Großenkneten Nein, Freunde werden sie wahrscheinlich nicht mehr. Zu weit sind ihre Interessen auseinander, zu groß die Unterschiede im Denken und Fühlen, beide Seiten offenbar ohne Verständnis der anderen Position, wechselseitig beim anderen unbewegliche, ideologie-geprägte Betonköpfigkeit vermutend.

Am Donnerstag trafen sie aufeinander, gut 100 Vertreter der norddeutschen Futtermittelwirtschaft auf der einen Seite und Niedersachsens Grüner Landwirtschaftsminister Christian Meyer auf der anderen Seite. Als Ort für den verbalen Ringkampf, in der Tagesordnung neutral-bürokratisch „Grundsatzreferat zur Agrarpolitik mit anschließender Diskussion“ genannt, Haaster Krug bei Großenkneten im Landkreis Oldenburg ausgewählt, nahe an der Autobahnausfahrt gelegen und deshalb für alle relativ leicht zu erreichen.

Bereits im April hatte Meyer an gleicher Stelle die Regionalgruppenversammlung der Region Nord des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT) besuchen wollen, musste damals aber kurzfristig wegen anderer Verpflichtungen absagen.

Das war damals nicht gut angekommen, und entsprechend kühl fiel am Donnerstag die Begrüßung aus. Keine Hand rührte sich, als Dr. Hermann-Josef Baaken, eigens aus Bonn angereister Sprecher der Verbands-Geschäftsführung, den Minister vorstellte.

Der debattenerfahrene und diskussionsgestählte Meyer zeigt keine Reaktion, meint kühl, er wisse, dass er sich hier nicht in einem Heimspiel befinde und versicherte den Verbandsvertretern, dass er in ihnen keine Gegner sehe und am sachlichen Austausch interessiert sei. Schließlich sei es doch im gemeinsamen Interesse, Niedersachsen als Deutschlands Agrarland Nummer eins weiterzuentwickeln. Das Problem dabei: Meyer meint damit etwas anderes als seine Gastgeber. Während er von Nachhaltigkeit spricht, von Verbraucherschutz, einem besseren Nährstoff-Management, mehr Tierschutz und einer durch Gebühren finanzierten Ausweitung des Kontrollwesens, kritisieren die anderen Regulierungswut und einseitige Belastungen, fühlen sich allein gelassen und fragen, warum sich der Minister nicht schützend vor sie stelle.

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Wenn Meyer als Gast schon kein Geschenk mitgebracht habe, könne er vielleicht ihr Angebot annehmen: „Wenn Sie das Fachwissen der Branche nutzen wollen, sind wir bereit, uns an einen Tisch zu setzen.“ Ein Angebot, das Meyer gern annahm.

Und zum Abschied gab es sogar freundliches Tischklopfen für den Minister. Ob da noch was geht?

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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