Geschäftsgründers, erklärt uns die unterschiedlichen Särge. Wir dürfen sogar die Sargdeckel anheben und uns die Särge von innen ansehen. Einige sind schwerer, einige leichter. Die Särge sind innen mit weichen, weißen Kissen ausgepolstert, was sehr schön und gemütlich aussieht. Das Menschen auch im Meer oder im Wald bestattet werden können wussten viele von uns vorher nicht.

Respekt vor Beruf

Dann verabschieden wir uns. Die Frage, weshalb man sich für diesen Beruf entscheidet, stellen sich die meisten von uns nach diesem Besuch nicht mehr. Viel eher respektieren und schätzen wir die Menschen, die als Bestatter arbeiten. Es ist ein wichtiger und bestimmt nicht immer leichter Beruf, für den sich ganz sicher nicht jeder eignet. Umso schöner und bemerkenswerter ist es, dass es Menschen wie Schäfer und sein Team gibt, die den Verstorbenen mit so viel Respekt und Würde begegnen und die Hinterbliebenen beim schweren Weg des Abschiednehmens begleiten.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.