Westerstede Mehr Blühflächen für Insekten braucht das Land. Landwirte, Imker, Jäger, Gemeinden, Firmen, Naturschutzverbände und Privatpersonen säen Blühmischungen aus, um die Situation für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten zu verbessern.

Aber wirken sich auch einjährige Blühmischungen positiv auf Wildbienen aus? Welche Blühmischungen ziehen welche Insektenarten an? Welche Bedeutung hat der Anteil von Wildblumen in den Samenmischungen? Und welche Pflanzenarten aus den Mischungen wachsen in unserer Region gut?

Antworten auf diese Fragen soll ein Forschungsprojekt liefern, das der Ammerländer Landvolkverband, der Biotop-Fonds der Jägerschaft Oldenburg-Delmenhorst, die Kreisjägerschaft Ammerland und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Kooperation mit der Leuphana-Universität Lüneburg initiiert haben.

Aufgabe für alle

„Dass Menschen mit unterschiedlichen Blickwinkeln zusammenarbeiten, macht den besonderen Charme dieses Projekts aus“, betont Dr. Josef Kuhlmann vom Biotop-Fonds und der Landwirtschaftskammer. „Das ist entscheidend. Denn Lebensräume für Insekten zu schaffen, ist eine Aufgabe, die die gesamte Gesellschaft bewältigen muss – nicht nur die Landwirte“, ergänzt Dr. Tatjana Hoppe vom Ammerländer Landvolkverband.

Viele Landwirte leisten bereits einen erheblichen Beitrag, der große Anerkennung verdient, heben Hoppe und Kuhlmann hervor. Unterstützung beim Anlegen von Blühflächen erhalten Landwirte von verschiedenen Seiten.

Während die EU die inzwischen vereinfachte Vergabe von Fördermitteln an diverse Auflagen – etwa bezüglich des Aussaattermins, der Flächengröße oder der Artzusammensetzung der Blühmischung – knüpft, finanzieren beispielsweise der Biotop-Fonds und der Landvolkverband Ammerland unbürokratisch das Saatgut. „Die Landwirte brauchen uns lediglich mitteilen, welche Flächen eingesät werden sollen, und müssen diese vorbereiten. Um die Aussaat kümmern wir uns“, erklärt Hoppe. Auch Gemeinden, wie etwa Hude, unterstützen Landwirte zum Beispiel mit Entschädigungszahlungen.

In dem Forschungsprojekt wurden an drei Standorten im Landkreis Ammerland und an drei Standorten im Landkreis Oldenburg drei verschiedene Blühmischungen auf jeweils 3000 Quadratmetern ausgesät. Dies sind die einjährige MULTI-EU-Mischung der Landesjägerschaft mit 15 Kulturarten, die einjährige ALV-Mischung des Ammerländer Landvolkverbandes mit 21 Arten und 36 Prozent Wildblumen sowie die mehrjährige BLN-Mischung (Netzwerk Blühende Landschaft Nord) mit 41 Arten und 40 Prozent Wildblumen.

Direkt daneben liegt jeweils eine Kontrollfläche, die sich selbst überlassen wurde. Damit wird überprüft, ob sich die gewünschten Blumen auch von selbst ansiedeln. Das ist zumindest im ersten Jahr nicht der Fall. „Auf den Kontrollflächen dominieren zwei bis fünf Arten von Ackerunkräutern, wie zum Beispiel Gänsefuß und Hirtentäschel“, sagt Hoppe.

Von Blüte zu Blüte

Und wie sieht es auf den Blühflächen aus? Auf den ersten Blick erscheint das Feld an der Apener Straße in Westerstede eher grünlich-braun. Verblühte Phacelia – auch Bienenfreund genannt – beherrschen das Bild. Bei genauerem Hinsehen leuchten jedoch blaue Kornblumen, violette Kornrade, gelbe und orangefarbene Ringelblumen und roter Mohn. Sie sind nur niedriger und fallen deshalb erstmal nicht auf. Bienen, Hummeln und Schmetterlinge fliegen von Blüte zu Blüte.

Sind auch Wildbienen dabei? „Für dieses Projekt haben wir noch keine Ergebnisse, aber in einem sehr ähnlichen haben Wildbienen auch Flächen mit einjährigen Blühmischungen besucht. Es war sogar eine Art dabei, die als ausgestorben galt“, berichtet Swantje Grabener, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Lüneburg. Viele Wildbienenarten haben es schwer, weil sie auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert sind. Honigbienen sammeln dagegen Nektar und Pollen von praktisch allen Blühpflanzen.

Große Blühflächen bieten Insekten natürlich einen reich gedeckten Tisch. Aber auch kleine, nicht zu weit voneinander entfernte Streifen sind wichtig, damit Insekten sich ausbreiten können.

Worauf sollte man bei der Wahl einer Blühmischung achten? „Generell sollten Blühmischungen auch heimische Wildpflanzen enthalten“, so Grabener. „Kulturpflanzen sind meist weniger wertvoll, da sie Wildbienen keine Nahrung bieten und etwa Arten mit gefüllten Blüten meist keine Pollen bilden.“

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