Papenburg Das erste Halbjahr war für die Meyer-Werft und ihre Belegschaft erfolgreich, aber kräftezehrend: Dank besonderer Anstrengungen der Belegschaft, die sich auch am Wochenende ins Zeug legte, sowie dank der Mithilfe Tausender externer Kräfte schaffte es die Papenburger Meyer-Werft, zwischenzeitlich deutliche Verzögerungen aufzuholen und beide Neubauten in diesem Jahr pünktlich abzuliefern. Grund für die Verzögerung waren nicht zuletzt Schwierigkeiten beim relativ komplizierten Bau des weltweit ersten erdgasbetriebenen Kreuzfahrtschiffes „Aida Nova“ Ende vorigen Jahres. Es ist bis heute das einzige Kreuzfahrtschiff der Meyer-Werft, das – um ein paar Wochen – verspätet abgeliefert worden ist.

Der Druck war in den vergangenen Monaten hoch – und er bleibt beachtlich: Um die Folgeverspätungen aufzuholen, arbeiteten in der ersten Hälfte dieses Jahres bis zu 12 000 Menschen pro Tag auf der Werft. Die Stammbelegschaft selbst zählt rund 3450 Mitarbeiter. Auch während des Werfturlaubs wurde geschuftet: 5000 Kräfte – überwiegend Werkvertragsarbeiter – legten sich ins Zeug, denn in Teilen sind auch noch bei den weiteren anstehenden Kreuzfahrtriesen Verzögerungen aufzuholen. Der jüngste Stress hat durchaus auch damit zu tun, dass die Meyer-Werft in diesem und im kommenden Jahr jeweils drei statt sonst zwei Kreuzfahrtschiffe baut und abliefert.

Bei der „Norwegian Encore“, die Ende des Monats emsabwärts überführt werden soll, liegt die Werft „auf Kurs“, heißt es aktuell aus dem Unternehmen. Auch für dieses Schiff läuft der Endspurt. In der Ausgabe für Juli und August der Mitarbeiterzeitschrift „Kiek.ut“ berichtete das Unternehmen selbst hingegen in der Kategorie „Kursbestimmung Schiffsprojekte“ noch: „Wir konnten viele Verzüge aufholen, wir sind aber dennoch nicht wieder im Plan.“ Sowohl bei Kosten, Qualität wie auch in Terminsachen ordnete die Werft die „Norwegian Encore“ in einer Übersicht in die Kategorie Gelb (nach dem Ampel-Prinzip) ein. Die besagt: „Wir sind dabei, unseren Kurs zu verlassen.“

Beim für Mai 2020 geplanten Kreuzfahrtschiff „Iona“ für P&O Cruises gilt dasselbe, wobei die Kostenprognose dort den Status Rot erhalten hat, der besagt: „Wir haben unseren Kurs verlassen. Jeder Einzelne ist jetzt gefordert, mit aller Macht daran zu arbeiten, dass wir wieder auf Kurs kommen.“

Das erhöhte Tempo, das die Papenburger in der Folge der „Aida“-Verzögerungen vorlegte, ging aber offenbar teilweise auf Kosten der Gründlichkeit. In „Kiek.ut“ wird Geschäftsführer Thomas Weigend zitiert, der den Einsatz der Belegschaft in hohen Tönen lobt, aber auch anmerkt: Sowohl bei der „Spectrum of the Seas“ als auch bei der „Spirit of Discovery“ sei die Zahl der Restpunkte – der Stellen, an denen nachgebessert werden musste – zu hoch gewesen.

Betriebsrat und IG Metall drängen allerdings darauf, dass die Werft die Stammbelegschaft deutlicher als zuletzt stärkt.

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