OLDENBURG Der Rettungsschirm für Krisenstaaten der Eurozone wird nicht mehr rechtzeitig im nötigen Umfang aufgespannt werden können. Auch Eurobonds – gemeinsame Anleihen der Euro-Staaten – werden nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen. Deshalb werden eine Vertragsverletzung in Kauf genommen und der Europäischen Zentralbank (EZB) Aufgaben übertragen werden müssen, die eigentlich nicht vorgesehen seien, sagte Professor Norbert Walter (67), ehemaliger Chefvolkswirt der Deutschen Bank, beim 55. Schlossabend der Wirtschaftlichen Vereinigung Oldenburg „Der Kleine Kreis“. Das Herunterschleusen extrem hoher Zinsen durch Anleihekäufe durch die EZB könne eine „erträgliche Notlösung“ sein, sagte Walter vor rund 220 Gästen.

Hilfe solle aber nur bereitgestellt werden, wenn die Schuldenstaaten bereit seien, auf einen Teil ihrer Souveränität zu verzichten. Die europäischen Verträge müssten so geändert werden, dass Sanktionen gegen Schuldensünder künftig automatisch greifen.

Walter warnte davor, dass die hohe Schuldenlast eines Tages auch das alternde Deutschland sowie Japan und USA einholen könnte. Etwa um 2020 könne Deutschland „das Problem“ werden. Die Deutschen setzten zu wenig Kinder in die Welt, kritisierte der Wirtschaftsprofessor.

Walter sprach sich dagegen aus, Staaten aus der Eurozone auszuschließen. Es gebe auch innerhalb der Union Wege, um wieder wettbewerbsfähig zu werden. Allerdings setze dies schmerzhafte Lohnsenkungen voraus. Estland sei erfolgreich diesen Weg gegangen. Er stehe jedem offen. Würden aber Staaten ausgeschlossen, suchten sich die Finanzmärkte ihr nächstes Opfer. In einer amüsanten plattdeutschen „Gegenrede“ stellte Ludger Abeln (NDR) seine Sicht der Finanzkrise vor.

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Der Vorsitzende des Kleines Kreises, Dr. Heinz-W. Appelhoff, kritisierte, dass es trotz des hohen Wirtschaftswachstums in Deutschland nicht gelungen sei, Schulden zu reduzieren. Er betonte die sehr guten Perspektiven für die Region durch Jade-Weser-Port und European Medical School. Der anwesende Botschafter Frankreichs, Maurice Gourdault-Montagne, lobte „Dynamik und Innovation“ in der Region.

Beim Abend im Schloss kam eine Spendensumme von 33 100 Euro zusammen, berichtete Appelhoff. Gefördert werden das Wohnheim des Caritas-Vereins Altenoythe in Ramsloh, das Kinderzentrum Oldenburg des Diakonischen Werkes, die Carlo-Collodi-Schule in Westerstede und das Hospiz St. Peter Oldenburg.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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