Varel /Elsfleth Die Neuigkeiten um die Elsflether Werft reißen auch rund eineinhalb Wochen nach dem Führungswechsel nicht ab. Innerhalb der nächsten vier Wochen soll geklärt sein, ob die Elsflether Werft Generalunternehmer für die Sanierung des Marineschulschiffs „Gorch Fock“ bleiben kann. Das sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller (Varel), die Mitglied im Verteidigungsausschuss ist.

Entscheidend sei der Finanzstatus. Zurzeit werde vom Notvorstand geprüft, welche Außenstände die Elsflether Werft hat und welche Forderungen gegen sie bestehen. Sobald dieser Plan aufgestellt sei, entscheide das Verteidigungsministerium. Klar sei, dass die Werft Kredite gegeben habe, die jetzt fällig geworden sind.

Dabei führt eine Spur dieser Finanztransaktionen auch nach Varel – ausgerechnet in die Gorch-Fock-Straße. Das Gebäude Gorch-Fock-Straße 3 hatte vor zwei Jahren der Mitarbeiter des Marinearsenals Peter G. gekauft, gegen den Ermittlungen wegen Vorteilsannahme laufen. Er soll laut einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ vergünstigte Darlehen in Höhe von 800 000 Euro von der Werft erhalten haben.

Dabei sollen jeweils sechsstellige Beträge vom Konto eines ehemaligen Werftvorstands und von dem Konto seines Geschäftspartners und Vertrauten Enrico P. geflossen sein. Die Polizei Oldenburg ermittelt und hat eigens die Ermittlungsgruppe „Wasser“ eingerichtet.

Peter G. hat das Bürogebäude umbauen und dort Seniorenwohnungen einrichten lassen, nachdem 2017 eine Baunutzungsänderung beantragt und auch bewilligt worden war. Diese Bewilligung bestätigte Olaf Freitag auf Nachfrage der NWZ. Bereits im Juni 2017 wurde mit einer Anzeige im „Friesländer Boten“ für die „Stadtresidenz“ geworben: „Leben als Generation 50 plus – wir bieten Ihnen exklusive Eigentumswohnungen, barrierefrei und rollstuhlgeeignet in einer seniorengerechten Wohnanlage mit 17 Wohneinheiten und parkähnlichem Garten.“

Das Projekt geriet allerdings ins Stocken. Die Baustelle ist aktuell mit einem Bauzaun abgesperrt. „Betreten verboten“ steht am Eingang.

Das Gebäude hat Tradition. Zunächst war es eine Schuhfabrik, dann ab Ende der 60er Jahre Lager und Firmenstandort des europaweit tätigen Motorradteile- und -bekleidungshändlers Difi. Nach dem Bau einer neuen Firmenzentrale diente es weiter gewerblichen Zwecken, unter anderem für einen EDV-Dienstleister, bevor dann 2005 das Jobcenter Varel dort einzog. Nach dem Umzug des Jobcenters ins neue Kreisdienstleistungszentrum (2014) stand das Gebäude lange leer, erinnert sich der damalige Eigentümer. Über einen Makler hatte dann der jetzt beschuldigte Mitarbeiter des Marinearsenals Kontakt mit dem damaligen Eigentümer aufgenommen. Der Käufer ist auch heute noch als Eigentümer der Immobilie im Grundbuch der Stadt Varel vermerkt.

Für die Bundestagsabgeordnete Siemtje Möller ist der Erhalt der Arbeitsplätze auf der Elsflether Werft entscheidend. „Der Werftstandort bleibt erhalten, das ist, was mich froh stimmt. Die Werft hat ja top gearbeitet, und jetzt werden die an den Rand der Arbeitslosigkeit getrieben.“ Der Termin der Fertigstellung der „Gorch Fock“ sollte ursprünglich in diesem Frühjahr sein. Jetzt ist er aufgeschoben bis April 2020.


Ein Spezial zur „Gorch Fock“ gibt’s unter   www.nwzonline.de/news/gorch-fock 
Ellen Kranz Redakteurin / Regionalredaktion
Hans Begerow Leitung / Politik/Region
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