ZETEL Die Aktion hieß im zynischen Nazi-Jargon „Gewitter“. Und einer, den dieses „Gewitter“ traf, war der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Friedrich Frerichs aus Zetel. Am 22. August 1944, vor 65 Jahren, wurde Frerichs in Zetel von Schergen der Gestapo verhaftet – auf Anweisung des SS-Führers Heinrich Himmler. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 richtete sich die Aktion "Gewitter" gegen viele ehemalige führende SPD-Funktionäre. So war neben Frerichs in Varel der SPD-Politiker Adolf Heidenreich (1897 - 1958) verhaftet worden. Im Gegensatz zu Frerichs wurde Heidenreich aus der KZ-Haft entlassen. Frerichs überlebte die Torturen im KZ Neuengamme nicht. Er starb unter nicht geklärten Umständen wahrscheinlich am 3. Mai 1945 an Bord der „Cap Arcona“ zusammen mit anderen Häftlingen, die man aus dem KZ evakuiert hatte.

Frerichs hinterließ eine Ehefrau, Elisabeth Frerichs, während der Weimarer Republik Stadträtin in Rüstringen und ebenfalls Landtagsabgeordnete für die SPD. Sie hatte sich zum Zeitpunkt seiner Verhaftung nicht in Zetel aufgehalten, weil sie ihren verwundeten Sohn aus erster Ehe, Hans Oppel, in einem Lazarett im Osten besuchen wollte.

Mutige Elisabeth Frerichs

Elisabeth Frerichs muss eine mutige Frau gewesen sein. Sie nahm Kontakt auf mit verschiedenen Stellen der Staats- und Parteidienststellen. Unter anderem intervenierte sie bei dem Ministerpräsidenten Georg Joel, den sie noch aus Landtagszeiten kannte, um die Freilassung ihres Mannes. Vergeblich. Der Gendarmerie-Standort Zetel erhielt am 20. Oktober 1944 die Anweisung Elisabeth Frerichs mitzuteilen, dass das Reichssicherheitshauptamt eine Entlassung ihres Mannes abgelehnt habe. Der „Meister der Gendarmerie“, ein gewisser Munderloh, vermerkte, dass er Elisabeth Frerichs am 23. Oktober 1944 benachrichtigt habe.

Nach dem Kriege bemühte sich Elisabeth Frerichs bei vielen Stellen und SPD-Politikern, das Schicksal ihres Mannes aufzuklären. Auch der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher aus Hannover war einer der Inhaftierten in Neuengamme gewesen. Frerichs hatte ihn gefragt, Schumacher bestätigte, dass er mit Frerichs inhaftiert war, konnte jedoch nicht mit weiteren Einzelheiten helfen. Fritz Frerichs wurde 1882 in Heppens geboren. Sein Vater war Arbeiter, er selbst lernte das Tischler-Handwerk in Varel, anschließend war er auf Wanderschaft. Von 1903 an engagierte er sich im Holzarbeiterverband, dem er ab 1906 als Vorstandsmitglied in Rüstringen, zeitweise in Emden angehörte. 1906 trat er auch in die SPD ein.

Im Weltkrieg Soldat

Im Ersten Weltkrieg war Frerichs Soldat. Von 1919 bis 1933 war Frerichs Parteisekretär in Rüstringen-Wilhelmshaven, von 1921 bis 1930 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Oldenburgischen Landtag, 1922 bis 1933 Stadtrat in Wilhelmshaven, 1929 wurde er auch Mitglied des SPD-Bezirksvorstands. Die Nazis nötigten die Eheleute Frerichs, Wilhelmshaven/Rüstringen zu verlassen. Sie zogen nach Bohlenbergerfeld, später nach Zetel. Und es ist wohl eine Ironie des Schicksals, dass die Straße, in der die Eheleute Frerichs nun wohnten, Adolf-Hitler-Straße hieß.

Frerichs war eine Weile arbeitslos, arbeitete ab 1935 wieder als Tischler. Seine Frau hielt die Familie mit einem Hausierhandel über Wasser. Ab 1940 bis zu seiner Verhaftung arbeitete Frerichs auf dem Fliegerhorst Marx.

Nach dem Krieg wurde die Straße in Zetel, in der Frerichs gelebt hatte, in Fritz-Frerichs-Straße umbenannt. Seine Frau engagierte sich beim Wiederaufbau der Arbeiterwohlfahrt. Sie starb 1967 in Oldenburg.

Sozialdemokrat und Abgeordneter

Friedrich ( Fritz) Frerichs (4. Januar 1882 in Heppens, gestorben vermutlich Anfang Mai 1945 im Konzentrationslager Neuengamme): Er wuchs in Wilhelmshaven auf und absolvierte eine Tischler-Lehre in Varel. Am Ersten Weltkrieg nahm er drei Jahre als Soldat teil. 1903 trat er in den Holzarbeiterverband ein, 1906 in die SPD. Nach der Novemberrevolution wurde er Ortssekretär der SPD in Wilhelmshaven, von 1920 bis 1933 Mitglied des Oldenburgischen Landtages, ferner Ratsherr der Stadt Wilhelmshaven (bis 1933). Nach dem Verbot der SPD 1933 wurde Frerichs arbeitslos, konnte dann ab 1935 wieder als Tischler arbeiten. Mit seiner Frau Elisabeth (1883 bis 1967) zog er nach Bohlenbergerfeld, dann nach Zetel - ausgerechnet in die damals so benannte Adolf-Hitler-Straße. Er stand unter Gestapo-Bewachung. 1940 wurde Frerichs zum Bau des Flugplatzes Marx verpflichtet. Nach seiner Verhaftung 1944 wurde Frerichs in das Konzentrationslager Neuengamme geschafft, wo er kurz vor Kriegsende unter

ungeklärten Umständen umkam

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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