DELMENHORST Hinterhältig, skurril und doppelbödig: Die Exponate, die Kuratorin Dr. Annett Reckert für die neue Ausstellung in der Städtischen Galerie zusammengetragen hat, geben reichlich Stoff zum Nachdenken. Gemeinsam ist den 35 gezeigten Werken von internationalen Künstlern eines: Sie gehen innige Verbindungen mit den Ecken, Nischen und Winkeln in den Ausstellungsräumen, Fluren und dem Treppenhaus des Hauses Coburg und der Remise ein. Eröffnung ist an diesem Freitag um 20 Uhr.

Die Ecke als ein Ort des Unheimlichen, aber auch spontaner, hinreißender oder beiläufiger Poesie aus ihrem Schattendasein, das sie in der Kunstszene fristet, herauszuholen, sei ihr Anliegen gewesen, erklärte Galerieleiterin Reckert bei der Vor­ab-Präsentation der Ausstellung am Donnerstag. Die Künstlerinnen und Künstler sind dabei mitnichten zimperlich vorgegangen, haben die ehrwürdige Jugendstilvilla an der Fischstraße wortwörtlich in Beschlag genommen. So zum Beispiel der in Belgien lebende Franz Burkhardt, der im Obergeschoss in einer Ecke einen ganzen Bretterverschlag mit Türen und Fenstern errichtet hat. Oder die Künstlerin Karin Sander, die in einer Ecke die Rigips-Wände entfernt und den Blick auf das Dachgebälk des Hauses freigelegt hat.

Geradezu gemein mutet die „Kinderfalle“ von Carsten Höller an. Schokobonbons, auf einem rosa Teppich verteilt, dazwischen ein Kabel mit einem Schukostecker. Man mag gar nicht ausprobieren, ob das Kabel tatsächlich unter Strom steht. Ähnlich tückisch gibt sich auch der Künstler Andreas Slominski mit seiner „Pudelfalle“. Das „vielleicht wertvollste Stück der Ausstellung“ (Reckert) ist gleichzeitig eines der unspektakulärsten – aber nur auf den ersten Blick: Was aussieht wie eine fabrikfrische Rolle Packpapier, entpuppt sich als Illusion, von der Norwegerin Ane Mette Hol aus weißem Papier geschaffen, das sie mit Buntstiften in zwölf Farbschattierungen bearbeitet hat. Sogar die Banderole mit ihrem Barcode ist handgearbeitet. Auch scheinbar Unspektakuläres gibt es zu sehen: So ein schierer Nagel, in eine Ecke in die Wand geschlagen, und ein Exponat, das sich schamhaft unter einer Treppenstufe verbergen will. Dazu kontrastierend der riesige schwarze Eckenschoner von Christian Helwing, der die Besucher im Treppenhaus umfängt. Eine besondere Stellung unter den Exponaten nimmt die Ecke von Künstlerin Gabriela Oberkofler ein. Sie ist ganz und gar der Andacht, dem Gedenken und dem Tod gewidmet.

Einführende Worte sprechen zur Eröffnung Kultur-Fachbereichsleiter Arnold Eckardt, Udo Unger, Geschäftsführer der Stiftung Kunst und Kultur der LzO, die das Zustandekommen der Ausstellung ebenso wie das Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit einem namhaften Betrag unterstützt hat, und Galerieleiterin Reckert. Gezeigt wird „Ab in die Ecke“ bis zum 12. August.

Wolfgang Bednarz Delmenhorst / Redaktion Delmenhorst
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