Friesland /Lugano Das „Projekt Pizzafabrik“, in dem auch der Jade-Weser-Park in Schortens (Kreis Friesland) seit 2012 als Standort im Gespräch ist, hat das nächste und offenbar vorletzte Stadium erreicht: Nach Informationen der NWZ  ermittelt nun die Polizei gegen den Hauptakteur des Projekts, den knapp 60-jährigen Italo-Schweizer Gianfranco R.

Einer seiner Repräsentanten und Geschäftsführer des in mehrere Sub-Unternehmen und Beteiligungsgesellschaften weit verzweigten Firmenkonstrukts hat Strafanzeige gegen seinen Auftraggeber und Geschäftspartner erstattet. Entsprechende Recherchen der NWZ  haben Polizei und Staatsanwaltschaft in Stuttgart bestätigt. „Es geht um den Verdacht des Kredit- und Anlagebetrugs und um das Vorenthalten von Arbeitsentgelten“, so Pressesprecher Peter Wiedenhorn von der Kripo in Stuttgart. In dieser Woche sei der Vorgang an die Staatsanwaltschaft in Stuttgart überstellt worden. Laut Polizei ermitteln auch Behörden in Niedersachsen.

Viele Unstimmigkeiten

Schon sehr früh ging diese Zeitung dem Verdacht nach, dass mit dem großen Industrieprojekt etwas nicht stimmen konnte.

Als Projektentwickler trat die Enumplan AG im schweizerischen Lugano auf, der eigentliche Großinvestor wurde indes nie genannt und hinter der Neugründung namens Industrial Group for Food Production (IGFP) kaschiert. Recherchen im Handel und in der Lebensmittelbranche, bei Banken und Behörden sowie vor Ort in Italien und in der Schweiz lieferten immer mehr Hinweise auf einen großangelegten Schwindel. Nach ersten Veröffentlichungen haben sich inzwischen einige Projektbeteiligte und Geschäftspartner als Geschädigte bei der NWZ  gemeldet und sprechen inzwischen offen von „Betrug“.

Einer der Geschädigten ist Ingenieur Rolf Hellwig aus Varel, der als Vertragspartner der Enumplan AG für ein sechsstelliges Honorar Ingenieurleistungen für das Werk in Schortens und für ein Warenlager im brandenburgischen Spremberg erbringen sollte. Nun habe die Enumplan AG ihm mitgeteilt, dass sie ihren Auftrag an den Großinvestor zurückgegeben habe. Eine Begründung gab Enumplan dem Vareler nicht. Ein Honorar für seine bereits erbrachten Leistungen habe er nie gesehen, sagt Hellwig. Auch weitere Geschäftspartner der Schweizer warten nach wie vor auf Honorare. Hellwig, der inzwischen an anderen Aufträgen arbeitet, erwägt nun ebenfalls rechtliche Schritte wegen Betrugs.

Das geplante Investitionsvorhaben, von dem bislang die Rede war, sollte tatsächlich sehr viel größer werden, als bislang bekannt. Von einem Lebensmittelwerk in Bodeno in Norditalien und einem zweiten Werk in Friesland war bislang stets die Rede. Angegebenes Investitionsvolumen: jeweils rund 350 Millionen Euro. Darüber hinaus gab es Pläne für vereinzelte weitere Standorte in Spanien und Frankreich sowie für ein Verteilzentrum in Brandenburg.

127 Standorte geplant

Nach Unterlagen, die der NWZ  vorliegen, geht es um 127 Standorte für Lebensmittelfabriken und Verteilzentren in ganz Europa. Führungskräfte aus der Wirtschaft wurden mit dem Namen ALDI als angeblichem geheimen Großinvestor geködert.

Das ganze Projekt mit einer Zeitschiene von zehn Jahren bis 2023 hätte Dimensionen von schätzungsweise 20 Milliarden Euro gehabt. Ziel war offenbar, an Großkredite von Banken zu gelangen. Tatsächlich reichte das Geld nicht einmal für einen Grundstückskauf in Bondeno.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den NWZ-Wirtschafts-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Nun sackt das Luftschloss in sich zusammen. Mögliche Geldgeber und Geschäftspartner springen ab. Rolf Hellwig will dazu beitragen, die ehemaligen Geschäftspartner zur Verantwortung zu ziehen: „Ich hoffe nur, dass am Ende jemand übrig bleibt, den man belangen kann.“

Vieles deutet indes darauf hin, dass statt riesiger Mengen Pizza viele Beteiligte jetzt kleine Brötchen backen müssen.

Oliver Braun Redakteur / Redaktion Jever
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.