OLDENBURG Wirtschaft muss sich wandeln. Denn der Zwang zu Wirtschaftswachstum vertrage sich nicht mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit. Das betonte Professorin Dr. Angelika Zahrnt in ihrem Vortrag „Nachhaltigkeit als Chance für die Wirtschaft“. Zahrnt, die Mitglied im Rat für Nachhaltige Entwicklung ist, sprach am Donnerstag im Trendforum bei der Nordwestmesse Business Plus in Oldenburg. Die Messe steht in diesem Jahr unter dem Motto „Erfolg durch Nachhaltigkeit“.

Nach ihrem Vortrag diskutierte Zahrnt im Trendtalk, der von NWZ -Wirtschaftsredakteur Rüdiger zu Klampen geleitet wurde, mit. Nachhaltigkeit müsse mehr sein als eine Worthülse. Darüber waren sich die Teilnehmer der Runde einig. Die Gefahren des Klimawandels dürften nicht verharmlost werden.

Vorreiter sein

„Anfangen, Verantwortung übernehmen und dies auch kommunizieren“, umriss Professor Dr. Reinhard Pfriem von der Universität Oldenburg die Aufgabe für die Unternehmer. „Anfangen heißt Treiber sein und nicht Getriebener“, rief auch Dr. Heinrich Tschochohei von der EWE AG auf. Ein erster Schritt sei es dabei, mit den eigenen Mitarbeitern zu sprechen. Deren Ideen würden oft schon zu Energieeinsparungen und mehr Energieeffizienz führen.

Diese Idee griff auch Professor Dr. Kurt Biedenkopf in seinem Impuls-Vortrag auf. „Jeder darf denken, jeder darf etwas sagen“, regte der ehemalige sächsische Ministerpräsident die Unternehmen an, ihre Mitarbeiter in Innovationsprozesse einzubinden.

Hans-Theo Macke, Mitglied des Vorstands der DZ-Bank, hob in seinem Vortrag positiv hervor, dass die Idee – langfristige Erfolge statt kurzfristiger Gewinne – in vielen mittelständischen Unternehmen schon verankert sei. Denn: „Auch für Mittelständler ist Nachhaltigkeit längst ein Muss.“

Mit speziellem Blick auf die Region forderte Zahrnt die anwesenden Unternehmer auf: „Diese Region ist für den Aufschwung der erneuerbaren Energien bekannt. Arbeiten sie mit diesem Pfund weiter und entwickeln sie das Image als nachhaltige Region.“

Darum ging es auch am Vormittag bei der Eröffnung: „Wir wollen der Wirtschaftsregion ein Gesicht geben“, sagte Organisator Dieter Frikke bei der Begrüßung. Der Vorsitzende der Centers of Competence freute sich über einen neuen Ausstellerrekord. 178 Firmen stellen sich noch bis zu diesem Freitagabend auf 5000 Quadratmetern vor – vom Autohersteller bis zur Drucktechnik reicht die Branchenbreite. Auch die Nordwest-Zeitung ist mit einem Stand vertreten, an dem Projektleiterin Sylvia Bruns das neue Stellenportal NWZ -Jobs.de vorstellt. Auch ihr persönliches Messe-Fazit konnten Besucher dort   loswerden.

An den zahlreichen Ständen knüpften zudem Interessierte viele Kontakte oder informierten sich über die neuesten Trends. Zehn Prozent der Aussteller sind in diesem Jahr aus Holland angereist. Sie bilden eine eigene „holländische Straße“.

„Wir sind hier, um Kontakte zu deutschen Unternehmen zu knüpfen“, sagte Mark de Wit, Manager bei einem Betrieb für Wasseraufbereitung (Waterbedrijf Groningen). So sieht es auch Saskia Koes von Seaport Groningen: „Es dauert lange, bis Kooperationen wirklich zustande kommen. Hier wollen wir diese Prozesse anschieben und stimulieren.“

Für die ostfriesische Bünting-Gruppe geht es vor allem darum, Interessenten für Praktika und Jobs zu erreichen. „Es kommen viele junge Leute zur Messe. Es springt fast immer ein Praktikumsplatz heraus“, sagte Jens Strohbehn vom Personalmanagement.

Kritik an Politik

Doch bei der Nordwestmesse herrschte nicht nur Einigkeit. Gerd Stötzel, Vorsitzender Metropolregion Bremen-Oldenburg, hatte Kritik an der Politik im Gepäck: „Die Infrastruktur zum Jade-Weser-Port kommt zu spät. Das Verkehrsministerium hätte schneller und früher handeln müssen.“

An diesem Freitag geht die Messe weiter. Von 10 bis 17.30 Uhr werden vor allem Schüler und Studenten erwartet. Es gibt weitere Fachvorträge. Ein Thema ist dann die Nachhaltigkeit bei der Verknüpfung von Familie und Beruf (Diskussionsrunde mit Moderatorin Alida Gundlach, 11.45 Uhr). Gastrednerin am Freitag ist die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, die ab 13.30 Uhr über den demografischen Wandel spricht.

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