DELMENHORST /OLDENBURG. Hans-Hermann Precht, Wirtschaftshistoriker und stellvertretender Leiter der Nordwolle Museen in Delmenhorst, erinnert an einen vergessenen Wirtschaftskrimi aus der Region. „Der Name Lahusen war viele Jahre tabu in Delmenhorst und Bremen“, erklärt Precht das lange Schweigen. Zu groß war der Schaden, den Lahusen damals angerichtet hatte. Immerhin zwei Banken riss die Pleite der „Nordwolle“ damals in den Abgrund. Der Staat musste die Dresdner Bank retten und die Reste der „Nordwolle“ sanieren helfen. „Große Gier und gefälschte Bilanzen, das war die gefährliche Mixtur, die Lahusens Woll-Imperium explodieren ließ“, erklärt der Bremer Historiker Precht.

Was war passiert? Nach dem schwarzen Freitag an der New Yorker Börse vor 80 Jahren im Oktober 1929 zogen US-amerikanische Banken ihr Geld aus Übersee ab. Vor allem auch aus Deutschland, wo die Wirtschaft nach den schweren Jahren nach dem 1. Weltkrieg endlich wieder blühte. Es war ein Schock für die Unternehmer. Auch für Georg Carl Lahusen, der die beeindruckende Expansion der „Nordwolle“ mit riskanten Krediten bezahlt hatte. Das Geld kam vor allem von der Darmstädter und Nationalbank (Danatbank). Als die Prüfer der Danatbank mitten in der Krise bei „Nordwolle“ die Bilanzen prüften, kam das ganze Ausmaß des Betrugs ans Licht. „Lahusen hatte Verluste als Gewinne ausgewiesen“, erklärt Precht.

Zudem lebte der Unternehmer exzessiv. Lahusen ließ sich in der Bremer Schweiz das Schloss Hohehorst mit 107 Zimmern bauen. Als Aufsichtsrat der Elsflether Werft wie als Präses der Handelskammer Bremen war der Unternehmer in der guten Gesellschaft ganz oben.

Doch die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise, die das Deutsche Reich 1931 traf, ließ die Blase platzen. „Nordwolle“, damals größter Textilkonzern Europas, brach zusammen. Der Staat musste ihn retten. Die Danatbank wurde zahlungsunfähig und der Bremische Staat geriet an den Rand der Pleite. Lahusen musste danach ins Gefängnis, scheiterte später mit neuen Unternehmungen und starb 1973 in München.

Frank Jungbluth Chef vom Dienst (bis 2012)
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