Im Nordwesten Die Corona-Krise stellt unser Leben auf den Kopf, sorgt für massive Probleme, Sorgen – und viele Fragen. Unser Aufruf an die Leserinnen und Leser, ihre Fragen zu stellen, stößt auf große Resonanz. Wir sammeln die Fragen und geben gemeinsam mit Experten Antworten:

Aufgrund der von Bund und Ländern beschlossenen Lockerungsmaßnahmen in der Corona-Krise durften viele Geschäfte bereits wieder öffnen. Doch andere Branchen/Gewerbe profitieren noch nicht davon.

Dazu fragt Leser Bernd Harms: Wann dürfen die Friseure und Gaststätten wieder öffnen?

Antwort: Friseure sollen nach derzeitigem Stand am Montag, 4. Mai, wieder öffnen dürfen. Das sei am 15. April zwischen der Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten verabredet worden, teilt die niedersächsische Landesregierung mit. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die Zahl der Coronavirus-Infektionen und die Fallzahlen in den Krankenhäusern nicht aufgrund der bisherigen Lockerungsmaßnahmen „aus dem Ruder laufen“.

Zu beachten ist laut niedersächsischer Landesregierung bei der Wiedereröffnung der Friseursalons, dass Friseurinnen und Friseure verpflichtet seien, den Namen und die Kontaktdaten der Kundin/des Kunden mit Zeitpunkt des Betretens und Verlassens des Salons zu dokumentieren. Diese Dokumentation müsse für drei Wochen aufbewahrt werden, „damit eine etwaige Infektionskette nachvollzogen werden kann“. Kunden könnten nur die Haare geschnitten bekommen, wenn sie mit der Speicherung ihrer Daten einverstanden seien. Die Friseurinnen und Friseure müssten zudem darauf achten, einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Kunden zu gewährleisten. Bei der Arbeit müssten die Friseure eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen und nach jedem Kunden ihre Hände desinfizieren.

Wann Gaststätten/Restaurants wieder öffnen dürfen, um Gäste vor Ort zu bewirten, steht noch nicht fest. „Die Wiederaufnahme des öffentlichen Lebens soll nur Schritt für Schritt erfolgen, um das Infektionsrisiko in Grenzen zu halten“, so die Landesregierung. Erlaubt seien derzeit der Außer-Haus-Verkauf und die Belieferung mit Speisen und Getränken. Wichtig sei, dass bei einem Außer-Haus-Verkauf ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Kunden sichergestellt werden müsse. Der Verzehr von Speisen und Getränken bleibe „innerhalb eines Umkreises von 50 Metern zu den Restaurationsbetrieben untersagt“.

Viele offene Fragen gibt es zur Wiedereröffnung der Schulen.

Eine Leserfrage dazu lautet: Ich arbeite als Lehrer. Mein Mann gehört aufgrund einer schweren Herzerkrankung und aufgrund seines Alters zu den Hauptrisikogruppen für das Coronavirus. Wie verhalte ich mich jetzt, wenn der Unterricht wieder anläuft, ohne ihn zu gefährden?

Antwort: „Sie sollten möglichst Mundschutz zu Hause tragen“, rät Dr. Burkhard Jahn, Facharzt für Allgemeinmedizin und NWZ-Medizin-Kolumnist. Zudem sollte eine gewisse physische Distanz gegenüber dem Ehemann eingehalten werden. Und in der Schule sollte Distanz in genau der Form gewahrt werden, die momentan empfohlen wird, sagt der Mediziner: „Für den Fall von Infekt-Symptomen nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit Ihrem Hausarzt auf. Eventuell ist auch vor Schulbeginn ein Gespräch mit dem Hausarzt sinnvoll – der ja möglicherweise auch den Ehemann kennt.“ Sollte der Fall besonders kritisch sein, könne überlegt werden, zunächst keinen (persönlichen) Unterricht zu geben.

Auch das Thema Lebensmittelversorgung in der Corona-Krise beschäftigt die Leserinnen und Leser.

Sylvia Didem fragt dazu: Üblicherweise bekommen wir viel Obst und Gemüse aus Italien und Spanien. Sind diese so von der Pandemie gebeutelten Länder in der Lage, Deutschland damit zu versorgen? Wird es zu Engpässen kommen?

Antwort: Aus Spanien kommen 33 Prozent und aus Italien 12 Prozent der deutschen Einfuhren von frischem Obst und Gemüse, wie das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz mitteilt. Auch in Südeuropa werde Frischgemüse und Frischobst zum großen Teil mit Saisonarbeitskräften geerntet. Durch die Corona-Krise sei davon auszugehen, „dass es schwieriger ist, in Spanien und Italien Saisonarbeitskräfte zu bekommen, aber eben nicht völlig unmöglich“, sagt eine Sprecherin des Ministeriums. „Deshalb werden die Exporte einiger Arten – wie zuletzt auch schon – etwas geringer ausfallen, aber nicht völlig wegbrechen.“ Es sei also nur mit graduellen Änderungen zu rechnen, nicht mit abrupten Versorgungsengpässen, so die Sprecherin. „Auch im März 2020 war Gemüse nicht durchweg teuer, Gurken waren sogar deutlich billiger als im Vorjahr.“

Es gebe aber noch andere Lieferländer, die nennenswerte Obst- bzw. Gemüsemengen nach Deutschland lieferten: z.B. die Türkei, Griechenland, Marokko. „Außerdem wird Fruchtgemüse aus dem geschützten Anbau der Niederlande und Belgiens noch im November und schon wieder im Februar in großen Mengen importiert“, sagt die Sprecherin. Ferner sei zu bedenken, dass die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse auch im Winter nicht zu 100 Prozent aus Importen erfolge. Es gebe noch ein Angebot aus Deutschland: Lagergemüse (Kopfkohl, Möhren, Sellerie, Rote Bete, Zwiebeln etc.) und Lagerobst (Äpfel, Birnen) bzw. Kulturen, die auch im Winter laufend geerntet würden (z.B. Porree, Feldsalat).

Zum Thema Desinfektion fragt Leserin Cornelia Kistner: In den Medien sieht man, dass zum Beispiel in Spanien, wie vorher auch in China, ganze Straßenzüge abgesprüht werden, wohl mit Desinfektionsmittel. Lauert das Virus auf Gehwegen, an Häuserwänden, in Bäumen? Ist das großflächige Versprühen eine sinnvolle Maßnahme oder dient sie nur der Beruhigung?

Antwort: „Diese Maßnahmen dienen eher der Beruhigung“, sagt Prof. Dr. Michael Freitag, Facharzt für Allgemeinmedizin und Leiter der Abteilung Allgemeinmedizin an der Universität Oldenburg. „Das Virus kann zwar auf bestimmten Oberflächen einige Zeit überleben, eine Flächendesinfektion der Umwelt dürfte allerdings über das Ziel hinausschießen.“

Laut NWZ-Medizin-Kolumnist und Allgemeinmediziner Dr. Burkhard Jahn gelte weiterhin bezüglich des Coronavirus Sars-CoV-2, „dass wir eben vieles noch nicht oder nicht genau wissen“. Dazu gehöre auch die exakte Einschätzung, wie lange das Virus in der Luft verbleibt und wie lange es auf Gegenständen überlebensfähig ist. „Ich persönlich halte das Desinfizieren von Türklinken in Büros oder Arztpraxen oder den Halterungen an Einkaufswagen für eine sinnvolle Maßnahme. Inwieweit es aber tatsächlich gelingt, dadurch Viren abzutöten, werden wir sicher erst in mehreren Monaten exakt wissen“, sagt Jahn.

Im Hinblick auf das Arbeitsleben stellen sich in der Corona-Krise viele Fragen.

Eine Leserin möchte wissen: Wie verhält es sich mit Minijobs, die wegen Corona nicht wahrgenommen werden können. Besteht ein Anspruch auf sechswöchige Lohnfortzahlung, die sich der Arbeitgeber dann vom Staat rückerstatten lassen kann?

Antwort: Bei Minijobbern handele es sich um Teilzeitbeschäftigte, die arbeitsrechtlich wie ganz normale Arbeitnehmer zu behandeln seien, heißt es auf Nachfrage der NWZ aus dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung. Sie hätten deshalb die gleichen arbeitsvertragsrechtlichen Rechte wie Arbeitnehmer, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind.

„Konkret bedeutet dies, dass sie grundsätzlich – wenn nicht arbeitsvertraglich oder durch Tarifvertrag etwas anderes vereinbart worden ist – auch dann Anspruch auf Lohnzahlung haben, wenn sie arbeiten wollen, das heißt, ihre Arbeitskraft anbieten, der Arbeitgeber sie aber vorübergehend aus Gründen nicht beschäftigen kann, die in seiner betrieblichen Sphäre liegen“, sagt ein Ministeriumssprecher (sogenannte Betriebsrisikolehre nach § 615 Satz 3 Bürgerliches Gesetzbuch). Zum Betriebsrisiko, für das der Arbeitgeber einzustehen habe, dürfte nach derzeitiger Rechtslage auch die vorübergehende Schließung des Betriebs aufgrund einer staatlichen Anordnung zählen, die zur Bekämpfung der Gefahr einer Ansteckung mit dem Corona-Virus ergangen ist. Arbeitnehmer behalten also in diesen Fällen ihren Entgeltanspruch, auch wenn sie nicht arbeiten (können), heißt es vom Ministerium.

Eine Rückerstattung des vom Arbeitgeber fortgezahlten Lohns durch den Staat dagegen sei möglich, wenn gegenüber dem Arbeitnehmer persönlich ein Betätigungsverbot nach dem Infektionsschutzgesetz ausgesprochen worden sei – zum Beispiel durch behördlich verhängte Quarantäne, so der Sprecher. In diesem Fall habe der Beschäftigte keinen Entgeltanspruch gegen den Arbeitgeber, aber einen Anspruch auf Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz (§ 56 Abs.5). Der Arbeitgeber habe danach sozusagen als „Zahlstelle“ des Arbeitnehmers die Entschädigung in Höhe des Verdienstausfalls für maximal sechs Wochen „auszulegen“ und erhalte die ausgezahlten Beträge auf entsprechenden Antrag von der zuständigen Behörde erstattet. In Niedersachsen ist diese das Sozialministerium.

Zur Ansteckungsgefahr hat uns von Inge und Hans-Peter Thiele aus der Gemeinde Bad Zwischenahn diese Frage erreicht: Beim täglichen Spaziergang durch den Wildenloh begegnen uns häufig Jogger, die uns mitunter sehr nahekommen. Besteht dabei unter Umständen die Gefahr, dass ein infizierter Jogger bzw. eine Joggerin durch den vermehrten Atemausstoß Virenpartikel auf uns als Spaziergänger überträgt?

Antwort: „Das ist sehr unwahrscheinlich. In aller Regel atmen Menschen, die sich begegnen, in unterschiedliche Richtungen. Dann kommt noch Windzug dazu“, sagt Dr. Burkhard Jahn, Facharzt für Allgemeinmedizin und NWZ-Medizin-Kolumnist. Die Wahrscheinlichkeit für einen Infekt sei an der frischen Luft insgesamt geringer als in geschlossenen Räumen. Auch aus den genannten Gründen, so Jahn. Im Zweifelsfalle sollte ein Mundschutz getragen werden, rät er: „Momentan gilt zwar das Wissen, dass ein Mundschutz vor allem andere schützt, es ist aber nicht ausgeschlossen, dass man eben doch, zumindest zum Teil, sich selber schützt.“

Eine Leserin aus Oldenburg möchte zum Thema Besuch wissen: In meinem Bekanntenkreis herrscht eine Verunsicherung bezüglich der 10-Personen-Regelung. Während ich der Meinung bin, dass sich lediglich bis zu zehn Familienmitglieder in einer privaten Wohnung treffen dürfen, sind einige der Meinung, dass diese Regelung auch für den Freundeskreis gilt. Meine Frage: Ist es derzeit erlaubt, in einer privaten Wohnung mit bis zu zehn Personen einen Spiele-Abend zu veranstalten? Werden solche Treffen bestraft?

Antwort: „Eine 10-Personen-Regelung gibt es nicht, es sei denn es handelt sich um eine Hochzeit oder eine Beerdigung“, antwortet eine Sprecherin des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Direkte Kontakte zu anderen Menschen, die nicht zu den Angehörigen des eigenen Hausstandes gehören, sollten auf ein absolut nötiges Minimum reduziert werden, um eine Infektion mit dem Coronavirus zu verhindern.

„Auch in der eigenen Wohnung und auf dem eigenen Grundstück soll der Kreis der sich dort treffenden Menschen möglichst klein sein“, heißt es vom Land Niedersachsen. Die denkbaren Konstellationen sind dabei sehr unterschiedlich: Zum Beispiel ein Besuch der bereits ausgezogenen Kinder, eines engen Freundes oder einer Freundin oder auch eines Ehepaars aus der Nachbarschaft. Eine exakt festgelegte Grenze hinsichtlich der Personenanzahl bei den Besuchern gibt es zwar nicht. Trotzdem bleibt das „Grundprinzip der Kontaktminimierung gleichwohl: Der Kreis, der sich treffenden Menschen sollte möglichst klein und idealerweise gleichbleibend sein“, betont die Landesregierung.

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Eine mögliche Verletzung der aktuell gültigen Verordnung könne von der Polizei bzw. den Ordnungsbehörden auch im häuslichen Bereich überprüft werden, heißt es aus der niedersächsischen Staatskanzlei. Gegebenenfalls könnten auch Bußgelder verhängt werden. Generell gilt derzeit: Der Mindestabstand von 1,5 Metern zu Personen, die nicht aus dem eigenen Hausstand kommen, ist einzuhalten und die aktuellen Hygieneregeln sind zu beachten.

Haben auch Sie Fragen zum Coronavirus? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an: coronafragen@nwzmedien.de

Sebastian Friedhoff Redakteur / Newsdesk
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