Oldenburg Ein Job im Hafen? Der ist doch schweißtreibend, schmuddelig und schlecht bezahlt. So denken offenbar viele junge Menschen und entscheiden sich bei ihrer Berufswahl für vermeintlich attraktivere Ausbildungen beziehungsweise Berufe in Großkonzernen in den Metropolen des Landes.

Sascha Hemme, von der unter anderem seit 1937 in Oldenburg ansässigen Unternehmensgruppe Rhein-Umschlag, kennt diese Thematik nur zu gut. „Wie in jedem Jahr haben wir auch für das Jahr 2015 Auszubildende für den Bereich Kaufmann/Kauffrau für Spedition und Logistikdienstleistung gesucht. Die Anzahl der Bewerber war überschaubar, und in den Vorstellungsgesprächen wurde schnell deutlich, dass nur wenige darüber informiert sind, worum es in diesem Berufszweig eigentlich geht, und welche Möglichkeiten auch ohne ein abgeschlossenes Studium gegeben sind“, erläutert Hemme. In diesem Jahr habe es leider keinen geeigneten Kandidaten gegeben.

Gute Karrierechancen

Dabei haben Berufe im Hafen längst nichts mehr mit Plackerei zu tun, „sondern sie bieten hervorragende Karrierechancen“, sagt Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen mit Sitz in Oldenburg.

Sascha Hemme ist einer, der die „hervorragenden Karrierechancen“ frühzeitig erkannt und für sich genutzt hat. Vor elf Jahren begann der heute 28-Jährige bei der Rhein-Umschlag GmbH & Co. KG seine Ausbildung, wurde Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung. Heute ist er in der mittelständischen Firmengruppe, die unter anderem in den Bereichen Häfen und Schifffahrt sowie Baustoffhandel tätig ist und fünf Kies- und Sandwerke besitzt, Mitglied der Geschäftsleitung. „Nach der zehnten Klasse bin ich von der Schule gegangen und habe mich für eine Ausbildung entschieden“, sagt Sascha Hemme. Auch heute sei ein Studium oder Abitur in diesem Bereich nicht zwingend erforderlich.

„Es geht uns nicht um schulische Bestnoten, sondern um das persönliche Engagement“, sagt Hemme, und fügt hinzu: „Wir wollen junge, motivierte Menschen ausbilden und sie danach in unseren Betrieb übernehmen.“

Einsatz deutschlandweit

Und auch bei Rhein-Umschlag gebe es viele Möglichkeiten, deutschlandweit eingesetzt zu werden, betont Hemme, der gebürtig aus Oldenbrok bei Ovelgönne (Kreis Wesermarsch) stammt. Wer sich nach der Ausbildung dennoch anderweitig orientieren wolle, habe mit einer solchen Basis auf dem Arbeitsmarkt sowohl in der Schifffahrt als auch in der Industrie „sehr gute Chancen“.

Auch Heinrich Bruns hat seine Chance einst beim Schopfe gepackt. Der „Hafenarbeiter“ ist Maschinenbauingenieur, kam als stellvertretender Betriebsleiter zur am Oldenburger Hafen ansässigen Agravis Kraftfutterwerk Oldenburg GmbH und wurde später Betriebsleiter. Heute ist der 57-Jährige, der seit 30 Jahren im Unternehmen ist, Geschäftsführer des Oldenburger Kraftfutterwerks, das Landwirte mit Futter für ihre Nutztiere versorgt. „Wir produzieren rund 400 000 Tonnen pro Jahr“, berichtet Bruns und führt seine Besucher in die hochtechnisierte Schaltzentrale des Betriebs. „Hier gibt es keine Müller mehr, die 50-Kilo-Säcke schleppen müssen, sondern es geht darum, die komplexe Anlage, die Futtermittel für Schweine, Rinder, Geflügel, Pferde, Schafe und Kaninchen herstellt, zu steuern und zu überwachen“, erläutert Bruns. Mehr als 1000 Rezepturen lassen sich von der „Steuerwarte“ aus einstellen und bis zu 1300 Tonnen Kraftfutter pro Tag herstellen. Die Rohstoffe gelangen meist über Wasserwege ins Werk.

Zukunftssichere Jobs

„Wie bieten zukunftssichere Arbeitsplätze“, sagt Bruns, der, ebenso wie Sascha Hemme, das Thema Fachkräftemangel nur zu gut kennt. „Das ist ein Riesenthema“, beklagt Bruns. Auch er habe drei offene Stellen in den Bereichen Verfahrenstechnologie und Mechatronik nicht besetzen können.

„Viele Menschen wissen nicht, was in unseren Häfen gemacht wird und was für attraktive Arbeitsplätze es hier gibt“, meint Gerd Bischoff, Leiter des Eigenbetriebs Hafen der Stadt Oldenburg. Und für die Seaports-Chefin Inke Onnen-Lübben steht fest: „Scheinbar werden junge Leute oftmals von den Namen großer Konzerne angelockt, dabei bietet gerade die mittelständisch geprägte Hafenwirtschaft die Chance, nah am Produkt und am Kunden zu arbeiten und aktiv in die Unternehmensprozesse eingebunden zu sein.“

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Sascha Hemme bereut seinen Entschluss, nach der Schule zu Rhein-Umschlag gegangenen zu sein, „kein Stück“. „Ich habe alles richtig gemacht“, sagt der junge Mann, der seinem Job nicht im Arbeitsoverall, sondern im smarten Anzug nachgeht.


     www.seaports.de 
Lars Laue Korrespondent / Redaktion Hannover
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