Leer Fahles Blaulicht huscht über den Deich. Die Kühe hinterm Zaun glotzen auf den umgekippten Tanklaster, Öl schwappt über den Asphalt. Doch es ist alles halb so schlimm – die Feuerwehr sprüht schon Watteschaum auf die zähe Masse, die im Maßstab 1:87 auf der Straße klebt. Die kleine Welt im Miniaturland Leer bleibt also heil. Gut so.

Halb Ostfriesland haben die Modellbauer auf etwa 600 überdachte Quadratmeter gestaucht. Im Sommer 2015 soll eine doppelt so große Halle öffnen, um nach und nach beispielsweise auch das Emsland sowie das Oldenburger Land detailgetreu nachzubilden. Damit wäre die Anlage laut Initiator Wolfgang Teske die größte Miniaturwelt Deutschlands. Im Miniatur-Wunderland in Hamburg fahren etwa 1000 Züge auf rund 1300 Quadratmetern Fläche – bis 2020 sollen es allerdings laut Internetseite der Betreiber mehr als 2300 Quadratmeter werden.

Jetzt soll auch das Oldenburger Land nachgebaut werden

Aktuell steht eine vier Millionen Euro teure Erweiterung an. Ein erster Bauabschnitt soll im Sommer 2015 fertig sein.

In der neuen Halle sollen die noch fehlenden ostfriesischen Inseln Wangerooge, Langeoog, Spiekeroog und Baltrum und Teile des Oldenburger Landes zu sehen sein. Auf die Vervollständigung der Inseln sollen die Stadt Oldenburg, Bad Zwischenahn und weitere Teile des Ammerlandes sowie die Stadt Wilhelmshaven mitsamt des Jade-Weser-Ports folgen.

Das Miniaturland ist an diesem Mittwoch geschlossen, am 1. Januar von 12 bis 18 Uhr und ansonsten täglich in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Zuschuss vom Land

Rund 2,3 Millionen Euro hat der Software-Unternehmer bereits in die Anlage in Leer gesteckt, weitere vier Millionen Euro will der 63-Jährige in die Erweiterung investieren. Vom Land Niedersachsen kommt ein Zuschuss von 730 000 Euro als Wirtschafts- und Tourismusförderung.

Fast alles, was für Ostfriesland typisch ist, lässt sich im Miniformat wiederfinden: ein Fest unterm Maibaum, Torfstiche und Backsteinbauten. Historische Windmühlen drehen sich neben modernen Turbinen. Gewächshäuser, Einkaufszentren und Jahrmärkte strahlen in die künstliche Nacht. Nach einem festen Rhythmus wird es dann wieder Tag in Klein-Ostfriesland. Ebbe und Flut fehlen zwar, dafür gleitet alle zweieinhalb Stunden ein Kreuzfahrer rückwärts über die Plastik-Ems gen Nordsee.

Hat sich der Unternehmer Teske mit der Kunstlandschaft einen Kindheitstraum verwirklicht? „Mit Modellbau hatte ich vorher nichts zu tun“, stellt er nüchtern klar. „Die Anlage ist eine Investition in ein touristisches Konzept. Das muss sich irgendwann rechnen.“ Die Chancen dafür stehen gut. Seit dem Start vor drei Jahren wurden laut Teske mehr als 220 000 Besucher gezählt.

„Kiek eben, kiek eben“ - eine Besucherin aus der Region ist ganz aus dem Häuschen, als sie eines der rund 5000 Gebäude erkennt. Andere grinsen über einen Gag, den Modellbauer Oliver Hatting im platten Plastikland versteckt hat: das Schaf mit Irokesenschnitt, das nackte Pärchen in den Dünen oder den Sensenmann vorm Außenklosett. Etwas künstlerische Freiheit ist bei allem Bemühen um Authentizität erlaubt. „Auch bei den Proportionen muss man ein bisschen tricksen“, bekennt Hatting. Und als Zugeständnis an die Modellbahnfreunde hat er Extra-Gleise verlegt, die in der ostfriesischen Realität fehlen.

Über 70 000 Figuren

Mehr als 70 000 Figuren tummeln sich in der Zwergwelt, auf sieben Kilometern Straßen und Schienen kurven mehrere hundert Züge, Busse und Lastwagen. „Fertig ist man hier nie“, sagt Hatting, holt einen Wagen mit einem Greifarm von der Böschung und tauscht den Akku. Auch bei der Bahn hakt es irgendwo. „Es fährt gerade so wenig“, sagt der Modellbauer und geht auf Fehlersuche.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Für den Aufbau der ostfriesischen Miniwelt waren etwa 200 000 Stunden nötig. Allein für ein typisches Bauernhaus wird ein Tag Bauzeit veranschlagt. Grundlage der Modellbauer sind Luftbilder und eine Besichtigung der echten Gebäude. Auch Pläne von Architekten dienten Hatting schon als Vorlage: „Hier drinnen waren wir dann schneller fertig als die da draußen.“


     www.leeraner-miniaturland.de 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.