Oldenburg Spendenaffäre, Korruptionsvorwürfe, unbesetzte Vorstandsposten – der Gesprächsstoff dürfte für den EWE-Aufsichtsrat bei seiner Sitzung am Mittwoch bis tief in den Abend reichen. Peter Meiwald, Bundestagsabgeordneter für die Grünen und eines von 20 Mitgliedern des Kontrollgremiums, will trotzdem unbedingt ein weiteres Thema auf die Tagesordnung heben: die Bezahlung der EWE-Vorstände. Die ist nämlich zu hoch, findet Meiwald.

„Es heißt ja immer, man müsse so hohe Gehälter zahlen, weil man sonst keine guten Leute bekommen würde“, sagt Meinwald. „Wir haben bei EWE leider schmerzhaft feststellen müssen: Man kann hohe Gehälter zahlen – und trotzdem scheitern.“

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Tatsächlich sind derzeit nur noch zwei von ursprünglich fünf Vorstandsmitgliedern aktiv: Michael Heidkamp und Wolfgang Mücher. Im September 2016 hatte zunächst Nikolaus Behr den Vorstand infolge der sogenannten Spitzelaffäre verlassen, drei Monate später ging Ines Kolmsee nach internen Querelen. Seit vergangener Woche lässt auch Vorstandschef Matthias Brückmann sein Amt ruhen; das Aufsichtsratspräsidium hatte seine Ablösung wegen der umstrittenen 253 000-Euro-Spende an die Klitschko-Stiftung empfohlen.

Mit Blick auf das Personalkarussell an der Konzernspitze fordert Meiwald nun: „Wir müssen auch über das Gehaltsgefüge auf der Vorstandsebene bei EWE sprechen.“ 2015 hat EWE laut Geschäftsbericht insgesamt 3,8 Millionen Euro an die Vorstände gezahlt. Schätzungen zufolge dürften 1 bis 1,5 Millionen davon an den Vorstandschef gehen. Zuletzt waren die Aufwendungen sogar gestiegen: 2014 lagen die Gesamtbezüge noch bei 3,5 Millionen Euro.

Weitere 1,1 Millionen Euro bezieht übrigens der Aufsichtsrat. Gut die Hälfte davon entfallen allerdings auf die Löhne, die EWE an die Arbeitnehmer-Vertreter in dem Gremium zahlt.

Der Aufsichtsrat tagt am 22. Februar ab 16 Uhr in Oldenburg. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist sicherlich die Entscheidung über die Abberufung von EWE-Chef Brückmann. Das Aufsichtsratspräsidium hatte die Vorgänge um die Klitschko-Spende und andere Vorwürfe gegen Brückmann von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG untersuchen lassen. Nach NWZ -Informationen ist der vertrauliche Bericht den Aufsichtsratsmitgliedern am Freitag zugestellt worden.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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