BERLIN /HANNOVER In Niedersachsen sind Wohlstand und Armut regional sehr unterschiedlich verteilt. Während das Umland Hamburgs und die Heideregion die geringsten Armutsquoten aufweisen, ist Ostfriesland das Sorgenkind. Das geht aus dem ersten regionalen Armutsatlas hervor, den der Paritätische Gesamtverband am Montag in Berlin vorstellte.

Danach liegt Niedersachsen mit einer Armutsquote von 15,5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt (14,3) und deutlich über dem Westdeutschlands (12,9). Nur das Saarland (16,8) und Bremen (19,1) hätten im Westen schlechtere Werte. Am größten ist die Armut in Mecklenburg-Vorpommern (24,3), am kleinsten in Baden-Württemberg (10,0).

Für Ostfriesland (inklusive Landkreis Friesland) wurde eine Quote von 20,3 Prozent ermittelt. Dort lebt jeder fünfte Einwohner unterhalb der Armutsgrenze. Die Region Oldenburg (ohne Wesermarsch und Friesland) kommt auf 16,2 Prozent, die Wesermarsch auf 17,4 Prozent.

Problemregionen

„Deutschland ist sozial und regional tief zerrissen“, sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider bei der Vorstellung des Atlas’. In vielen Regionen gebe es einen „Teufelskreis der Verarmung“. Ohne rasches und gezieltes Gegensteuern sei die Verödung ganzer Landstriche nicht mehr aufzuhalten.

Zu den strukturschwachen Regionen Niedersachsens zählt der Paritätische die großräumigen ländlichen Bereiche im Nordosten und Westen des Landes. Das Oldenburger Münsterland bilde dabei eine Ausnahme. Problemregionen in Niedersachsen seien neben Ostfriesland und der Wesermarsch der Raum Göttingen (18,5) und die Region Osnabrück (17,0). Mit einer Quote von 13,6 Prozent schneidet das Emsland vergleichsweise gut ab, ebenso das Bremer Umland (inklusive der Stadt Delmenhorst) mit 13,7 Prozent.

Der Arbeitsmarkt in Niedersachsen habe sich zwischen 1991 und 2008 zwar positiv entwickelt; die Erwerbslosenquote lag 2008 mit 7,7 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt (7,8). Auch die Zahl der Erwerbstätigen sei von 3,3 auf 3,67 Millionen gestiegen (plus 11,2 Prozent), allerdings hauptsächlich im Bereich der geringfügigen Beschäftigung.

Stärkere Abwanderung

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten stagnierte zwischen 1993 und 2008 nahezu (plus 0,1 Prozent). Gleichzeitig verlor das Land von 1991 bis 2006 rund 454 000 Einwohner durch Abwanderung.

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Auf Sozialtransfers sind nach Angaben des Paritätischen Gesamtverbandes im Durchschnitt 10,1 Prozent der insgesamt 7,98 Millionen Niedersachsen angewiesen. Schneider forderte, den Hartz-IV-Regelsatz von derzeit 351 auf 440 Euro zu erhöhen und die Konjunkturprogramme stärker regional auszurichten. Fördermittel dürften nicht länger wie bei der Abwrackprämie „mit der Gießkanne verteilt“ werden.

Details zum Armutsatlas unter: www.paritaet.org

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