Wiefelstede /Seefelderaußendeich Als sehr positiv haben Landwirte das Einigungsgespräch mit Verantwortlichen von Edeka im Streit um eine missverständliche Werbekampagne geschildert. Edeka-Vorstand Mark Rosenkranz hatte am Mittwoch mit Vertretern des Landvolks, Landfrauen und der Initiative „Land schafft Verbindung“ geführt. Darunter auch Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke und die beiden Landwirte Arno Oeltjen (Westerloy, Ammerland) und Douwe Witbaard (Seefelderaußendeich, Wesermarsch).

Edeka hatte zum 100-jährigen Bestehen der Genossenschaft in 430 Ortschaften plakatiert. Auf den Plakaten war ein Foto mit Otto Waalkes zu sehen. Das für die Gemeinde Essen/Oldenburg bestimmte Plakat hatte die Landwirte erzürnt, weil darauf zu lesen war „Essen hat einen Preis verdient: den niedrigsten“. Darauf hin hatten 250 Landwirte das Edeka-Lager in Wiefelstede mit Traktoren blockiert und eine Entschuldigung sowie ein Ende der Werbekampagne verlangt.

Edeka-Vorstandssprecher Mark Rosenkranz entschuldigte sich bei den Landwirten. „Die derzeit sehr sensible Situation in der Landwirtschaft haben wir unterschätzt“, sagte Rosenkranz. Das aktuelle Plakatmotiv wird durch ein neues Motiv schnellstmöglich ersetzt. Und die Runde vereinbarte noch mehr, nämlich einen Rollenwechsel: Edeka-Chef Mark Rosenkranz wird für einen Tag auf den Hof von Douwe Witbaard nach Seefelderaußendeich kommen, Witbaard wird für einen Tag Edeka-Chef sein. Und Arno Oeltjen aus Westerloy (Stadtgemeinde Westerstede) wird für einen Tag Unterstützung von Marketing-Verantwortlichen der Edeka bekommen und selbst für einen Tag Werbechef sein. Tipps hat er schon: Das umstrittene Plakat sei viel zu dunkel, sagt Oeltjen. Von Edeka sei man viel hellere Farben in Kampagnen gewohnt. Auch der Anlass der Kampagne, das 100-jährige Bestehen von Edeka, gehe aus den Plakaten nicht hervor.

Für die neue Kampagne werden Landwirte gesucht, die bereit sind für einen Tag den Job zu wechseln und die Arbeit im Einzelhandel kennenzulernen. Darüber hinaus will Edeka verstärkt auf regionale Produkte hinweisen.

Den Landwirten geht es um Wertschätzung, und auch um die Wertschätzung der Lebensmittel. Felix Müller aus Lehmden (Ammerland) hatte sich an der Treckerdemonstration in Wiefelstede beteiligt. „Edeka hat Dialogbereitschaft gezeigt“, lobte er. Die Preisbildung bei Lebensmitteln sei freilich nicht auf Edeka beschränkt. Alle großen Handelsketten setzten auf Niedrigpreise, „andere Händler müssen mit an den Tisch“, ist Oeltjen überzeugt. Die großen Handelsketten hätten Marktmacht und trügen daher Verantwortung. Gleichwohl sei das Gespräch vom Mittwoch ein erster kleiner Schritt.

Dr. Tatjana Hoppe vom Ammerländer Landvolkverband hält das Ergebnis des Einigungsgesprächs ebenfalls für positiv. „Erstaunlich, mit nur 250 Traktoren ganz spontan unterwegs – und ganz viel erreicht“, lobt sie die Aktion. Landwirtschaft könne alle Forderungen an Tierwohl und umweltschonende Bearbeitung erfüllen, „aber dann muss sich das auch im Verbraucherpreis wiederfinden.“

Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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