Emden Nach Jahren des Stillstands kommt Bewegung in die geplante Vertiefung der Außenems. Während der Naturschutzbund (Nabu) in Niedersachsen vor Verschlickung warnt und Fischer um ihre Erträge fürchten, freut sich die Wirtschaft über die in Aussicht stehende Stärkung des Emder Hafens für den Automobilumschlag. „Damit werden rund 10 000 Arbeitsplätze in der Hafenwirtschaft Emdens gesichert“, sagte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) Anfang März. Damals wurde die Verständigung bei strittigen Fragen verkündet. Nun soll bis Ende 2022 das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden.

Für die Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostfriesland und Papenburg ist es ein längst überfälliger Schritt. „Dann läuft das Verfahren immerhin schon 20 Jahre, und irgendwann haben wir auch eine Entwicklung bei den Schiffsgrößen, dass dann diese Schiffe Emden nicht mehr anlaufen können“, sagte Arno Ulrichs, Geschäftsführer für Wirtschaftsförderung, Tourismus und Verkehr. „Emden ist der drittgrößte Umschlaghafen für Automobile in Europa“, er lebe ganz wesentlich davon.

In der Außenems, also der trichterförmigen Mündung zum Meer, soll auf einer Strecke von knapp 13 Kilometern die Fahrrinne bis zum Hafen um einen Meter vertieft werden, wie Markus Jänen vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ems-Nordsee erklärt. 1,4 Millionen Kubikmeter müssen dafür allein bei der ersten Baggerung ausgegraben werden.

„Es wäre schon ein sehr, sehr starker Schlag“, sagte Elke Meier vom Nabu Niedersachsen. „Wir haben ja schon die große Problematik in der Tideems, dass die Flut- und Ebbströme sich total verändert haben und dadurch sehr viel Schlick eingetragen wird.“ Die Sedimente lösen sich auch im Wasser. Das führt zu einem geringen Sauerstoffgehalt, Lebewesen können sich zum Teil nicht mehr ansiedeln.

Von der Vertiefung des schmalen Flusses profitiert vor allem die Papenburger Meyer Werft, die jährlich neue Kreuzfahrtschiffe über die Ems an die Nordsee überführt, wie vergangene Woche die „Iona“. Mit dem sogenannten Masterplan Ems 2050 soll der ökologische Zustand verbessert werden. „Gerade wo wir hoffen, dass Erfolge kommen, wird die nächste negative Sache eingeleitet“, so Meier vom Nabu.

Jänen vom WSA schätzt, dass in der Außenems nach der Erstbaggerung weitere 2,2 Millionen Kubikmeter an Sedimenten nachkommen und wieder abgetragen werden müssen. „Da, wo gebaggert und verklappt wird, die Gebiete gehen für die Fischerei verloren“, sagte Manuela Melle von den Niedersächsischen Muschelfischern. „Speziell auf die Muscheln gesehen: Muscheln kriegen ihre Nahrung durch das Filtrieren aus dem Wasser.“ Sei darin zu viel Schlick enthalten, könnten sie sich kaputt filtrieren.

Was die Außenemsvertiefung für Folgen für den Sedimenttransport hätte - bei dieser Einschätzung gab es Unstimmigkeiten zwischen Behörden von Bund und Land. Nun die Einigung, mit der die Planung der Vertiefung, für die Niedersachsen 2012 einen Antrag beim Bund gestellt hatte, wieder Fahrt aufnimmt. Ein langer Prozess für eine Maßnahme, die nur wenige Wochen dauern werde, so Ulrichs von der IHK: „Wenn der Planfeststellungsbeschluss da ist, sind wir natürlich immer noch nicht am Ziel, denn da wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Klagen geben.“

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