Im Nordwesten Der Orkan „Xaver“ hat den Nordwesten weiter im Griff. Die Landkreise Wesermarsch, Oldenburg, Friesland, Aurich und Wittmund sowie die Städte Wilhelmshaven und Emden haben bereits für Freitag den Unterricht an allen allgemein- und berufsbildenden Schulen abgesagt. Zum Kreis Oldenburg gehört auch die Graf-Anton-Günther-Schule in der Stadt Oldenburg.

Die Schulen im gesamten Landkreis Oldenburg seien wie bereits am Donnerstag dazu angehalten, eine Notfall-Betreuung für die Kinder zu gewährleisten, teilte Landkreis-Schulamtsleiter Maik Ehlers mit. Auch in Bremen und Bremerhaven sollen am Freitag alle öffentlichen Schulen geschlossen bleiben. Andere Landkreise wollen kurzfristig über einen Schulausfall entscheiden.

„Xaver“ hat Niedersachsen mit einer ersten Flutwelle erreicht. Für die Nacht zum Freitag wird eine schwere Sturmflut mit Wasserständen von mehr als 2,5 Meter über dem normalen Hochwasser erwartet, in Bremen sogar von 3,5 Meter. Schäden wurden bis zum Nachmittag kaum gemeldet.

Die Behörden hatten vorsorglich für Donnerstag in vielen Kreisen den Schulunterricht abgesagt. Zahlreiche Städte verboten zudem, die Weihnachtsmärkte zu öffnen.

Luxusliner verlässt Liegeplatz

Der jüngste Neubau der Papenburger Meyer Werft, die „Norwegian Getaway“ flüchtet vor dem Orkantief „Xaver“ hinaus auf die Nordsee. Am Donnerstagmittag verließ der Luxusliner der amerikanischen Kreuzfahrtreederei Norwegian Cruise Line (NCL) seinen Liegeplatz an der Bremerhavener Columbuskaje. An Bord sind etwa 600 Besatzungsmitglieder und knapp 200 Mitarbeiter der Meyer Werft.

In der Gemeinde Butjadingen (Wesermarsch) schlossen Helfer am Nachmittag die Deichdurchlässe. Bereits am Mittag sei das Hochwasser auf den Hafenparkplatz geschwappt, sagte Stefan Stührenberg von der Kreisverwaltung. Vorsorglich wurden Sandsäcke angeliefert. „Problematisch ist, dass der Wind bereits auf Nordwest gedreht hat und das Wasser reindrückt.“ Das Huntesperrwerk in Elsfleth wurde um 15.15 Uhr geschlossen, weil der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in der kommenden Nacht mit einem Wasserstand von 3,5 Meter über dem mittleren Hochwasser rechnet. Wie lange es geschlossen bleibt, ist offen.

In Dangast (Kreis Friesland) wird erwartet, dass das Hochwasser in der Nacht zu Freitag drei Meter höher als normal aufläuft. Die drei Vareler Ortswehren sind seit dem Nachmittag im Einsatz, um Sandsäcke zu füllen, mit denen der Sommerdeich gesichert werden soll, der das Meerwasserquellbad schützt. Etwa 2000 bis 3000 Sandsäcke sollen den Deich verstärken, teilte Stadtbrandmeister Werner Asseln mit. Das Hochwasser wird gegen 3 Uhr auflaufen.

In den Häfen in Hooksiel und Horumersiel stand das Wasser am Nachmittag bereits bis zu Kaikante.

Zu ersten sturmbedingten Einsätzen musste die Feuerwehr in Wildeshausen (Kreis Oldenburg) am Donnerstag gegen 15.45 Uhr ausrücken. An der Ahlhorner Straße hatte der Wind Teile der Verkleidung eines Restpostenmarktes abgerissen. Die Feuerwehrleute entfernten zur Sicherheit weitere Stücke der Verkleidung, die nicht mehr sicher an der Wand befestigt waren. Der Einsatz war nach wenigen Minuten beendet.

Zugverkehr stark beeinträchtigt

Die Deutsche Bahn meldet, dass es im Zugverkehr in Norddeutschland zu erheblichen Einschränkungen komme. Der Fernverkehr der Bahn zwischen Hannover, Bremen und Oldenburg wurde am Abend unterbrochen. Die Bahn hat für Auskünfte die kostenlose Sonderholtline 08000-99 66 33 geschaltet.

Die Nordwest-Bahn hat den Zugverkehr auf ihren vier nördlichsten Strecken eingestellt. Der Schienenverkehr zwischen Bremerhaven und Bremen, Nordenham und Hude, Wilhelmshaven und Oldenburg sowie zwischen Esens und Wilhelmshaven entfällt, wie das Osnabrücker Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Ein Ersatzverkehr mit Bussen sei eingerichtet.

Aufgrund der extremen Wetterprognose werden die Fährverbindungen Berne-Farge, Motzen-Blumenthal und Lemwerder-Vegesack in der Nacht auf Freitag von 1 Uhr bis 6 Uhr vollständig eingestellt. Die Wiederaufnahme des Fährverkehres sei von der Hochwassersituation abhängig, teilte die Fähren Bremen-Stedingen GmbH mit.

Auf den Flughäfen in Hannover und Bremen wurden etliche Flüge gestrichen.

Wassereinbruch in Bremer Stadion droht

Das Bundesliga-Spiel zwischen Werder Bremen und Bayern München am Sonnabend ist gefährdet. Werder hat am Donnerstag den Erdgeschossbereich des Bremer Weserstadions vorsichtshalber evakuiert und technische Geräte wie auch Mobiliar in die nächsthöhere Etage gebracht. Falls die Weser die Deichhöhe von 5,50 Meter übersteigt, würde Wasser auch ins unmittelbar in Flussnähe gelegene Weserstadion laufen. „Ob es passiert, können wir noch nicht sagen. Der Krisenstab berechnet die Situation ständig“, sagte Werders Mediendirektor Tino Polster am Donnerstag.

Der Zoo Osnabrück bleibt am Freitag wegen des Orkantiefs geschlossen.

Mit 144 Kilometern pro Stunde auf Spiekeroog hat Orkantief „Xaver“ am Donnerstag einen vorläufigen Spitzenwert an der Nordseeküste erreicht. Auch wenn der Wind immer wieder nachlasse, sei die ganze Nacht hindurch mit Böen um 140 Kilometern pro Stunde zu rechnen, sagte Manno Peters vom Deutschen Wetterdienst in Hamburg. Eine richtige Pause werde es vorerst nicht geben, auch „wenn der erste Schwung“ an der Nordseeküste nun durch sei.

In den Häfen wurden alle tiefliegenden Bereiche geräumt, sagte die Sprecherin von Niedersachsen Ports, Dörte Schmitz. So mussten in Emden die zur Verladung vorgesehenen Autos in Sicherheit gebracht werden. In Bremerhaven wurden Parkflächen im Bereich der Geeste geräumt. Die Stellflächen im Containerhafen sind nach Angaben von Bremenports nicht überflutungsgefährdet.

Boote und Schiffe in den Häfen wurden fest vertäut, die Seenotkreuzer-Besatzungen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) hielten sich bereit. „Auch die letzten Fischer sind jetzt drin, das Seegebiet vor Norderney ist quasi leer“, hatte Vormann Holger Freimuth vom Seenotkreuzer „Bernhard Gruben“ bereits am Mittwoch gesagt.

Die Reedereien stellten ihre Verbindungen vom Festland zu den ostfriesischen Inseln weitgehend ein. Auch das regelmäßig zu Deutschlands einziger Hochseeinsel Helgoland fahrende Schiff blieb in Cuxhaven. Die Meyer Werft in Papenburg, auf der riesige Kreuzfahrtschiffe gebaut werden, unterbrach den Betrieb vorsichtshalber bis zum Beginn der Nachtschicht.

Für tausende Windkraftanlagen in Norddeutschland besteht nach Angaben von Experten keine Gefahr. Wenn der Sturm die Stärke 9 bis 10 überschreitet, drehen sich die Anlagen automatisch aus dem Wind und gehen außer Betrieb, versicherte ein Sprecher des Bundesverbandes Windenergie.

Warnung vor fliegenden Müllsäcken

Die Verwaltung im Kreis Hameln-Pyrmont bat stellvertretend für das ganze Land darum, während des Sturms keine Gelben Säcke an die Straßen zu stellen. Umherfliegende Säcke könnten den Verkehr gefährden, und vom Sturm zerfetzter Plastikmüll wäre ein Ärgernis.

Meteorologen erwarten, dass „Xaver“ eineinhalb Tage lang über Norddeutschland tobt - und damit länger als „Christian“, der im Oktober für umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und weggespülte Strände gesorgt hatte.

In Oldenburg wurde das Benefizkonzert der M-Band im PFL zugunsten der NWZ-Weihnachtsaktion, das am Donnerstag stattfinden sollte, abgesagt. Ersatztermin ist Montag, 16. Dezember, 20 Uhr in der Aula des Alten Gymnasiums. Die Eintrittskarten behalten ihre Gültigkeit. Wer den Ersatztermin am 16. Dezember nicht wahrnehmen kann, kann die Eintrittskarte bitte bis spätestens Donnerstag, 12. Dezember, bei der Vorverkaufsstelle zurückgeben, wo die Karte erworben wurde. Nach derzeitigem Planungsstand findet das Konzert am Freitag, 6. Dezember, statt, teilt die Musikschule mit.

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