Im Nordwesten Schon im vergangenen Jahr lagen die Zahlen über dem Niedersachsendurchschnitt, im ersten Halbjahr dieses Jahres bestätigt sich dieser Trend: Im Oldenburger Land machen sich die Menschen besonders gern selbstständig. Das Oldenburger Land insgesamt liegt mit einem Wert von 33,5 über dem Niedersachsen-Durchschnitt (31,9 Gründungen je 10 000 Einwohner), wie aus einer Berechnung der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) auf Basis neuer Daten des Landesamtes für Statistik Niedersachsen (LSN) hervorgeht.

Regionale Unterschiede

Das Ergebnis fällt allerdings regional unterschiedlich aus. Der Landkreis Cloppenburg führt die Liste der Neugründungen pro 10 000 Einwohner an: 36,8 Anmeldungen gab es hier, 28,2 waren es in der Wesermarsch. Es folgen laut IHK-Statistik die Stadt Oldenburg (35,7) und der Landkreis Vechta (34,5).

„Das Interesse, sich mit einer Firma selbstständig zu machen, ist, trotz des Fachkräftebedarfs und damit auch guter Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt, hoch“, erklärt Michael Höller, Existenzgründungsberater bei der IHK. Gerade qualifizierte Fachkräfte könnten derzeit gute Konditionen in Beschäftigung aushandeln, was dann die Attraktivität einer unternehmerischen Selbstständigkeit mindere. Deshalb sei die Nachricht der gestiegenen Gründungszahlen umso erfreulicher. „Das zeigt, dass das Oldenburger Land eine attraktive Region für Gründer ist.“

Niedersachsenweit gab es im ersten Halbjahr 2019 nach Angaben des LSN 31 362 Gewerbeanmeldungen. Das sind 4,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Darunter waren 25 614 Neuanmeldungen.

Aus einem aktuellen Report des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) geht jedoch hervor, dass zwar immer mehr Interesse an Gründungsveranstaltungen und -seminaren besteht, die tatsächliche Zahl der Gewerbeanmeldungen aber nicht gleichermaßen steigt.

Als große Gründungsbremse erweist sich nach Angaben dieses Reports die Bürokratie. Das geben in einer bundesweiten Umfrage der IHK-Organisation 57 Prozent der Existenzgründer an.

Sowohl niedersachsenweit als auch im Oldenburger Land zog die Gründungsbereitschaft indes an. Im ersten Halbjahr 2018 lag der Anteil der Unternehmensgründungen in Niedersachsen noch bei 30,5 pro 10 000 Einwohner und im Oldenburger Land bei 32,0. Cloppenburg lag auch damals schon weit vorn, jedoch mit einem Wert von 33,3 noch deutlich unter dem Wert dieses Jahres. Stark entwickelt hat sich die Stadt Delmenhorst: Waren es in 2018 nur 27,9 Gründungen, steht in der jetzigen Statistik die Zahl 33,5. Einzig in der Wesermarsch war der Wert rückläufig.

Schub erwünscht

„Einen weiteren Schub für die Gründerszene der Region erhoffen wir uns vom Start-up-Zentrum in Oldenburg, das am 1. März 2018 seine Arbeit aufgenommen hat“, berichtet Höller. Ausgewählte Gründer mit vielversprechenden Geschäftsideen aus den Bereichen Energie und Klimaschutz sowie Gesundheitswirtschaft können sich hier mit Hilfe eines auf 120 Tage befristeten, intensiven Coachings auf den Markteintritt vorbereiten.

„Ziel ist es, dass mehr innovative Gründer an den Start gehen und die Gründungen erfolgreicher sind, da sie in der Frühphase besser unterstützt werden“, formuliert Höller einen Wunsch für die Zukunft. Auch Aspekte wie die Aufnahme des Themas Selbstständigkeit in die Lehrpläne von Schulen und Universitäten könnten nach Angaben von Höller dazu beitragen, das Gründungsklima weiter zu verbessern.

Imke Harms Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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