Hannover /Frankfurt Bei Norddeutschlands größter Landesbank wird es regelmäßig kriminell. Dann nämlich, wenn der NDR die Zentrale der NordLB in Hannover für Deutschlands bekannteste Krimi-Reihe „Tatort“ zum Dienstsitz von Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) umfunktioniert. Der futuristische Glaspalast, der das Stadtbild der niedersächsischen Landeshauptstadt prägt, ist im „Tatort“ keine Bank, sondern dient als Drehort für den lichtdurchfluteten Sitz des Landeskriminalamts. Am 9. März feiert die NordLB, deren Zentrale die „Tatort“-Fans kennen, 250. Geburtstag. Mit der langen Geschichte ist das Institut nach eigenen Angaben das erste öffentlich-rechtliche Kreditinstitut Deutschlands.

Zur Gründung 1765 galt es nach dem Siebenjährigen Krieg die Wirtschaft anzukurbeln und Aufbauarbeit zu finanzieren. Das Kurfürstentum Hannover war mit Großbritannien und Preußen gegen die übrigen damaligen europäischen Großmächte in den Kampf gezogen, auch in Übersee - daher gilt der Siebenjährige Krieg so manchem Historiker als ein erster Weltkrieg. 1765 entstand in Braunschweig das „Herzogliche Leyhaus“, der NordLB-Vorgänger. In dem Gründungshaus der Bank, der Braunschweiger Jakob-Kemenate, geht es heutzutage um Kunst und Kultur, nicht mehr um Kredite.

Inzwischen ist das Hauptfeld der NordLB das maritim geprägte Kreditgeschäft für Frachter, Tanker oder Containerriesen. Dahinter rangiert die Flugzeug-, Agrar- und Immobilienfinanzierung. Rund 16 Milliarden hatte die NordLB zuletzt ins Segment Schifffahrt gepumpt - und litt über Jahre unter der hartnäckigen Krise in der Branche, die noch heute gegen sinkende Frachtraten und Unterauslastung kämpft.

Mittlerweile hat sich die Lage etwas gebessert für die NordLB. Der Weg aus dem Sog hellte die Bilanz zuletzt deutlich auf. Dabei galt das Geldhaus wegen maroder Kredite für die schwächelnden Seefrachten lange als Wackelkandidat im Stresstest der Europäischen Zentralbank (EZB), bestand ihn im Herbst dann aber doch.

In jüngerer Zeit machte die NordLB wieder deutliche Gewinne. So wies das Institut für die ersten drei Quartale des vergangenen Jahres unter dem Strich 251 Millionen Euro aus - nach 112 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die Bilanz für 2014 gibt es Ende April.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon lobt die Landesbanken: „Sie stehen heute gestärkt im Wettbewerb. Und sie strahlen wieder neues Selbstbewusstsein aus“, sagte Fahrenschon Ende Februar bei einer Tagung in Berlin. Das sei „Ausdruck dafür, dass ein sehr schmerzlicher und mehrere Jahre andauernder Anpassungsprozess jetzt bei fast allen Instituten schon Erfolge zeigt“.

Viele der öffentlich-rechtlichen Institute bekamen nach den Wirren der Finanzkrise und staatlichen Rettungsmilliarden Druck aus Brüssel. Bei der HSH Nordbank läuft noch ein EU-Beihilfeverfahren. Dabei geht es um die Wiederaufstockung der Ländergarantien von sieben auf zehn Milliarden Euro, die bislang erst vorläufig genehmigt sind und neue Auflagen aus Brüssel nach sich ziehen könnten. Am härtesten traf es die Düsseldorfer WestLB: Die einst größte Landesbank Deutschlands wurde zum 30. Juni 2012 zerschlagen. Während die Abwicklung der Altlasten Milliarden verschlingt, erweiterte die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) mit dem Sparkassengeschäft der WestLB ihr Einflussgebiet auf Nordrhein-Westfalen und Brandenburg.

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Die große Marktbereinigung, die mancher Experte seit Jahren fordert, blieb jedoch aus. Und so konkurrieren weiterhin sieben Landesbanken um die Gunst der Kunden - und nicht zwei oder drei, wie es etwa Helaba-Chef Hans-Dieter Brenner befürworten würde.

Die NordLB habe bewiesen, dass sie „sowohl krisenresistent als auch profitabel“ sei, hatte Vorstands-Chef Gunter Dunkel Ende November erklärt. Die lange Geschichte spricht für das Institut, dessen eigentliches Gründungsdatum als heutige NordLB der 1. Juli 1970 ist: Damals fusionierten die vier Vorgänger, darunter die Braunschweigische Staatsbank, Nachfolgerin des „Herzoglichen Leyhauses“.

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