Wiesbaden Gesunkene Energiepreise haben die Teuerungsrate in Deutschland auf den niedrigsten Stand seit Februar 2018 gedrückt. Die Verbraucherpreise stiegen im September im Vergleich zum Vorjahresmonat im Durchschnitt um 1,2 Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit und bestätigte damit vorläufige Angaben. Im August hatte die Rate noch bei 1,4 Prozent gelegen.

Vor allem für Energie (minus 1,1 Prozent) mussten die Menschen weniger ausgeben als noch ein Jahr zuvor. Gegenüber August 2019 blieben die Verbraucherpreise im September unverändert.

Deutlich billiger als im Vorjahresmonat waren leichtes Heizöl (minus 10,5 Prozent) und Sprit (minus 6,7 Prozent). Fernwärme, Erdgas sowie Strom verteuerten sich dagegen. Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate im September den Angaben zufolge bei 1,4 Prozent gelegen.

Zugleich schwächte sich der Preisanstieg bei Lebensmitteln auf 1,3 Prozent ab. Im August war noch ein Anstieg von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet worden.

Die Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Notenbank strebt für den gesamten Euroraum mit seinen 19 Ländern mittelfristig eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an – weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder auf breiter Front sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben. Das kann die Wirtschaft bremsen. Auch im Euroraum hatte sich der Preisauftrieb im September nach ersten Angaben des Statistikamtes Eurostat ebenfalls abgeschwächt. Die Jahresinflation erreichte mit 0,9 Prozent den tiefsten Stand seit November 2016.

Angesichts der Konjunkturabkühlung und der vergleichsweise schwachen Inflation hatte die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik jüngst weiter gelockert.

Eine von Sparern ersehnte Zinserhöhung ist in weite Ferne gerückt. Die Zentralbank verlangt zudem von Banken nicht nur höhere Strafzinsen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Sie steckt ab November auch monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen – und das zeitlich unbefristet. Viele Ökonomen bezweifeln jedoch, dass die zusätzliche Lockerung die Teuerung an den Zielwert der Notenbank heranführen wird.

Eine Teuerung – wie von der EZB angepeilt – träfe Sparer hart. Sie erhalten nicht nur keine Zinsen mehr – sondern die Teuerung nagt auch noch am Vermögen.

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