Oldenburg Sie haben ein Zeichen gesetzt für eine global-gerechte und zukunftsfähige bäuerliche Landwirtschaft, für Nachhaltigkeit und besseren Klima-, Natur- und Tierschutz, faire Erzeugerpreise, bessere Bedingungen in der Ernährungswirtschaft und gutes Essen aus der Region. Rund 1000 Menschen haben am Samstag in Oldenburg gegen die Agrarindustrie demonstriert und sich für die „Wertschätzung von Mensch, Tier und Umwelt“ und den Erhalt und die Förderung von Bauernhöfen stark gemacht. Die Existenz vieler Bauernhöfe sei stark bedroht, hieß es. Das Motto lautete: „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ bzw. „Stadt und Land - Hand in Hand“.

Zu der Demonstration aufgerufen hatten das Agrarbündnis Niedersachsen und seine Mitglieder. Unter den Demonstranten waren Landwirte (von konventionell bis bio, von Tierhaltung bis Ackerbau), Verbraucher, Imker, Naturschützer, Umweltaktivisten, Aktive der Entwicklungszusammenarbeit, engagierte Jugendliche, Kämpfer für Arbeitnehmerrechte, Menschen aus Stadt und Land und viele mehr. Mehr als 20 Trecker begleiteten den Demonstrationszug vom Bahnhofsvorplatz über den Lappan, vorbei am Staatstheater, bis hin zum Schlossplatz, wo am Mittag die Abschlusskundgebung begann.

Das Agrarbündnis Niedersachsen ist ein Zusammenschluss von Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt- und Tierschutz, aus Verbraucherorganisationen und der Entwicklungszusammenarbeit. Das Bündnis setzt sich unter anderem für eine bäuerliche Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für faire Lebens- und Arbeitsbedingungen, für Klima- und Umweltschutz und gutes Essen aus der Region ein. Die Aktivisten forderten auf der Demo: „Stoppt die Subventionen von Agrarwüsten, Tierfabriken, investorengesteuerten Betrieben und Großgrundbesitz.“ Gefordert wurde des Weiteren, dass EU-Agrargelder nur noch für umwelt-, klimaschonende und tiergerechte Landwirtschaft bereitgestellt werden. Die Demonstranten machten sich stark für faire Preise, Löhne und Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Produktionskette und die Anerkennung und den Schutz der Bauernrechte weltweit. „In einem solidarischen Europa sind gerechter Handel und Menschenrechte nicht verhandelbar“, so der Tenor. Gerade auch das Lohnniveau und die Arbeitsbedingungen in der Schlachtbranche, in der viele ausländische Arbeiter ohne festen Anstellungsvertrag als Werkvertragsarbeiter tätig seien, wurden als nicht akzeptabel kritisiert. Auch das Wort Sklaverei fiel in diesem Zusammenhang.

Zum Auftakt versammelten sich die Demonstranten um 11 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz. Vom Demo-Organisationsteam des Agrarbündnisses begrüßten Ottmar Ilchmann (Landesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) und Canan Barski (Ökumenisches Zentrum Oldenburg) die Teilnehmer von dem hohen Anhänger eines Treckers. Anschließend sprachen Peter Habbena (Bundesverband deutscher Milchviehhalter), Rüdiger Wohlers (Nabu), Uwe Behrens (Bündnis Mensch Umwelt Tier), Antje Edler (Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen) und Guido Grüner (Arbeitslosenselbsthilfe Oldenburg) zu der Menschenmenge. „Erzeuger und Verbraucher setzen heute ein Zeichen gegen eine verfehlte Landwirtschaftspolitik, die einseitig die Interessen weniger, aber sehr einflussreicher agrarindustriell geprägter Unternehmen bedient, die die Umwelt belastet, Tierleid fördert und immer mehr bäuerliche Betriebe zur Aufgabe zwingt“, betonte Uwe Behrens vom Bündnis Mensch Umwelt Tier in seiner Rede. Er rief die Verbraucher dazu auf, regionale Produkte zu kaufen, solche, die bessere Haltungsbedingungen wie zum Beispiel Weidehaltung garantierten. „Sagen Sie den Politikern ganz deutlich, welche Landwirtschaftspolitik Sie von Ihnen erwarten. Wer Umwelt und Klima nicht schützt, wer Menschen versklavt und Tiere quält, wird nicht gewählt“, sagte er.

Gegen 12.20 Uhr startete der bunte Demonstrationszug angeführt von zwei Treckern dann in Richtung Lappan. Ausgestattet mit zahlreichen bunten Schildern, Transparenten (z.B. „Bauernhöfe statt Agrarindustrie - Keine Zukunft ohne Bäuerinnen und Bauern“), Fahnen, Trommeln und Trillerpfeifen machten die Teilnehmer ihre Anliegen deutlich. Auch getanzt wurde dabei zwischendurch immer wieder. Den Abschluss des Zuges bildeten die rund 20 am Bundesbahnweg geparkten Traktoren, die ebenfalls mit deutlichen Botschaften bestückt waren, wie zum Beispiel: „EU-Gelder nur für Bauern - Keine Gelder für Agrarkonzerne“ oder auch „Geiz ist nicht geil!!! Gute Lebensmittel brauchen einen fairen Preis“. Auch Bauern aus Ostfriesland waren mit dabei. Interessiert verfolgten zahlreiche Oldenburger am Straßenrand das Geschehen. Wiederholt wurden sie aufgefordert, sich doch dem Demonstrationszug anzuschließen.

Die Abschlusskundgebung auf dem Schlossplatz begann gegen 13.30 Uhr. Hier hatten mehrere Bündnispartner Informationsstände aufgebaut. Für das leibliche Wohl war unter anderem durch Bratwurst vom regionalen Schlachter oder Hotdogs vom Foodtruck der „Geschmacksverstärker“ gesorgt.

Zum Abschluss sprachen Pfarrer Peter Kossen, Wiebke Fischer (BUND), Milena Helberg (Fridays for Future), Annette Berndt (Verbrauchervertreterin) und Georg Janssen (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) zu den Demonstranten. „Was den ländlichen Raum ruiniert, ruiniert todsicher auch die Stadt! ,Billig! Billig! Billig!’ hat einen hohen Preis. Den Preis für die billigen Lebensmittel bezahlen die Landwirte mit ihrer Existenz, die Rumänen und Bulgaren mit ihrer Gesundheit und die Natur mit der Artenvielfalt und dem ökologischen Gleichgewicht“, mahnte Pfarrer Kossen. Es sei nun dringend an der Zeit, aufzustehen und einzugreifen. „Seid die Menschen, die etwas verändern! Jetzt!“, appellierte er.

Kurz vor 15 Uhr endete die offizielle Abschlusskundgebung, doch zahlreiche Teilnehmer tauschten sich im Anschluss noch über das Gehörte aus. Gegen 15.30 Uhr wurde dann abgebaut.

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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