NORDENHAM Nach Ansicht vieler Unternehmer arbeiten die Deutschen zu wenig. Eine Debatte um die Abschaffung des Pfingstmontages ist entbrannt. Anlass für eine Umfrage der NWZ.

von Jörn Zweibrock NORDENHAM - Das Pfingstfest ist vorüber. Die Arbeitnehmer haben sich über das lange Wochenende gefreut. Doch wenn es nach dem Willen vieler Unternehmer und Wirtschaftsverbände geht, gehört der gesetzliche Feiertag am Pfingstmontag bald der Vergangenheit an. Frankreich hat es vorgemacht und seiner arbeitenden Bevölkerung den zusätzlichen freien Tag gestrichen. Damit soll ein Beitrag für die Alten- und Behindertenpflege geleistet werden.

Aber arbeiten um die Konjunktur anzukurbeln? Die NWZ hat sich gestern in der Innenstadt umgehört. Tenor: Keiner der Befragten ist dazu bereit, den Pfingstmontag als freien Tag zu opfern.

Die Forderung aus der Wirtschaft empfindet Heinz-Dieter Kohrt als „kompletten Blödsinn“. Fast 50 Jahre zahlt er in die Rentenkasse ein und spricht sich vehement für den Pfingstmontag als gesetzlichen Feiertag aus. Der Beschäftigte bei der Straßenmeisterei Nordenham fühlt sich als Arbeitnehmer durch die Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld schon genug gebeutelt. Der 61-jährige Abbehauser ist nicht bereit, auf einen weiteren freien Tag zu verzichten.

Ähnlicher Auffassung ist der 25-jährige Nordenhamer Johann Seles . Genau wie an Himmelfahrt wird in seinem Freundeskreis auch zu Pfingsten kräftig gefeiert. „Ich brauche den freien Pfingstmontag, um mich vom Wochenende zu erholen“, erzählt der Bauarbeiter.

Die 36-jährige Hausfrau und Mutter Celia Buhrmann will ebenfalls nicht auf den Feiertag verzichten. Sie möchte „einheitliche“ Feiertagsregelungen in Deutschland und spielt dabei auf das Ungleichgewicht zwischen Norddeutschland und den südlichen Bundesländern an. Geht es nach der Esenshammerin, sollten zuerst den Bayern und Baden-Württembergern einige Feiertage gestrichen werden.

Eine ähnliche Position vertritt Heidi Hoge. Die 62-jährige Rentnerin aus Bassum, die zurzeit Urlaub in Burhave macht, möchte den Pfingstmontag als Feiertag beibehalten. Schon alleine, um den Leuten die Bedeutung des Pfingstfestes wieder ins Bewusstsein zu rücken. Dass es sich beim Pfingstfest um die biblische Aussendung des Heiligen Geistes handelt, gerät ihrer Ansicht nach immer mehr in Vergessenheit.

Die elf Jahre alte Kimberly Witt war Pfingstmontag mit ihrer Freundin unterwegs. Die Nordenhamer Gymnasiastin will sich auch in den kommenden Jahren an diesem Tag nach Lust und Laune verabreden, anstatt die Schulbank zu drücken. Deswegen ist sie dafür, dass am Pfingstmontag nicht gearbeitet und unterrichtet wird.

Airbus-Mitarbeiter Jürgen Lehmann teilt in keiner Weise die Ansicht der Arbeitgeberverbände, es gäbe zu viele Feiertage in Deutschland. Für den 40-jährigen Blexer steht das lange Pfingstwochenende ganz im Zeichen der Familie. Ein Arbeitstag mehr würde seiner Meinung nach auch kein zusätzliches Wirtschaftswachstum bringen.

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Den gleichen Standpunkt vertritt Martina Waldschmidt. Die 39-jährige Verkäuferin aus Nordenham erinnert an den ehemaligen gesetzlichen Feiertag Buß- und Bettag, dessen Streichung keinen Beitrag dazu geleistet habe, die deutsche Konjunktur wieder in Schwung zu bringen.

Für Wolfgang Krüger reden die Wirtschaftsbosse „einfach nur dummes Zeug“. Der Urlauber aus Stadtoldendorf sieht die Kaufkraft nicht gestärkt, wenn einen Tag im Jahr mehr gearbeitet wird. „Alles soll so bleiben, wie es ist“, sagt der 61-Jährige.

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