Oldenburg Dass der Zentralbankrat der Europäischen Zentralbank (EZB/Frankfurt) bei seiner Sitzung in der nächsten Woche weitere geldpolitischen Lockerungen beschließt, gilt als recht wahrscheinlich – zumindest nun wohl bei den Teilnehmern beim „9. Tag der Ökonomischen Bildung“ in Oldenburg, den der Ökonomielehrer-Verband Vöbas veranstaltete.

Denn Jens Ulbrich, Leiter des Zentralbereichs Volkswirtschaft bei der Deutschen Bundesbank, machte in seinem Vortrag in der Universität klar: Die EZB will unbedingt den Eindruck vermeiden, dass sie machtlos ist bei dem Versuch, die Teuerungsrate in Richtung der angepeilten knapp zwei Prozent zu lenken. Sonst, warnte Ulbrich, könnte sich die Erwartung einer weitergehenden Preisschwäche etablieren – mit ungünstigen Folgeerscheinungen wie letztlich weiter fallenden Preisen (Deflation).

Solchen Einschätzungen aus erster Hand direkt aus der EZB-Organisation lauschten gebannt fast 200 Lehrkräfte, Hochschulangehörige, aber auch aktiv mit Projekten beteiligte Auszubildende der Bremer Landesbank um Nachwuchskräfteentwickler Andreas Walter sowie Gäste von der Wirtschaftsuniversität in Wien, die der Verband Ökonomische Bildung an allgemein bildenden Schulen (Vöbas/Oldenburg) zusammengeführt hatte. „So viel Krise war noch nie“, konstatierte Vöbas-Vorsitzender Kajo Burkard eingangs zum Hintergrund des Tagungsthemas: „Die Zukunft des Geldes und die Krise der Geldpolitik“.

Vöbas ging es darum, über einige Aspekte der Zukunft des Geldes mehr zu erfahren und sie über Workshops für die Lehrkräfte zur Nutzung im Unterricht aufzubereiten. Anschauliche Beispiele gaben etwa Heike Winter (Bundesbank) mit dem Thema: „Wie Internet und Smartphones das Bezahlen verändern“; oder der Oldenburger Lehrer Jörn Beineke (Cäcilienschule) mit „Historischen und aktuellen Finanzkrisen im Unterricht“. Initiator Burkard forderte „nachhaltig implementierte Wirtschaft“ an Schulen mit eigenem Fach und bei Integrationsfächern (etwa zusammen mit Politik) einen „verbindlichen Kernbestand ökonomischer Anteile“.

Das Publikum nahm viele inhaltlich interessante Einschätzungen mit. Der Bundesbank-Chefvolkswirt Ulbrich vertrat beispielsweise auch die Auffassung, die Niedrigzinspolitik bedeute keineswegs die Enteignung der Sparer, wie oft behauptet. Man müsse erst einmal unterscheiden zwischen dem Nominalzins und dem, was nach Abzug der Teuerungsrate übrig bleibe (Realzins). Dabei schneide das aktuelle Ergebnis nicht schlecht ab. Zudem habe der Trend zu sinkenden Zinsen schon in den 80er Jahren begonnen, und er hänge auch etwa mit der nachlassenden Dynamik der Weltwirtschaft und demografischen Effekten zusammen.

Der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, kritisierte unter anderem, dass man den Banken seit den 80er Jahren gestattet habe, verstärkt in nicht bankübliche Geschäfte einzusteigen. Diese Makler-Tätigkeiten trügen dazu bei, dass Banken heute nicht die wünschenswerte antizyklische Rolle bei Schwächephasen (durch mehr Kreditvergabe) einnehmen würden. Hellmeyer sieht durchaus positive Argumente für eine Erholung in Europa. Er verwies unter anderem auf Chancen durch die ungewöhnlich vielen Technologieperlen („Hidden Champions“).

Ein Schwerpunkt beim „Tag der ökonomischen Bildung“ war auch das Bildungssystem selbst. Der Oldenburger Professor Dirk Loerwald (Institut IÖB) betonte das Ziel, Schülern neben instrumentellem Wissen zur Alltagsbewältigung auch Wissen über Strukturen sowie Werte zu vermitteln. In Oldenburg werde gerade mit Förderung aus Berlin ein „ökonomisches Lernlabor“ eingerichtet. Dort solle die „Lernwirksamkeit“ erforscht werden.

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Roland Henke, Referent im Landes-Kultusministerium, unterstrich das Wirtschaftsbildungsziel „als mündiger Konsument leben zu können“, das sich in einer Vielzahl von Fächern wiederfinde. An Bedeutung gewinne zurzeit die Berufs- und Studienorientierung. Keine Hoffnung machte Henke auf mehr Unterrichtsstunden etwa für Politik/Wirtschaft.


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Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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