Oldenburg Dass in der öffentlichen Diskussion über das Insektensterben ein wesentlicher Aspekt selten diskutiert wird, wurmt Dr. Josef Kuhlmann schon lange. Die Zahl der schädlichen Insekten sei im Gegensatz zu den nützlichen weiterhin auf hohem Niveau, klagt der Pflanzenschutzexperte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Oldenburg, sie richten enorme Schäden an.

Ihre Bekämpfung ist gleichwohl ein wichtiger Gesichtspunkt beim Schutz der Insekten. Denn die weitgehende Abkehr von Insektiziden zugunsten einer biologischen Schädlingsbekämpfung hilft dabei, nützliche Insekten zu schützen.

Mit Hightech gegen Gift

„Dass wir täglich alle frisches Gemüse und frisches Obst auf den Tisch bekommen, ist auch ein Verdienst der natürlichen biologischen Schädlingsbekämpfung“, sagt Kuhlmann. Denn die Betriebe wenden nicht nur große Kosten auf, sie setzen sogar Hightech ein, um nicht zum Gift zu greifen.

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Marienkäfer, Florfliegen, Schwebfliegen, Ohrwürmer und Gallmücke bekämpfen vor allem Blattläuse. Kugelkäfer, Raubwanzen und Raubmilben töten vor allem Spinnmilben und Schildläuse. Spinnen fangen Raupen, Fliegen und Falter. Großlaufkäfer jagen Schnecken, und manche Ameisenarten verspeisen Raupen.

Um etwa den Larven des gefährlichen Maiszünslers auf den Pelz zu rücken, lassen Landwirte über den Feldern Drohnen aufsteigen. Ihre Fracht: Unzählige kleine weiße Kugeln, in denen Schlupfwespen der Gattung Trichogramma vor dem Ausschlüpfen warten, werden über dem mit den Schädlingen belasteten Feld abgeworfen. Die Schlupfwespen sind die tödlichsten Feinde der Maiszünsler, ein echter Albtraum für die Schädlinge. Sie legen ihre Eier in die lebende Zünslerlarve, die von innen aufgefressen wird. In kurzer Zeit ist ein befallenes Maisfeld weitgehend von dem Schädling befreit.

Landwirtschaft im Boot

In der Weser-Ems-Region ist diese Form der Schädlingsbekämpfung noch nicht sehr verbreitet, sagt Kuhlmann. „Aber mit der weiteren Bedrohung durch den Maiszünsler wird auch hier bald Hightech aus der Luft Einzug halten, da bin ich mir sicher. Generell – auch das ist deshalb eine Nachricht – sind Landwirte oft ganz vorne dabei, wenn es um Insektenschutz geht.“ Die Bekämpfung von Schädlingen durch natürliche Feinde ist dagegen schon jetzt im Privatgarten und im Obst- und Gemüseanbau weiter verbreitet. Gartenfreunde verlassen sich zunehmend auf ihre sechsbeinigen Helfer.

Blattläuse werden beispielsweise gezielt mit dem Einsatz von Marienkäferlarven bekämpft. Diese entwickeln einen beachtlichen Appetit: In ihrem nur dreiwöchigen Larvenstadium vertilgt eine Larve zwischen 400 und 600 Blattläuse. Und der fertige Marienkäfer macht anschließend munter weiter, auch er lebt fast ausschließlich von Blattläusen.

Blattlauslöwen mit großen Zangen

Bei der Bekämpfung der Plage von Blatt- und Schildläusen hilft auch ein eher unscheinbares Insekt: Die Florfliege hat wie der Marienkäfer gruseligen Nachwuchs im Gepäck: die Blattlauslöwen. Diese Larven packen mit großen Zangen die Läuse und saugen sie aus. Etwa zwei Wochen brauchen die Larven bis zur Verpuppung. Bis dahin haben sie rund 500 Blattläuse vertilgt.

Diese erfolgreiche Schädlingsbekämpfung wird mittlerweile professionell genutzt. In vielen Gartenshops lassen sich die Larven kaufen. Gerade mal rund zehn Euro kosten ausreichend Larven für ein rund 30 Qua­dratmeter großes Gebiet mit Läusebefall.

Thomas Haselier / Archiv
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