Im Nordwesten Jeder Betrieb wünscht sich zuverlässige, motivierte Mitarbeiter, die voller Freude bei der Arbeit sind. So einen wie Jörg Neuhaus, der bei der Metallbaufirma Friebe & Gerdes in Oldenburg die „Seele des Betriebes“ ist, sagt Geschäftsführer Dennis Menkens. Oder einen wie Matthias Wiechmann, der beim Holz- und Baustoff-Vertrieb (HBV) in Wilhelmshaven mit so viel Stolz und Eifer schafft, dass nicht nur der Chef Walter Paradies, sondern auch die anderen Mitarbeiter begeistert sind: „Er ist ein super Kollege“, sagt Dieter Kurka über den 55-Jährigen: Fleißig, hilfsbereit, eine Bereicherung für die Firma.

Immer mehr Betriebe erkennen die Vorteile, die die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung bringen: Die Firma gewinnt sehr motivierte Mitarbeiter, für deren Einstellung es vielfältige finanzielle Fördermöglichkeiten gibt. Damit die positiven Beispiele Schule machen, lädt die Gemeinnützige Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit Wilhelmshaven zu einem Informationsabend ein (siehe Info-Kasten).

Zu den Firmen, die die Chancen der Inklusion früh erkannt haben, gehört der Metallbaubetrieb Friebe & Gerdes. Vier der 40 Mitarbeiter sind Menschen mit Behinderungen:  zwei Gehörlose, ein Autist und ein Mitarbeiter mit Lernschwierigkeiten.

Stärken erkennen

Jörg Neuhaus (50) arbeitet seit 25 Jahren im Betrieb. Er war von Beginn an dabei, als die mittlerweile ausgeschiedenen Geschäftsführer Norbert Friebe und Heinz Gerdes den Metallbaubetrieb gründeten. Das Ideal der Inklusion trugen sie in sich: Vor ihrer Selbstständigkeit waren beide bei den Gemeinnützigen Werkstätten als Gruppenleiter tätig. Die Grundidee der Gründer, der sich auch der jetzige Geschäftsführer Dennis Menkens verschrieben hat: „Jeder Mensch hat Stärken, und die muss man erkennen.“

Finanzielle Unterstützung und umfangreiche Beratung

Für Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen gilt eine gesetzliche Beschäftigungspflicht. Sie müssen fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Beschäftigten besetzen. Erfüllen sie die Quote nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen.

Aus diesen Mitteln finanzieren die Integrationsämter Maßnahmen zur Förderung der Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen. Dazu gehören vielfältige finanzielle Leistungen, aber auch ein umfangreiches Beratungsangebot, insbesondere über die Integrationsfachdienste (IFD). Ansprechpartner beim Integrationsamt in Oldenburg ist August Hallmann-Jürgens-Tatje, Tel. 0441/22 29 74 00.

Um Menschen aus den Gemeinnützigen Werkstätten die Arbeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen, hat die Gemeinnützige Gesellschaft für Paritätische Sozialarbeit Wilhelmshaven die Kampagne „Vielfalt leben“ gegründet. Bei einer Präsentation am Mittwoch, 16. September, ab 18.30 Uhr, beim Landkreis Ammerland, Ammerlandallee 12, stellt die Initiative Beispiele vor (Anmeldung unter Tel. 04421/206-150). Ansprechpartnerin für die Gemeinnützigen Werkstätten Oldenburg ist Angela Ziegler, Tel. 04481/90 79 17.

Initiative „Vielfalt leben“

Gemeinnützige Werkstätten Oldenburg

Vielfältige Informationen gibt es bei der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen (BIH)

So wie bei Jörg Neuhaus. Rechnen und Schreiben liegen ihm nicht so, aber in den Gemeinnützigen Werkstätten hat er vor vielen Jahren seine Begeisterung für die Metallbearbeitung entdeckt. Seine CNC-Drehmaschine hat er im Griff, fertigt damit die unterschiedlichsten Rundstücke beispielsweise für den Automobil- oder Kranbau. Eine besondere Herausforderung ist die Qualitätskontrolle, bei der es um äußerste Präzision geht: „Dafür habe ich mir extra eine Brille angeschafft.“ Neben der sorgfältigen Arbeit schätzt der Chef aber auch noch ganz andere Kompetenzen an Neuhaus: „Er weiß ganz genau, ob ein Praktikant was taugt oder nicht.“ Da wird er gerne mal um Rat gefragt.

Der kollegiale Umgang untereinander ist Grundvoraussetzung dafür, bei Friebe & Gerdes zu arbeiten. „Wer über einen unserer Behinderten schimpft oder meckert, fliegt raus. Das geht ganz schnell“, zeigt sich der Geschäftsführer resolut.

Dankbar für Arbeitsstelle

Aber ist es nicht so, dass Menschen mit Behinderungen mitunter weniger leistungsfähig sind, mehr Pausen benötigen oder langsamer arbeiten? Das kann Menkens für seine Mitarbeiter nicht bestätigen. Am Anfang vielleicht. Aber ansonsten ist er überzeugt: „Behinderte werden in der freien Wirtschaft stärker, lernen von anderen und arbeiten teilweise sogar schneller.“ Auch einen höheren Krankenstand, den manch ein potenzieller Arbeitgeber bei Menschen mit Behinderungen fürchten mag, hat Menkens nicht festgestellt. Er formuliert es so: „Behinderte wissen ihre Arbeit zu schätzen.“

Die Dankbarkeit für eine feste Arbeitsstelle ist auch Jan Schleuser deutlich anzumerken. Der 34-Jährige arbeitet seit acht Jahren bei „Bruno – Der Oldenbäcker“ in Sandkrug. „Bruno“ beschäftigt an 26 Standorten rund 250 Mitarbeiter, in den Produktionsräumen in Sandkrug sorgen drei Mitarbeiter mit Lernschwierigkeiten für Sauberkeit. „Das ist ganz wichtig, dass man einen festen Job hat“, sagt Schleuser.

Sein Chef Stefan Tönnies schätzt an den Mitarbeitern, die ihm der Integrationsfachdienst (IFD) Oldenburg vermittelt hat, vor allem die absolute Zuverlässigkeit: „Was man ihnen sagt, wird ganz genau so gemacht.“ Manches müsse man einmal mehr erklären, dafür funktioniere es hinterher umso besser.

Einfach mal ausprobieren

Nach Tönnies’ Erfahrung ist es ganz entscheidend, dass die Kollegen mit Lernschwierigkeiten einen, und nur einen, Ansprechpartner im Betrieb haben, der die Aufgaben zuteilt und an den sie sich wenden können. Für alle Fragen, wie die Eingliederung am besten klappt, stehen das Integrationsamt und die Integrationsfachdienste mit Rat und Tat zur Seite.

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Wer unsicher ist, ob er einen Mitarbeiter mit Behinderung einstellen soll, dem rät Tönnies: „Unternehmer sollten das keinesfalls nur wegen des Geldes machen. Der Mensch muss in den Betrieb und zu der Tätigkeit passen. Ich empfehle erst einmal einen befristeten Arbeitsvertrag oder ein Praktikum, um das auszuprobieren.“

Und so lautet auch der Rat von Dennis Menkens an alle Unternehmer, die die Potenziale von Mitarbeitern mit Behinderungen noch nicht entdeckt haben: „Einfach mal ausprobieren und Geduld dabei haben.“

Irmela Herold Redakteurin / Online-Redaktion
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