Oldenburger Land Schuhe schnüren und los geht’s. Mit Musik im Ohr der Sonne entgegen. Zwei Stunden und 44 Minuten hat die Tiefschlafphase in der vergangenen Nacht betragen – ein guter Wert. Beste Bedingungen also für einen morgendlichen Lauf. Nach acht Kilometern vibriert das Armband, das vorab eingestellte Tagesziel von 10 000 Schritten ist erreicht, noch bevor der Tag so richtig begonnen hat. Gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Start in die neue Woche.

Nachts überwachen Sensoren unseren Schlaf. Morgens steigen wir auf die Körperfettwaage. Ein Schrittzähler misst tagsüber, wie viel wir uns bewegen. Das Smartphone zeichnet beim Sport Kalorienverbrauch und Leistung auf. „Self-Tracking“ oder „Quantified Self“ heißt dieser Trend. Unzählige Apps und technische Geräte helfen dabei, sich selbst zu vermessen. Viele Menschen sehen das als Motivation, um sich mehr zu bewegen und gesünder zu leben. Doch kann das überhaupt dauerhaft funktionieren?

Genau das wollen Informatiker der Universität Oldenburg und des Oldenburger Forschungsinstituts Offis herausfinden. In einer Studie untersuchen sie zurzeit, ob Schrittzähler und andere Geräte dazu beitragen können, ein größeres Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil zu entwickeln. „Neues Verhalten fängt an, sich nach 100 Tagen zu stabilisieren“, sagt Prof. Susanne Boll-Westermann. „Nach drei Monaten kommt aber der berühmte Knick.“

Langzeitbeobachtungen zur Wirksamkeit von Self-Tracking gibt es nach Angaben von Boll-Westermann bisher nur wenige. Mit ihrem Kollegen Jochen Meyer hat sie sieben Testpersonen zwischen 35 bis 65 Jahren mit Schrittzählern, Körperfettwaagen und Schlafsensoren ausgestattet. Sechs Monate lang sollen sie die Geräte regelmäßig nutzen.

Die beiden Informatiker sehen auch danach noch viel Forschungsbedarf zum Self-Tracking. „Wir sind aus meiner Perspektive erst am Anfang einer Ära“, sagt Boll-Westermann. Bisher messen die Geräte und Apps meist nur einzelne Werte, die man selbst interpretieren muss. „Der nächste große Schritt ist, die Daten verschiedener Geräte zu vernetzen und dann daraus Empfehlungen abzuleiten“, sagt der Gesundheitsberater Florian Schumacher, der 2012 die Online-Community „Quantified Self“ in Deutschland gegründet hat.

So könnte das System Alarm schlagen, wenn man schleichend Gewicht zunimmt oder sich Blutwerte verändern. Oder es könnte einen ermutigen, mal eine Haltestelle früher auszusteigen und den Rest zu laufen.

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Boll-Westermann und Meyer bereiten eine weitere Studie vor. Diese soll voraussichtlich im Juni starten. In ihr wollen sie Testpersonen motivieren, kleine Übungen in den Alltag zu integrieren.

Gesundheitsexperten sehen darin ein großes Potenzial, warnen aber vor zu viel Technikgläubigkeit. „Bewegung ist gut. Es ist aber ein Irrglaube, dass genügend Sport und gesunde Ernährung alle Krankheiten verhindern können“, sagt Corinna Schaefer vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin.

Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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