Großeinsatz in Cloppenburg
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Großeinsatz in Cloppenburg

Löningen Das Prinzip klingt simpel, ist aber gar nicht so leicht in die Realität umzusetzen: „Die Tiere auf dem Hagelhof leben mit ihren Artgenossen und die Menschen halten sich raus“, fasst Barbara Deppe schlicht zusammen. Raushalten können sich die Vorsitzende des Vereins Hagelhof e.V. in Löningen und ihr Team indes natürlich nicht aus der Organisation, der Pflege und der täglichen Versorgung der rund 700 Tiere, die auf dem Lebenshof ihr Zuhause auf Lebenszeit haben. Zumeist stammen sie aus schlechter Privathaltung oder sind der Massentierhaltung entkommen. Die Bandbreite ist beeindruckend: Neben Katzen, Schweinen, Tauben, Hühnern oder Pferden leben hier auch Exoten wie Affen, Krokodile, Alpakas oder Schildkröten. Die Liste ließe sich fortführen. Um all diesen verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, ist Barbara Deppe den ganzen Tag auf den Beinen – Sonntage, Feiertage, Feierabend? Fehlanzeige.

Traum wahr gemacht

Seit 1995 gibt es den Hagelhof. Deppes Lebensgefährte Matthias Tambor ist seit 2008 mit ihm Team. Der Hufbeschlagsschmied kümmert sich vor allem um Reparaturen, Instandhaltungen der Gehege und Zäune. Zum Team gehören neben insgesamt fünf Helfern auch noch die Tochter von Barbara, Ylva Deppe. Sie hilft bei allen organisatorischen Prozessen, ist wichtig bei der medizinischen Versorgung und ist zuständig für Fotos/Videos und die Verwaltung der Internetseite.

Vegane Lebensweise

Schon als Kind hatte Barbara Deppe den Traum, einen Lebenshof zu eröffnen. „Die Gesellschaft von Tieren macht mich sehr zufrieden. Ich habe immer ihre Nähe gesucht. Und ich hatte den Wunsch, auch Tieren ein Zuhause zu geben, die sonst auf dem Teller gelandet wären“, erzählt die 54-Jährige. Dass die gelernte Tierarzthelferin und Tierheilpraktikerin und ihr Lebensgefährte vegan leben, versteht sich von selbst. Bei manchen der Tiere geht das allerdings nicht. Deppe empfindet das als „zweischneidiges Schwert“. „Wir wollen Tiere retten, aber einige der hier lebenden Spezien brauchen nun mal Fleisch, die Krokodile beispielsweise.“ Daher versucht sie, das benötigte Fleisch so zu besorgen, dass kein Tier extra stirbt. „Wir bekommen die totgeborenen Ferkel eines Bauern und auch überfahrene Vögel oder Kaninchen werden uns gebracht.“

Grausame Schicksale

Barbara Deppe lässt mit einem glücklichen Lächeln ihren Blick über den Auslauf der Schweine schweifen. Die Damen Stella und Marie suhlen sich grunzend im Dreck. Sie fühlen sich wohl. Inzwischen jedenfalls. Als Stella noch ein Ferkel war, sollte sie zur Belustigung einer Familie in der Wohnung gehalten werden – doch ohne Kontakt zu Artgenossen. „Sie wurde nicht gequält, glauben wir“, sagt Deppe. Da gebe es leider grausamere Schicksale. Zum Beispiel das der Rhesus-Affen Sarah, Mira und Buddy: Mira ist ein ehemaliges Labortier. An ihr haben Wissenschaftler höllische Tierversuche durchgeführt. „Was genau sie erlebt hat, wissen wir nicht.“ Barbara Deppes Gesicht verdunkelt sich. Die sonst so strahlenden Augen blicken gen Boden. „Man kann die Spuren auf ihrem Körper deutlich sehen¸ sie hat eine riesige Narbe auf dem Kopf. Die in ihrer Seele sind noch viel schlimmer.“ Auch für Buddy kam der Umzug auf den Hagelhof wortwörtlich in der letzten Minute.

Gefoltert und verletzt

Er ist eine Handaufzucht, wohnte im Haus der damaligen Besitzer und schlief vier Jahre lang mit ihnen in einem Bett. „Das war zu Anfang noch machbar. Er war wie ein Kindersatz. Doch als er geschlechtsreif wurde, hat er dann versucht, sich gegen den Mann durchzusetzen…Ab dann wurde er geschlagen und eingesperrt.“ Die Folge dieses Martyriums: „Buddy weiß null, wie ,äffisch‘ geht. Er kann sich nicht verständigen, sucht Kontakt zum Menschen, statt zu Artgenossen. Wir dürfen keinen Kontakt zu ihm aufbauen, damit er sich an Mira orientiert.“ Die Affenversorgung stellt hohe Ansprüche an die Pfleger; das Futter wird versteckt, damit die Primaten es sich erarbeiten können. Außerdem vermeiden die Hagelhof-Mitarbeiter Blickkontakt. Frei von menschlichen Herrschaftsansprüchen sollen die Tiere hier leben – bis zum Ende. Viele der Tiere wären ohne den Hagelhof längst tot, da ist sich Barbara Deppe sicher.

Vertrauensvolle Beziehung

Silas ist seit 1998 auf dem Hagelhof. Der großgewachsene Schimmel-Wallach ist seit 2001 nach einer Augenentzündung fast vollständig blind. „Er ist aber perfekt an die Umgebung gewöhnt. Er kommt durch unsere Hilfe trotzdem sehr gut zurecht“, erzählt Barbara Deppe froh. Sie fasst den alten Wallach ohne Halfter und ohne Strick sanft am Kopf und redet zärtlich auf ihn ein, um ihm nach der täglichen Heucobs-Fütterung wieder den Weg auf die Weide zu zeigen. Er folgt ihr vertrauensvoll, Schritt für Schritt. Er weiß, dass er sich auf seine Betreuerin verlassen kann.

 Der Hagelhof finanziert sich durch Spenden. Die Webseite:


Sehen Sie ein Video unter   www.nwzonline.de 
     https://www.hagelhof.de/ 
Video

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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