Leer Die Osterferien stehen vor der Tür, und für die Tourismusbranche heißt das: Die neue Saison startet. Ob sie im Landkreis Leer ähnlich erfolgreich verläuft wie in den letzten Jahren, mag Kurt Radtke, Geschäftsführer der Touristik GmbH Südliches Ostfriesland, momentan nicht sagen. Es ist der Coronavirus, der eine Einschätzung der Lage auch für Touristiker in diesem Jahr so schwierig macht: „Das kann man schlecht abschätzen“, meint Radtke. „Das ist wie der Blick in eine Glaskugel.“ Der Ferntourismus leidet bereits unter dem Virus, ob aber auch im Landkreis Leer Besucher fernbleiben, oder ob vielleicht sogar mehr Reisende, statt sich Ziele in der Ferne zu suchen, auf eine nahegelegene Urlaubsregion wie das südliche Ostfriesland umsatteln - es lässt sich nur mutmaßen.

Alles in allem ist Kurt Radtke aber zuversichtlich: „Ich glaube schon, dass sich die Zahl der Gäste im Landkreis auf lange Sicht weiter erhöhen wird.“ Seinen Optimismus kann Radtke mit beeindruckenden Zahlen untermauern: Im Jahr 2018 - für 2019 liegen noch keine verlässlichen Werte vor - zählte die Region Südliches Ostfriesland, also der Landkreis Leer ohne die Insel Borkum, insgesamt 961 320 Übernachtungen. Auf Borkum waren es gar 2 565 570 Übernachtungen, aber Borkum, so Radtke, „spielt in einer anderen Liga.“

Vergleicht man die Zahl aus 2018 für das südliche Ostfriesland mit alten Werten, wird die positive Entwicklung deutlich: Im Jahr 1985 gab es nur 186 944 Übernachtungen, und selbst 2005 lag die Zahl mit 749 299 Übernachtungen noch deutlich unter dem zuletzt erzielten Ergebnis. Für Radtke ist das Ziel klar: „Wir streben langfristig über eine Million Übernachtungen in der Region Südliches Ostfriesland an.“

Der Tourismusexperte glaubt, dass die infrastrukturelle Entwicklung dem Landkreis entgegenkommt: Zum einen nennt Radtke das große Thema Klima-Bewusstsein und Nachhaltigkeit, das dazu führt, dass Urlauber vermehrt Ziele in der näheren Umgebung ansteuern. Zum anderen kommt den touristischen Bemühungen im Landkreis der demografische Wandel entgegen: Je älter die Menschen werden, desto lieber bleiben sie in heimatlichen Gefilden - und davon profitiert Ostfriesland insgesamt.

190 Millionen Euro

Wie wichtig das Standbein Tourismus für die Region mittlerweile ist, geht aus einer anderen Untersuchung hervor, in der mehrere Tourismus-Studien ausgewertet wurden: Demnach belief sich im Jahr 2015 der aus dem Tourismus erzielte Umsatz in der Region Südliches Ostfriesland auf fast 190 Millionen Euro. Insbesondere der Tagestourismus spült sehr viel Geld in die Kassen. Sein Anteil am erzielten Umsatz liegt allein bei fast 113 Millionen Euro. Hauptprofiteur in der Region ist der Einzelhandel, dem mehr als 100 Millionen Euro dieses Umsatzes zugutekommen.

Dass immer mehr Urlauber in das südliche Ostfriesland kommen, hat laut Radtke eine Vielzahl von Gründen: „Wir bieten für jeden etwas.“ Radtke zählt auf: Da wäre zum einen die Entwicklung in der Stadt Leer selber, die mit vielen Baumaßnahmen insbesondere im Hafenbereich sowie neuen Hotels für Touristen interessanter geworden ist. Dann gibt es die sehr populären Fahrradrouten wie die Fehnroute und die Internationale Dollartroute, die nächstes Jahr bereits 25 Jahre alt wird. Radtke verweist auf das Radwegenetz im Feriengebiet, das über 1000 Kilometer umfasst und „ideale Radwanderbedingungen bietet.“

Touristisches Highlight Nummer Eins im Landkreis ist mittlerweile das Miniaturland Leer, gefolgt vom Schloss Evenburg. Doch Radtke fallen noch viele andere Attraktionen ein: Die Palette reicht vom Fischerdorf Ditzum und dem Bunder Steinhaus über „Paddel und Pedal“, der Altstadt und dem Hafen von Weener bis hin zu den Mühlen in Ostfriesland. Solche Ziele locken auch eine Vielzahl von Reisemobilisten an: Sie bilden inzwischen mehr als 10 Prozent der Gäste.

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Und dann gibt es da noch ein ganz besonderes Pfund, mit dem das südliche Ostfriesland seit neuestem wuchern kann: der „Ostfrieslandkrimi“, der regelmäßig Samstagabends zur besten Sendezeit im ZDF ausgestrahlt wird. Radtke spricht von einem „tollen, tollen Werbeaspekt“, der sich in den Zimmernachfragen deutlich niederschlägt.

Ein Aspekt ist dem Leiter der Touristik GmbH noch besonders wichtig: „Alles, was wir im Tourismus machen, kommt der einheimischen Bevölkerung ebenfalls zugute. Das wird gerne vergessen.“

Lambert Tergast Redakteur / Redaktion Ostfriesland
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