Oldenburg /Hannover Eine frische Brise peitscht an diesem grauen Mittwochvormittag den Nieselregen durch die Stände auf dem Ökomarkt am Oldenburger Julius-Mosen-Platz – ideales Spargelwetter sieht anders aus, und das hat Auswirkungen: Für ein Kilogramm des „Weißen Goldes“ aus deutscher Bio-Erzeugung, bei dem auf Dünger und Spritzmittel verzichtet wird, müssen Kunden hier 16,90 Euro auf den Tresen legen. „Am vergangenen Samstag haben wir zum ersten Mal in diesem Jahr Spargel angeboten, da lag der Preis noch einen Euro höher“, berichtet eine Verkäuferin. Die Ernte auf dem Zulieferer-Betrieb im Raum Diepholz habe gerade erst begonnen.

Der Eindruck täuscht nicht, und er betrifft nicht nur das Gemüse aus biologischer Erzeugung: Der spätere Saisonbeginn macht Spargel in diesem April deutlich teurer als ein Jahr zuvor. Der Preis lag nach Erhebungen der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in den vergangenen Tagen bei 9,97 Euro pro Kilo deutschen Spargels. Damit müssen Verbraucher derzeit rund 40 Prozent mehr zahlen als vor einem Jahr. Zur gleichen Zeit kostete das Edelgemüse damals laut AMI im Schnitt 7,11 Pro Kilo.

2017 hatte die Spargelsaison witterungsbedingt allerdings auch außergewöhnlich früh begonnen. „Das vergangene Jahr war eher der Ausreißer nach unten“, sagt Michael Koch von der AMI. Zu Saisonbeginn ist das Gemüse in der Regel besonders teuer und wird dann mit zunehmendem Angebot und sinkender Nachfrage immer günstiger. 2017 war der Preis gegen Ende April deshalb wegen des frühen Saisonbeginns schon stärker gefallen.

Klassischerweise beginnt die Spargelsaison Mitte bis Ende April/Anfang Mai – insofern liegt 2018 im laut AMI im gewöhnlichen Rahmen. In Niedersachsen eröffnete Landesagrarministerin Barbara Otte-Kinast am Mittwoch offiziell die Saison in Bruchhausen-Vilsen im Landkreis Diepholz. „So wie sich Kinder auf Weihnachten freuen, freue ich mich jedes Jahr auf den Beginn der Spargelsaison“, sagte sie.

Nach Angaben der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft steuert die Spargelsaison im Mai auf ihren Höhepunkt hin. Das macht laut Koch der Vergleich mit den Verkaufspreisen in den Vorjahren deutlich: 2016 lag der Verbraucherpreis im Vergleichszeitraum im April bei 9,09 Euro und 2015 sogar bei rund 10,00 Euro.

Das warme und sonnenreiche Wetter der vergangenen Woche hat der Ernte einen Schub gegeben. „Jetzt kann man überall Spargel kaufen“, sagt Fred Eickhorst, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen: „Spargelknappheit haben wir nicht.“ Das ideale Spargelwetter sei frühlingshaft und nicht zu warm. „Am Wochenende war die Nachfrage schon größer, wohl wegen dem guten Wetter“, vermutet ein Verkäufer auf dem Wochenmarkt in Eversten. Er hat nur eine Sorte im Angebot, „die stammt von einem Bio-Betrieb in der Nähe von Bremen“. Kostenpunkt: 15 Euro je Kilo. Später werde sich der Preis wohl bei 11, 12 Euro einpendeln.

In verschiedenen Supermärkten in Oldenburg wird das „Weiße Gold“ ganzjährig angeboten, die Preise sind dabei vom Erzeugungsland abhängig. Die Spanne reicht von 8,98 je Kilo bis hin zu 10,98 Euro. Günstiger lässt sich derzeit ungeschälter Grüner Spargel erstehen: hier liegen die Preise zwischen sechs Euro am oberen und 4,58 Euro am unteren Ende der Skala – das Edelgemüse wird in dem Fall aus Spanien importiert, teilweise auch aus dem südamerikanischen Peru eingeflogen.

Auf dem Öko-Markt am Julius-Mosen-Platz müssen Kunden etwas mehr bezahlen: Der Grüne Spargel aus eigenem Anbau in Sandkrug kostet hier derzeit 12,90 Euro, „der Preis wird im Verlauf der Saison auf ungefähr neun Euro sinken“, erklärt eine Verkäuferin.

Bundesweit wurde im vergangenen Jahr von rund 1800 Betrieben auf etwa 23.000 Hektar Spargel angebaut. In Niedersachsen sind es rund 400 Betriebe, die Spargel auf rund 5200 Hektar anbauen – dem Statistischen Bundesamt zufolge sind das rund 29.962,3 Tonnen. Damit ist Niedersachsen nach Angaben der Landwirtschaftskammer die größte und bedeutendste Spargelregion Deutschlands.

Fast jede 5. Stange, die in Deutschland gegessen wird, kommt aus Niedersachsen. An der Landesspitze liegt hier Südoldenburg, wo 35 Spargelanbauer rund 280 Hektar Spargel anbauen. Andere wichtige Regionen im größten Flächenland Deutschlands sind der Raum Nienburg, Lüneburg und Braunschweig.

Alles Aktuelle zur Spargel-Saison im Oldenburger Land lesen Sie in unserem Spargel-Spezial.

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Sehen Sie hier eine Übersicht über die Spargel-Erträge der einzelnen Bundesländer im Jahr 2017:

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Christian Ahlers Redakteur / Online-Redaktion
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