Zeven /München Deutscher Käse bleibt ein Exportschlager. Der letztjährige Höchststand bei den Ausfuhren von knapp 1,2 Millionen Tonnen wird 2017 voraussichtlich erneut übertroffen, obwohl die deutschen Bauern wegen des Preisverfalls die Milchproduktion reduziert hatten. Von Januar bis Ende Juli sind die Exporte nach den Zahlen des Milchindustrie-Verbands um 1,7 Prozent auf 714 000 Tonnen gestiegen.

Die Erzeugerpreise für Milch sind seit dem Preistief im Sommer 2016 wegen des zwischenzeitlichen Produktionsrückgangs stark gestiegen. „Es läuft gut, auch wenn Käse teurer geworden ist“, sagt Hauptgeschäftsführer Eckhard Heuser. In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Käseexporte laut Heuser verdoppelt, kein anderes Land führt mehr Käse aus als die Bundesrepublik.

Der Löwenanteil geht in das restliche Europa. Doch in den traditionellen Märkten läuft das Geschäft nicht so gut, das Plus belief sich bis Ende Juli auf bescheidene 0,26 Prozent. Der außereuropäische Markt spielt nach wie vor eine kleine Rolle, doch dort sind die Wachstumsraten am höchsten. Der Spitzenreiter unter den größeren Abnehmerländern in Übersee ist in diesem Jahr bislang Südkorea mit einem Plus von fast 80 Prozent.

Das Bundesland mit den meisten Milchbauern ist Bayern, ein großer Hersteller ist die Allgäuer Hochland-Gruppe. Das Familienunternehmen verkauft jährlich gut 300 000 Tonnen Käse und setzte damit 2016 knapp 1,2 Milliarden Euro um. Hochland sieht mehrere Ursachen für die weltweit steigende Nachfrage eine davon ganz einfach „die wachsende Weltbevölkerung“, wie Sprecherin Petra Berners erklärt. „Es wächst also schlicht die Zahl der Verbraucher.“

Und außerdem entwickelt sich die Liebe zum Käse offensichtlich im Gleichschritt mit dem Einkommen: In Ländern mit steigenden Haushaltseinkommen steige generell die Konsumfreude und damit auch der Käseabsatz, sagt sie.

Größte Molkerei der Bundesrepublik ist aber eine norddeutsche Genossenschaft: das Deutsche Milch-Kontor (DMK) im niedersächsischen Zeven mit einem Jahresumsatz von 5,1 Milliarden Euro. „Wir erkennen im Käsesegment einen stabilen, leicht steigenden Trend“, sagt Sprecher Oliver Bartelt. Das Unternehmen verarbeitet 6,7 Milliarden Kilo Milch im Jahr und ist mit Vertriebsniederlassungen in Schanghai, Moskau und Dubai global präsent.

Die Bedeutung des ostasiatischen Marktes sei gegenüber 2016 noch einmal gewachsen, sagt er. „Gerade in China und Japan ist der Bedarf an europäischen Molkereiprodukten gestiegen, da sie diesen nicht selbst decken können.“

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Für die Milchbauern ist die Exportstärke ein zweischneidiges Schwert. Schwächeln die Auslandsmärkte, rutschen die Landwirte in die Krise. Denn in der Bundesrepublik wird mehr Käse hergestellt als gegessen: Der sogenannte Selbstversorgungsgrad liegt nach Zahlen der Export-Union für Milchprodukte bei 117 Prozent, in Bayern wird sogar dreimal mehr Käse produziert als verbraucht.

Im vergangenen Jahr waren die Erzeugerpreise für Milch auf einen Tiefstand abgestürzt, 2017 sind die Preise wieder kräftig gestiegen. Denn einerseits hatten die europäischen Milchbauern krisenbedingt die Produktion heruntergefahren, gleichzeitig stieg die weltweite Nachfrage. Doch die Erholung der Preise muss keineswegs von Dauer sein.

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