Vechta Dicht an dicht stehen Anhänger und Transporter und bilden enge Gassen. Während hinter ihm Mitarbeiter damit beschäftigt sind, den Stellplatz auszumessen, klingelt das Handy von Marktmeister Jens Siemer fast im Minutentakt. Sein Dienstrad steht griffbereit neben ihm. „Das habe ich von meinem Vorgänger geerbt. Zu Fuß braucht man viel zu viel Zeit, um das Gelände abzufahren“, erklärt der 33-Jährige. Für Jens Siemer ist es der zweite Stoppelmarkt in Vechta, den er als Marktmeister führt. Am morgigen Donnerstag, 18 Uhr, fällt der Startschuss für das Volksfest, zu dem sich sechs Tage lang die 160 000 Quadratmeter große „Westerheide“ in eine Festmeile der Sinne verwandelt. Kurz nach neun sind an diesem Morgen die Vorbereitungen auf dem Festgelände in vollem Gange. Jens Siemer ist bereits seit zwei Stunden im Einsatz. „Man muss sich darauf einlassen, sonst macht es keinen Spaß.“

Lange Arbeitstage

Schon im Winter habe er mit den Planungen begonnen, sagt der Marktmeister. Im Frühjahr stand schließlich eine grobes Konzept. Seit drei Wochen koordiniert der Vechtaer täglich von sieben Uhr morgens bis in den Abend hinein die Aufbauarbeiten des Marktes. Sein Büro hat er prompt vom Rathaus auf das Festgelände verlegt. Ob Toilettenaufbau, Wasserversorgung, Beschilderungen oder Reparaturen, die Liste der Aufgaben ist lang. Während des Festes hat Siemer rund um die Uhr Rufbereitschaft. Doch er und seine Mitarbeiter vom Bauhof der Stadt Vechta sind ein eingespieltes Team.

„Nervös ist man kurz vorher immer ein bisschen“, verrät der 33-Jährige. Nun hoffe er, dass auch das Wetter mitspielt. Bis spätestens Donnerstagmittag solle der Aufbau der rund 20 Großfahrgeschäfte und weiteren 20 wetterfesten Restaurationszelte abgeschlossen sein. „Viel Spielraum bleibt da nicht.“ Daher müsse jeder von Anfang an sorgfältig arbeiten. Jeden Standort und dessen Maße hat der Marktleiter genau auf einem Plan verzeichnet. Beim Aufbau der zahlreichen Großfahrgeschäfte sei Zentimeterarbeit gefragt, so Siemer.

Noch wird in allen Ecken des Marktes gehämmert, geschraubt, verladen und geputzt. Nach und nach nimmt die Budenstadt Form an. Während die einen noch per Lkw und Kran ihre Fahrgeschäfte in Position rücken, bringt ein Großteil der mehr als 500 Schausteller seine Stände und Buden bereits optisch auf Hochglanz.

Auch einige Besucher werfen erste Blicke hinter die Kulissen. Franz Lüske radelt mit seinem 16 Monate alten Enkel Luca quer über das Gelände. „Das machen wir fast jeden Morgen“, sagt der Vechtaer, der unmittelbar neben dem Platz wohnt. Besonders die großen Kräne haben es seinem Enkelsohn angetan, erzählt er.

Derweil sind wenige Buden-Gassen weiter Gabriele Lemon und ihre Tochter Laura an ihrem Kegelstand damit beschäftigt, unzählige Stofftiere einzusortieren. Die Schaustellerfamilie ist seit mehr als 40 Jahren im Geschäft.

Miteinander wichtig

Knifflig gestaltet sich besonders der Aufbau ihres 13 Meter langen Containers, erklärt Gabriele Lemon. Sobald die Achse unter dem Sattelauflieger weggenommen wird, müsse man aufpassen, dass der Wagen gerade steht und bei weichem Boden nicht absackt. Neben der Arbeit kommt die Geselligkeit bei den beiden Oldenburgerinnen während des Stoppelmarktes nicht zu kurz. „Wir haben hier eine ganz sympathische Ecke“, sagt Gabriele Lemon und begrüßt Bernd Tolisch, der seinen Wein- und Flammkuchenstand schräg gegenüber aufgebaut hat.

Damit kleine und große Besucher die Fahrgeschäfte in vollen Zügen genießen können, sorgen Georg Pulsfort und seine Kollegen für den nötigen Strom und kontrollieren sämtliche Sicherungen und Leitungen des Geländes. Der Elektroinstallateur arbeitet seit vielen Jahren auf dem Stoppelmarkt. Jedes Fahrgeschäft samt Stromverbrauch, so erklärt Pulsfort, ist schriftlich festgehalten. Elf Transformatoren halten die Fahrgeschäfte während des Marktes in Bewegung. Mehrere hunderttausend Kilowattstunden Strom werden am Ende der Kirmes verbraucht sein, sagt er.

Der Eröffnung fiebert auch Schausteller Hans-Otto Schäfer aus Schwerte entgegen. Der 73-Jährige ist mit den ersten Schaustellern vergangenen Mittwoch angereist. „Wir sind so gut wie fertig“, blickt Schäfer nach zweitägigem Aufbau zufrieden auf sein 40 Meter in die Höhe ragendes Propellerkarussell. In wenigen Stunden drehen sich hier Besucher per Gondel durch die Luft. Nun warte er nur noch auf die Gebrauchsabnahme durch das Bauordnungsamt, erklärt der Schausteller.

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Melanie Jepsen Varel / Redaktion Friesland
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