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Oldenburger Land In unseren Gärten haben wir eine Vielzahl blühender Bäume und Sträucher, Stauden und Ein- oder Zweijahresblumen, Zwiebel- und Knollengewächse, Kübelpflanzen sowie Kräuter, die aber allermeist im Frühjahr und Sommer blühen.

Aber ab Spätsommer ist dann oft besonders in Städten gähnende Leere an nektar- und pollenhaltigen Blüten. Und die dann noch blühenden gefüllten Rosen, Dahlien und Tagetes helfen auch nicht weiter, da neue Blütenblätter auf Kosten von Staubfäden und Fruchtknoten gezüchtet wurden. Auffällig wurde dieses Phänomen, als man unter den im Straßengrün häufig vorzufindenden Silberlinden, die aus Südosteuropa stammen, im August Massen von toten Bienen und Hummeln fand. Erst glaubte man, dies liege an einem unbekömmlichen Zucker, den diese Tiere nicht verstoffwechseln können. Dann fragte man sich, ob Pestizide Schuld sind, da Linden wegen des lästigen Honigtaus schon mal mit Pestiziden gegen Läuse behandelt wurden. Genaue Untersuchungen fanden aber heraus, das weder Gifte noch der Zucker Mannose Schuld sind. Die Tier waren einfach verhungert, weil sie die Bäume auch noch anflogen, als die Nektarproduktion schon deutlich nachließ.

Garten gut beobachten

Es lohnt sich deshalb, dieses Jahr in seinem Garten gut zu beobachten, was im Spätsommer und Herbst blüht. Dann kann man im Herbst und nächstem Frühjahr nachpflanzen, um so ein Ungleichgewicht im Blütenkalender auszugleichen. Und alle Gartenelemente, die für die gesamte Tierwelt nützlich sind, bleiben natürlich erhalten. So ist es wenig sinnvoll, einen Teich zuzuschütten und dann dort eine Blumenwiese anzulegen, oder Vogelschutzgehölze zu roden, um dort Schmetterlingspflanzen anzulegen. Und es ist natürlich klar, dass man in kleinen Gärten nicht alles an möglichen Elementen für die Tierwelt unterbringen kann. Daher ist es sinnvoll, sich auf das zu spezialisieren, was im eigenen Grün möglich und sinnvoll ist; weniger kann manchmal auch mehr sein!

Viele Möglichkeiten

Wer seinen Garten mit spät blühenden Pflanzen versehen möchte, hat vielfältige Möglichkeiten. Selbst im Nutzgarten kann man schon im Juni oder Juli Phacelia aussäen, deren Name Bienenfreund schon alles sagt. Auch Ringelblumen, Borretsch und Dill blühen noch bis zum Herbst auf den Beeten.

Am einfachsten ist es, den Blütenflor mit Einjahresblumen zu verlängern. Cosmeen, ungefüllte Tagetes, Ringelblumen und Sonnenblumenarten, die aus den Blattachseln ständig neue Blüten bilden, sorgen für späte Blüten. Bleiben die Cosmeen im Garten deutlich kleiner und blühen nicht überreichlich, so liegt dies an unserer kurzen Vegetationszeit. Im nächsten Jahr sollte man sich dann einmal die Mühe machen, ab Anfang April auf der Fensterbank einige Pflanzen vorzuziehen und nach den Eisheiligen in den Garten zu pflanzen oder sich im Frühjahr in der Gärtnerei Jungpflanzen zu besorgen. Diese Schmuckkörbchen haben einen Vorsprung von sechs Wochen gegenüber den im Freiland gekeimten Pflanzen. Als Folge werden die Büsche üppiger und fangen früher und reichhaltiger zu blühen an. Wenn Ausgeblühtes herausgekniffen wird, verlängert sich die Blüte bis zu den ersten Frösten.

Sonnenbraut

Bei den Stauden sind es die Sonnenkinder, Sonnenhut und Sonnenbraut, spät blühende Edeldisteln, Goldrute, Fetthenne, Japan-Anemone und Herbstastern. Besonders zu empfehlen sind bei der Sonnenbraut die spät blühenden Sorten, die durch einen reichen und lang anhaltenden Blütenbesatz auffallen. An jeder Triebspitze der Fetthennen bilden sich im Herbst die großen schirmartigen Blütendolden mit ihren zahlreichen rosaroten bis bräunlich roten Einzelblüten. Sie sind ein Anziehungspunkt für Schmetterlinge, Bienen und andere Insekten, die hier noch einmal reichlich Nahrung finden. Herbstastern gehören von der Gartenplanung her zu den klassischen Blumen alter Bauerngärten; dort fanden sie als Zaun- und Randbepflanzung Verwendung. Im Staudengarten sollte man möglichst mehrere Büsche von verschiedener Farbe pflanzen. Als Pflanzgemeinschaft bieten sich für die hohen Arten große Stauden mit Gelbtönen an, wie z.B. Goldrute und Sonnenbraut. Neben ihrer strahlenden Schönheit und dem nützlichen Wert für die Tierwelt verströmen Herbstastern auch noch zahlreiche Gerüche von feinem Vanille bis zu würzigen Düften und lassen den Abschied vom Sommer leichterfallen.

Kübelpflanzen

Zu den Kübelpflanzen, die bis in den Herbst blühen, zählen Wandelröschen, Bleiwurz und Oleander, aber nur die ungefüllten Sorten bieten Nahrung für Insekten. Ungefüllte Dahlien sind wegen des Nektarreichtums den gefüllten Sorten vorzuziehen; sie blühen bis zu den ersten Frösten und ziehen Fluginsekten an. Bei den Kräutern empfehlen sich späte Lavendelsorten, Oregano, Pfefferminze und Winterbohnenkraut.

Bei den Gehölzen steht Buddleia im Vordergrund, da sich bis in den Spätsommer immer neue Blüten bilden, die Sorte Sungold blüht sogar bis zu den ersten Frösten goldgelb.

Buddleia-Gehölze ziehen zur Blütezeit zahlreiche Schmetterlinge in ihren Bann. Leider hat sich ihre Zahl in den letzten Jahr deutlich verringert. Verschiedene Arten besuchen die stark duftenden Blüten und locken die Falter von weit her an. Dahinter steckt keine Magie; sie lässt sich mit der Anpassung von Blüten an Insekten erklären. Schmetterlinge verfügen über einen langen Saugrüssel, der ihnen nur die Aufnahme flüssiger Nahrung gestattet. Ihnen ist es daher nicht möglich, den eiweißhaltigen, festen Pollen von Blüten aufzunehmen. Bei der Buddleia sitzen die Staubgefäße in den engen Blütenröhren, so dass die Schmetterlinge den Pollen mit ihren Saugrüsseln in den Nektar stoßen können. Dort löst er sich auf und reichert den Nektar mit diesen wichtigen Eiweißstoffen an, eine „Vollwertkost“ für Schmetterlinge.

Efeu als heimlicher Star

Und dann gibt es da noch den absoluten und einzigartigen Star unter den späten nektarbildenden Pflanzen, den alle Insekten noch einmal im Herbst anfliegen, der aber von den meisten Menschen gar nicht wahrgenommen wird: der Efeu. Etwas Geduld braucht es schon, bis der in den Garten gepflanzte Efeu Früchte trägt. Dieses Klettergewächs hat nämlich einen etwas anderen Rhythmus als viele andere Pflanzen: er blüht zum ersten mal ab einem Lebensalter von mehreren Jahren und nur, wenn er es schafft, nach oben zu wachsen. Erst dann zeigen sich im Herbst von frühestens Ende September bis in den November hinein die eher unscheinbaren Blüten und bieten allen noch erscheinenden Fluginsekten den letzten Nektar des Jahres.

Und wenn man es geschafft hat, seinem Garten einen langanhaltenden Blütenflor bis zum Herbst zu verpassen, wird man merken, dass der Garten auch für den Menschen attraktiver geworden ist, es gibt also nur Gewinner.

Autor dieses Beitrages ist Peter Busch (Bild). Der Biologe aus Huntlosen ist spezialisiert auf Garten-, Natur - und Umweltthemen und ist seit 1982 Gartenexperte der Nordwest-Zeitung.

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