JORK /HOLLERN Neue Schädlinge als Folge des Klimawandels und eine Einschränkung der Bekämpfungsmethoden durch die EU lassen die Obstbauern im Alten Land um einen wirkungsvollen Pflanzenschutz fürchten. „Wir haben keine Reserven mehr und brauchen dringend Forschungsaktivitäten, um neue Mittel zu entwickeln“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bundesfachausschusses Obstbau, Gerd Beckmann, in Hollern (Kreis Stade). Während sich die Schädlinge wegen des Temperaturanstiegs deutlich vermehrten, stünden den Landwirten immer weniger Mittel zur Verfügung. Mittelfristig gerate so die Qualität des deutschen Obstanbaus in Gefahr.

Verschiedene Klimazonen

Nach dem Willen der EU dürfen die Landwirte künftig nur noch eingeschränkt Pflanzenschutzmittel verwenden. Die EU unterscheidet dabei zwischen verschiedenen klimatischen Zonen in Europa, für die jeweils einheitliche Regeln gelten.

Für die Obstbauern steckt der Teufel dabei im juristischen Detail: Ob ein Mittel schädlich für den Menschen und damit nicht mehr zulässig ist, „wird nicht anhand der tatsächlichen Dosierung, sondern nach dem Gefahrenpotenzial des Konzentrates bewertet“, erläutert Beckmann. Viele Pflanzenschutzmittel stünden deswegen vor dem Aus, obwohl ihr Einsatz angesichts kleinster Mengen als unbedenklich gilt.

Obstbauern stark betroffen

Die Obstbauern seien von dieser Regelung stärker als andere Landwirte betroffen, meint Beckmann. „Wir haben ohnehin schon zu wenige verschiedene Mittel, die wir einsetzen können“, kritisiert er. Wenn Schädlinge Resistenzen gegen die Mittel entwickeln, gibt es für die Bauern häufig nur noch begrenzte Ausweichmöglichkeiten.

Das hat laut Karsten Klopp, Leiter der Obstbauversuchsanstalt in Jork, einen einfachen Grund: „Pflanzenschutzmittel müssen für jede Obstart einzelnen zugelassen werden.“ Der Apfelanbau gilt trotz einer Fläche von rund 100 Quadratkilometern allein im Alten Land aber als Kleinkultur. „Für diesen Maßstab rechnet sich das aufwendige Prüf- und Genehmigungsverfahren nicht für die Industrie.“

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