Köln Sich mit dem Wohnen zu beschäftigen, sei zunehmend ins individuelle und gesellschaftliche Bewusstsein gerückt, erklärt Ursula Geismann, Trendanalystin des Verbandes der Deutschen Möbelindustrie, anlässlich der Internationalen Möbelmesse IMM Cologne. „Wir lieben das Wohnen und wohnen so schön wie nie zuvor.“ Des Zuhause werde bewusst in Szene gesetzt und sei Bestandteil des Lebensstils geworden.

Sichtbares Holz

Und in dem Zuge hält auch der Wunsch nach Nachhaltigkeit Einzug. Im Sinne von Recycling und Upcycling spiele es schon seit einiger Zeit eine wachsende Rolle, so Geismann. Viele Hersteller setzen auf nachhaltige Materialien – insbesondere Holz. Außerdem erhält der skandinavische Einrichtungsstil einen weiteren Schub: „Helle Holzarten, natürliche Stoffe und eher kleine Möbel passen besser in das Konsumverhalten einer besorgten Familie als Kunststoffstühle, ausladende Sofalandschaften oder hochwertige Möbel mit vielen Lackschichten“, meint Frank A. Reinhardt, Trendanalyst für den Veranstalter Koelnmesse. Möbel werden zunehmend sichtbare Elemente aus Holz tragen, erklärt Trendanalystin Gabriela Kaiser. Sofas mit hölzerner Rückwand nennt sie als Beispiel – und: „Armlehnen aus Holz sind ganz neu im Kommen.“ Außerdem wird Holz nicht immer komplett glatt geschliffen, Astlöcher bleiben durchaus sichtbar.

Ruhiges Design

Neben der Qualität und Langlebigkeit des Materials müsse auch die Gestaltung in den Anspruch an Nachhaltigkeit einbezogen werden, meint Geismann: „Ruhiges und zurückhaltendes Design hat mehr Chancen, älter zu werden, als ein allzu modisches oder ein kultiges Aussehen.“ Auch Multifunktionalität dürfte dazu beitragen, dass ein Möbelstück effektiv genutzt werden kann – entweder zu verschiedenen Zwecken oder in unterschiedlichen Räumen. Ein Aspekt, den immer mehr Hersteller berücksichtigen. Ein besonderer Fokus der Designer scheint auf dem Hocker als Möbel zum Herumtragen zu liegen.

Im Zusammenhang mit der Zukunftsfähigkeit des Wohnangebots nennt Geismann die Stichworte smart, urban und komfortabel. Mit smarter Steuerung könne man beispielsweise die Tischhöhe verstellen, Schubladen öffnen und schließen oder die Memory-Funktion von Sitzmöbeln abrufen. Dem Trend zur Urbanisierung – dem Wohnen in der Stadt und damit häufig auch auf weniger Quadratmetern – zollen Designer mit schlankeren und flexiblen Entwürfen Rechnung.

Aus altersgerechten Möbeln wird jetzt Komfortwohnen: Mehr denn je beschäftigen sich die Möbeldesigner auch mit altersgerechten Entwürfen wie verstellbaren Sesseln oder Betten mit höherem Einstieg. Bislang gab es dabei eine Hürde: Für Senioren zu bauen, galt als unsexy. „Das dreht sich nun langsam“, berichtet Geismann. Auffallend bei den neuen Angeboten sei eine Hinwendung zu besserem Design. „Man hat endlich erkannt, dass der Geschmack sich mit 70 nicht plötzlich ändert.“

Drinnen wie draußen

Eine Vielzahl an Einrichtern der Wohnräume im Haus hat begonnen, auch Gartenmöbel zu produzieren. Sie machen das, um ein komplettes Programm anbieten zu können, meint Christoph Kahleyss, Designer für Firma Freifrau. So könnten Stammkunden einer Linie treu bleiben – drinnen wie draußen.

Viele Varianten

Farbenfroh zeigt sich zwar die Angebotspalette der Möbelhersteller. Kombiniert werden sollte allerdings nur Ton in Ton. Klassisches Blau ist die Pantone-Trendfarbe des Jahres – und so findet sich bei den Bezugsstoffen für Polstermöbel ein breites Angebot an Blautönen. Beliebt sind europablau, hellblau, türkis und petrol. Als Grundfarben bleiben die Naturtöne, zu denen auch unlackiertes Holz in seinen vielen Farbnuancen zählt. Schwarz ist als Farbe für Fronten, Bezüge oder als Akzent wieder da.

Zierlichen und kleineren Möbeln gehöre die Zukunft, meint Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie. Auffällig sei das Angebot modularer Sofaelemente. Der Ohrensessel werde als Polstersessel mit schützendem Halt neu interpretiert. Skandinavien und Japan dienen den Möbeldesignern derzeit als Inspirationsquelle.

Bei den Materialien „stehen wir vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit vermutlich am Anfang einer Holzrenaissance“, meint Geismann. Die Entwürfe von Tischen, Sideboards oder Schränken seien dabei elegant und ganz und gar nicht rustikal. Eiche in ihrem natürlichen Farbton bleibt Bestseller. Neuester Trend ist die Ascheiche, die schwarz und angekokelt aussieht. Echtes Holzfurnier wird im Frontbereich mit Materialien wie Glas und Metall kombiniert. Linoleum und Wiener Geflecht aus Rattan erleben einen starken Aufwind. Bei den Bezugsstoffen ist ein breites Angebot an Naturfasern zu erkennen. Cord und Samt spielen eine große Rolle.

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