Im Nordwesten Die Coronakrise stellt unser Leben auf den Kopf, sorgt für massive Probleme, Sorgen – und viele Fragen. Unser Aufruf an die Leserinnen und Leser, ihre Fragen zu stellen, stößt auf große Resonanz. Wir sammeln die Fragen und geben gemeinsam mit Experten Antworten:

Die Ansteckungsgefahr, die vom Coronavirus ausgeht, beschäftigt viele Leser.

Dazu fragt In­grid Lietzmann aus Sandkrug: Weiß man schon, wie lange das Coronavirus von einem Menschen, der mit dem Virus infiziert war und wieder gesund ist, an andere übertragen werden kann?

„Das hängt davon ab, ob und wie stark der Betroffene erkrankt war“, erklärt Prof. Dr. Michael Freitag, Facharzt für Allgemeinmedizin und Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin an der Universität Oldenburg. „Bei Personen, die sich nur infiziert haben, besteht eine Übertragbarkeit bis etwa zwei Wochen nach der Ansteckung, bei Erkrankten etwa eine Woche ab Beginn der Symptome. Bei Personen, die im Krankenhaus behandelt wurden, werden negative Abstriche gefordert.“

Zum Thema Drive-in-Testzen­tren erreichte uns diese Frage: Meine Tochter wurde vorletzte Woche in Oldenburg auf das Coronavirus getestet. Sie war auf Kreuzfahrt in Ägypten und danach sehr erkältet. Das Ergebnis war negativ. Sie hat sich gefragt, warum das besagte Testzentrum nicht als „Drive-in“ fungiert? Sie wurde von der Helferin am Auto abgeholt und wurde in einem Raum (in dem ja vorher vielleicht schon Corona-Patienten waren) getestet. Vor Ort ist aber genügend Platz, damit die Autos sich nicht begegnen.

In Niedersachsen haben sich das niedersächsische Gesundheitsministerium und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) darauf geeinigt, Testzentren auf Coronavirus aufzubauen. „Die Drive-in-Lösung ist diskutiert worden, sollte aber nicht die Regel werden“, sagt Detlef Haffke, Leiter der Stabsabteilung Kommunikation und Information bei der KVN. So gebe es bisher nur die Drive-in-Lösung in Hannover und Braunschweig.

„Der Nachteil der Drive-in-Lösung ist die nicht mögliche Begutachtung des Gesundheitszustandes des Patienten, der ja im Auto sitzt. Stationäre Einrichtungen bieten die Möglichkeit zum Beispiel des Abhörens der Lunge“, sagt Haffke. Außerdem müssten die Ärztinnen und Ärzte, die den Abstrich im Drive-in machen große Erfahrungen im schnellen Abstrich haben.

Drive-ins hätten natürlich auch Vorteile, so Haffke: „Durch das Angebot, sich auch im eigenen Fahrzeug testen zu lassen, bleiben Verdachts-Patienten sozusagen in ihrer eigenen Quarantänestation. Es können mehr Patienten getestet werden und das medizinische Personal ist besser geschützt.“

Familienbesuche, gerade zu Ostern, sind ein großes Thema.

Toni Schiffer aus Varel fragt: Unsere Kinder wollen uns zu Ostern besuchen und kommen aus Bayreuth. Ist das erlaubt?

Auf Grundlage der Neufassung der „Niedersächsischen Verordnung über die Beschränkung sozialer Kontakte zur Eindämmung der Corona-Pandemie“ vom 7. April 2020 ist das nicht untersagt: Dennoch gilt laut der niedersächsischen Landesregierung derzeit auch bei Familienbesuchen: „Direkte Kontakte zu anderen Menschen, die nicht zu den Angehörigen des eigenen Hausstandes gehören, sollen auf ein absolut nötiges Minimum reduziert werden. Auch in der eigenen Wohnung und auf dem eigenen Grundstück soll der Kreis der sich dort treffenden Menschen möglichst klein und möglichst gleichbleibend sein.“

In Bayern gibt es eine hohe Zahl an Coronavirus-Fällen, ein Besuch wäre also auch mit einem entsprechenden Risiko verbunden. Selbst wenn man jung ist und sich gesund fühlt, sei man immer noch ein Risiko – gerade für ältere und kranke Menschen, heißt es aus der niedersächsischen Staatskanzlei.

Das bayerische Innenministerium führt zur derzeitigen Lage aus: „Jeder ist angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstandes auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Daher sollte auch ein Besuch bei den Eltern sehr gut überlegt sein und ist nur angezeigt, wenn sie unterstützungsbedingt sind, weil sie etwa auf Hilfe beim Einkauf angewiesen sind. Verzichten Sie bitte auf ,Kaffeekränzchen’ und nutzen Sie lieber das Telefon oder Skype, um in Kontakt zu bleiben.“

Zum Thema Coronavirus-Risikogruppe fragt eine Leserin: Ich bin seit über 25 Jahren Typ 1 Diabetikerin, habe das ganze Jahr über Allergien, Bluthochdruck und Neurodermitis! Es ist immer die Rede von Risikogruppen, die sich besonders in Acht nehmen sollen. Da ich aber in einer Kita arbeite, bin ich weiterhin im Dienst. Wie ist jetzt die Lage? Sollte ich mich krankschreiben lassen, auch wenn ich keine Corona-Symptome habe?

„Diese Frage sollte bitte mit der Hausarzt- beziehungsweise diabetologischen Schwerpunktpraxis individuell besprochen werden“, sagt Prof. Dr. Michael Freitag, Facharzt für Allgemeinmedizin und Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin an der Universität Oldenburg. Diabetes gehöre zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf im Falle einer Infektion. „Insofern sollte man umso besser aufpassen und sich vor einer Infektion schützen, zum Beispiel durch das Tragen einer FFP2-Maske“, sagt der Mediziner.

Zur Vorgehensweise beim Test auf das Coronavirus erreichte uns diese Frage einer Leserin: Ist es offiziell vorgeschrieben, die Probe aus Mund und Nase zu entnehmen?

„Beim Test wird dem Patienten ein Rachenabstrich oder ein Abstrich aus der Nase entnommen“, erläutert Detlef Haffke, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt bei einem begründeten Coronavirus-Verdacht, Proben aus den tiefen Atemwegen zu entnehmen – das ist beispielsweise ausgehustetes Sekret, das aus den Bronchien oder der Lunge stammt.

Handwerker sind ein großes Thema.

Jürgen Hinrichs aus Westerstede fragt dazu: Wie sieht es bezüglich der aktuellen Kontaktbeschränkung aus, wenn Handwerker ins Haus kommen wollen? Wir haben einen Auftrag für den Austausch der Fenster unseres Einfamilienhauses laufen. Aufgrund der Corona-Thematik haben wir den Austausch von Anfang April auf Anfang Mai verschoben. Es werden zumindest zwei Monteure kommen. Wir sind jetzt ebenfalls zu zweit im Haus. Gelten die aktuellen Anordnungen im Außenbereich analog für die eigenen Räumlichkeiten, wenn Handwerker da sind?

„Handwerker dürfen ihre Aufträge ausführen“, sagt Dr. Gert Hahne, Stellvertretender Sprecher der niedersächsischen Landesregierung. Bei allen Vorhaben seien die Hygienevorschriften einzuhalten. Die räumlichen Voraussetzungen und die Art der handwerklichen Dienstleistung sind immer wieder unterschiedlich. Hier empfehle es sich daher, dass sich der Auftraggeber mit dem ausführenden Bau- bzw. Handwerksunternehmen in Verbindung setzt und sich die Details der geplanten Arbeiten und die damit verbundene Einhaltung der Hygienevorschriften erläutern lässt und diese abspricht, sagt Hahne.

Auch zum Verhalten im Berufsleben gibt es zahlreiche Leserfragen.

Eine davon lautet: Kann man von sich aus zu Hause bleiben, wenn man den Eindruck hat, dass der Arbeitgeber nicht ausreichend die zwingend erforderlichen Hygienevorschriften einhält?

„Nein. Es gibt kein allgemeines Recht des Arbeitnehmers, bei Ausbruch einer Erkrankung wie Covid-19 der Arbeit fernzubleiben“, heißt es auf NWZ-Nachfrage aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Allein der „Eindruck“, dass der Arbeitgeber die „zwingend erforderlichen Hygieneanforderungen nicht ausreichend einhält“, begründe kein Leistungsverweigerungsrecht des Arbeitnehmers. Dieses Recht bestünde nur, wenn die Erbringung der Arbeitsleistung unzumutbar wäre (§ 275 Abs. 3 BGB), so das Ministerium.

Eine Unzumutbarkeit sei z.B. gegeben, wenn die Arbeit für den Betroffenen eine erhebliche objektive Gefahr oder zumindest einen ernsthaften objektiv begründeten Verdacht der Gefährdung für Leib und Gesundheit darstelle, heißt es weiter. Ein individueller „Eindruck“ dürfte hierfür nicht ausreichen. „Daher ist es sinnvoller, auf den Arbeitgeber zuzugehen, ihm die Bedenken mitzuteilen und gemeinsam zu versuchen, eine eventuell erforderliche Verbesserung des Ansteckungsschutzes im Betrieb zu erreichen“, teilt das Wirtschaftsministerium mit.

Stichwort Risikogruppe: Viele ältere Arbeitnehmer sind verunsichert.

Ein Leser fragt: Soll ich weiter zur Arbeit gehen oder nicht? Ich bin 64 Jahre alt, seit zwei Monaten Rentner und arbeite auf Teilzeit im Einzelhandel (mache den Verkauf und die Kasse)?

„Das müssen Sie letztendlich selbst entscheiden“, sagt Prof. Dr. Michael Freitag, Facharzt für Allgemeinmedizin von der Universität Oldenburg. Die Tätigkeit gehe natürlich mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. „Abhängig von Ihrem Gesundheitszustand würde ich bei entsprechenden Maßnahmen, zum Beispiel Plexiglasscheibe, gegebenenfalls Handschuhe, Händewaschen etc., nicht ausschließen, dass Sie weiter arbeiten können.“ Auch der Hausarzt sollte hier noch mal zurate gezogen werden.

Wie sieht es mit den Kosten für abgesagte Familienfeiern aus?

Ulrich und Edda Taaken fragen: Wir hatten Anfang Februar in einem Restaurant für den 22. März eine Familienfeier gebucht. Das Angebot beinhaltete unter anderem eventuell anfallende Stornierungskosten. Als sich dann in der 2. Märzwoche die Coronakrise zuspitzte und es immer mehr Auflagen gab, haben wir uns am 16. März entschieden, die Feier abzusagen. Obwohl das Restaurant am 22. März geschlossen bleiben musste, sollen wir jetzt 80 Prozent der uns angebotenen Kosten bezahlen. Wie sieht hier die rechtliche Seite aus?

„Wenn es sich um Leistungen handelt, die zum Zeitpunkt der Absage behördlich untersagt waren, wie zum Beispiel die Vermietung von Räumlichkeiten für Veranstaltungen, ist die Rechtslage eindeutig und Sie könnten geleistete Zahlungen zurückverlangen“, erklärt Tiana Preuschoff, Referentin Verbraucherrecht von der Verbraucherzentrale Niedersachsen.

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Hier liegt der Fall so: Der Erlass des niedersächsischen Gesundheitsministeriums zur Ausweitung kontaktreduzierender Maßnahmen im öffentlichen Bereich vom 17. März ließ unter anderem den Gaststättenbetrieb nur noch unter Auflagen zu. Über die Schließung sei noch einige Tage später entschieden worden, sodass zum Zeitpunkt der Absage streng genommen noch kein Verbot vorgelegen habe, erläutert Preuschoff: „Weil es sich hier nur um wenige Tage handelt, die Sie aus juristischer Sicht noch hätten abwarten müssen, empfehlen wir, mit dem Anbieter möglichst eine einvernehmliche Lösung zu finden.“

Haben auch Sie Fragen zum Coronavirus? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an: coronafragen@nwzmedien.de

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Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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