Emden /Borkum Endlich darf er wieder auf See sein. Zufrieden steht Bernd Ramm auf der Brücke der „Ostfriesland“. Die Passagier- und Autofähre hat gerade im Heimathafen Emden abgelegt, der vertraute Kurs in Richtung Borkum liegt an. Seit 1985 ist das Schiff mit nur kurzen Unterbrechungen nahezu täglich zwischen Emden und Borkum gependelt, hat abertausende von Urlaubern und Insulanern hin und her gebracht – und kehrt am Freitag nach einer neunmonatigen Umbaupause wieder in den gewohnten Liniendienst zurück.

Am Mittwoch präsentierte der 51-jährige Kapitän die umgebaute „Ostfriesland“ geladenen Gästen auf einer Jungfernfahrt – und die kannten das veränderte Schiff kaum wieder. Um 15 Meter in der Länge gewachsen mit moderner Ausstattung präsentierte sich die Fähre mit erheblich mehr Platz, Luxus und Bequemlichkeit als zuvor.

Die Hauptattraktion der „Ostfriesland“ ist an Bord nicht zu sehen, aber zu spüren. Das Schiff hat eine völlig neue Antriebsanlage bekommen, wird nicht mehr von Dieselmotoren, sondern von einer LNG-Flüssiggas-Antriebsanlage auf Tempo gebracht. Damit kann die „Ostfriesland“ – nahezu geräusch- und erschütterungsfrei – nicht nur erheblich schneller als früher fahren, sondern auch sehr viel wirtschaftlicher und umweltschonender. Sie ist das erste Schiff im Nordsee-Fährbetrieb, das auf denen modernen Antrieb umgestellt wurde.

Neun Monate hat Kapitän Ramm in Bremerhaven die Bauaufsicht bei den Umbauarbeiten geführt. „Das war schon eine besondere Herausforderung“, sagt der Seemann, der seine Karriere 1981 als Decksjunge begann, später als Matrose auf verschiedenen Frachtern rund um Afrika fuhr, dann als Marinesoldat auf dem Minenjäger „Weilheim“ zu Hause war, bevor er in Leer sein Kapitänspatent erwarb und 2001 zur Reederei „Ems AG“ kam.

Vorigen Freitag durfte er zum ersten Mal nach dem Umbau zur Probefahrt von Bremerhaven nach Cuxhaven starten. Vorher war der alten „Ostfriesland“ das Heck abgeschnitten worden. Mit dem neuen Hinterteil kam dann auch der neue Antrieb an Bord.

Ideengeber dafür war Claus Hirsch. Der 46-jährige Schiffsingenieur leitet die nautisch-technische Inspektion der Reederei und war vor seinem Wechsel zu der Emder Reederei mehrere Jahre auf großen Gastankern um die Welt gefahren. Nachdem die Entscheidung für eine Vergrößerung der „Ostfriesland“ gefallen war, schlug er vor, den gewonnenen Platz auch für einen modernen und umweltfreundlichen Antrieb zu nutzen. Das Ergebnis: Mit insgesamt vier Antriebsaggregaten ist das Schiff so stark motorisiert, dass es mit höchster Effizienz und auch bei jeder Strömungs- und Wetterlage seinen Fahrplan präzise einhalten kann.

13,5 Millionen Euro hat Reedereichef Bernhard Brons für den Umbau zur Verfügung gestellt, die höchste Investition in der Geschichte der „Ems AG“, unterstützt auch durch EU-Mittel, weil die Gesamtmaßnahme als umweltpolitisches Leuchtturmprojekt im deutsch-niederländischen Grenzgebiet gilt. Lob und Dank gab es dafür nicht nur von Harm Post, dem Direktor von Groningen Seaports, sondern auch von Holger Banik, Geschäftsführer von Niedersachsen-Ports.

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Unter den Gästen der Jungfernfahrt war auch Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer. Der engagierte Umweltschützer äußerte sich begeistert über den entschlossenen Schritt in die richtige Richtung. Mit der „Ostfriesland“ lasse sich zeigen, dass es möglich sei, auch im Wattenmeer mit dem umweltfreundlichen Gasantrieb zu fahren. Er sei sich sicher, dass die gesamte Küste das Projekt aufmerksam verfolge. Deshalb sei es nur eine Frage der Zeit, wann es weitere LNG-Schiffe geben werde.

Dann wird sich automatisch auch die Versorgungssituation verbessern. Derzeit kommt jede Woche ein Tanklaster aus den Niederlanden, um die „Ostfriesland“ mit dem nötigen Treibstoff zu versorgen.

Jürgen Westerhoff Redakteur / Regionalredaktion
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