Oldenburg Der Oldenburger Energieanbieter EWE will nach dem wahrscheinlichen Aus für Matthias Brückmann vorerst keinen neuen Vorstandschef berufen. Nach NWZ-Informationen soll es eine „Zwischenlösung“ geben. Möglich seien ein Team-Modell oder ein Vorstandssprecher, hieß es am Mittwoch aus EWE-Kreisen.

Brückmann war wegen einer eigenmächtigen 253.000-Euro-Spende an die Stiftung des ehemaligen Boxweltmeisters Wladimir Klitschko in die Kritik geraten. Das Aufsichtsratspräsidium hatte am Dienstag die Abberufung des Vorstandschef empfohlen. Der Aufsichtsrat entscheidet darüber am 22. Februar. Bis dahin lässt Brückmann sein Amt ruhen.

Arbeitsrechtlich bedeutet das, dass Brückmann nach wie vor Vorstandsvorsitzender ist und dementsprechend bezahlt wird. Die jährlichen Bezüge des EWE-Chefs dürften zwischen 1 und 1,5 Millionen Euro brutto liegen. Laut Geschäftsbericht 2015 waren für den fünfköpfigen Vorstand insgesamt 3,8 Millionen Euro ausgezahlt worden.

Wie es finanziell für Brückmann weitergeht, hängt von der Entscheidung des Aufsichtsrats am 22. Februar ab. Wird der EWE-Chef „mit sofortiger Wirkung“ entlassen, so wie vom Aufsichtsratspräsidium empfohlen, käme das einer fristlosen Kündigung gleich. Damit verlöre Brückmann dann seine Bezüge. Je nachdem, wie schwerwiegend die Gründe sind, die gegen den Vorstandschef vorgebracht werden, könnte er bei einer fristlosen Entlassung auch ohne Abfindung bleiben.

Sollten sich Brückmann und das Unternehmen hingegen auf eine Abfindung einigen müssen, „entscheidet das nicht die öffentliche Meinung, sondern allein das Arbeitsrecht“, heißt es bei der EWE. Brückmanns Vertrag läuft noch drei Jahre.

Den beiden verbliebenen Vorständen Michael Heidkamp und Wolfgang Mücher hat das Aufsichtsratspräsidium sein Vertrauen ausgesprochen. Dass Heidkamp die zweite Vorstands-Unterschrift für die Spendenanweisung an die Klitschko-Stiftung gegeben hatte, spielte offenbar für das Präsidium keine Rolle. „Das war nicht Gegenstand der Untersuchung“, hieß es.

In der Aufsichtsratsitzung am 22. Februar sollen auch zwei neue Vorstände bestellt werden. Im Gespräch sind nach NWZ-Informationen Timo Poppe (SWB) und Torsten Maus (EWE Netz).

Dass die EWE und die Spendenaffäre viele Bürger in der Region bewegt, zeigte sich auch in den sozialen Netzwerken im Internet, wo der Fall auch am Mittwoch intensiv diskutiert wurde. Die Mehrheit der Kommentatoren begrüßte dabei die Empfehlung des Aufsichtsratspräsidiums, Brückmann abzulösen.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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