HANNOVER /HAMBURG HANNOVER/HAMBURG - Die Zuzahlungen beim Zahnersatz sind für gesetzlich Versicherte seit Januar deutlich gestiegen. Grund hierfür sind die seit Jahresbeginn geltenden Festzuschüsse, die bei Kronen, Brücken oder anderem Zahnersatz die prozentualen Zuzahlungen ersetzt haben.

„Die Belastung wird größer“, sagt Frank Meiners, Sprecher der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK). Seien bei der prozentualen Regelung 50 bis 80 Prozent der Kosten von der Kasse erstattet worden, liege der Hauptteil jetzt bei den Versicherten, so Meiners über die Verschiebungen zu Ungunsten der Patienten.

Nach DAK-Erhebungen bekommen diese in etwa 60 Prozent aller Versorgungsfälle weniger als die Hälfte der Kosten als Zuschuss zurück. Jeder fünfte Versicherte bleibe sogar auf 70 Prozent der Kosten sitzen. Mehr Geld zahle die Kasse laut Meiners nur für Härtefälle.

Die AOK Niedersachsen hat ebenfalls festgestellt, dass Versicherte bei Zahnersatz häufig mehr zuzahlen müssen. Der AOK-Anteil für einen durchschnittlichen Zahnersatzfall lag im ersten Quartal dieses Jahres bei 643 Euro – 14 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Dieses Weniger muss der Patient selber tragen“, sagt Klaus Altmann, Sprecher der AOK Niedersachsen.

Ursache für die Mehrkosten ist die gestiegene Zahl an Zusatzleistungen, die nicht von der Kasse übernommen und vom Zahnarzt nach der Privatgebührenverordnung (GOZ) abgerechnet werden. Der Patient gerate so aus dem Schutz der Krankenkasse heraus und der „Zahnarzt mehr und mehr in die Rolle eines Zahnersatzverkäufers“, kritisiert Altmann. Die Zahnärzte versuchten verstärkt, Patienten ihre Leistungen schmackhaft zu machen.

Vorteil der gültigen Regelung: Früher gab es bei Implantaten keinen Cent von der Kasse dazu, heute beträgt der Zuschuss mindestens 350 Euro. Dafür sei die Art der Versorgung an sich aber teurer, relativiert Altmann. Dem widerspricht Elke Steenblock-Dralle von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Niedersachsen: „Unterm Strich haben Festzuschüsse die Versorgung nicht teurer gemacht.“ Zudem sei was wirtschaftlich erscheine, nicht immer für den Patienten optimal.

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Was einerseits die Gefahr der Überversorgung birgt, kann andererseits zur Unterversorgung führen. Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Krankenkassen „müsse verhindert werden, dass sich die Zahngesundheit in Deutschland verschlechtere, wenn immer mehr Patienten wegen hoher Zuzahlungsforderungen der Zahnärzte auf notwendige, medizinisch anerkannte Zahnersatzversorgung verzichten“. Das deckt sich mit Altmanns Eindruck: „Eine Reihe von Patienten sagt schlicht: ,Das kann ich mir nicht leisten!‘“

Nun komme es darauf an, so DAK-Sprecher Meiners, Kosten über private Zusatzversicherungen abzusichern. Außerdem raten die Kassen, mit ihrer Hilfe Vergleichsangebote bei Dental-Labors und Zahnärzten einzuholen, um auf diesem Weg günstige Alternativen zu finden.

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