LOY Im Adressbuch für Loy-Barghorn sind in den Jahren 1913/1914 sechs Gastwirte aufgeführt. Knapp 150 Haushalte gab es damals in den beiden Dörfern. Heute leben etwa 1300 Menschen in Loy und Barghorn. Doch von den einst sechs Gastwirtschaften besteht nur noch eine – der „Gasthof zu Loyerberg“.

Oltmann Wiemken hat die Geschichte der Gasthäuser zusammengestellt und in den Dorfbriefen des Ortsvereins Loy-Barghorn niedergeschrieben. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg existierten noch der „Goldene Löwe“, die „Gaststätte Loyer Bahnhof“, die „Wirtschaft Johann Bade“, das „Kaffeehaus Loy“, das „Wirtshaus zur Loyer Mühle“ und bis heute der „Gasthof zu Loyerberg“, berichtet der 69-Jährige.

„Die Gastwirtschaften lebten damals sehr stark von Wochenendausflüglern“, erzählt Wiemken, der sich selbst als Hobby-Historiker bezeichnet. So gab es Jahre, in denen mehr als 20 000 Bahnfahrkarten von und nach Loy verkauft wurden.

Gaststätte im Bahnhof

Seit der Eröffnung der Bahnlinie Oldenburg-Brake 1896 befand sich im Bahnhofsgebäude eine Gaststätte. Diese war repräsentativ ausgestattet mit Veranda und viel Zierwerk, weil schon bei der Planung des Bahnhofs von vielen Ausflüglern ausgegangen worden war. Letzter Betreiber war bis Mitte der 1950er Jahre der Wirt Zielinski, berichtet Wiemken.

Die älteste Gaststätte in Loy ist allerdings der „Gasthof zu Loyerberg“. Dieser wurde 1645 vom gräflichen Oberstallmeister und Gutsherren auf Gut Loy, Hermann von Grabow, gegründet. Der Gutsherr setzte den Köter Renke Wessels ein, der auf Erbpacht ein Köterhaus mit Kruggerechtigkeit auf eigene Kosten errichtete, so Wiemken. Seit 1925 ist der Gasthof in den Händen der Familie Lüschen/Alberts.

Der ursprüngliche Gasthof war 1905 abgerissen und im selben Jahr neu errichtet worden. Schon vor diesem Jahr existierten eine Kegelbahn, ein Saal und ein weitläufiger Sommergarten. Zum Gasthof gehörte auch eine große Bergscheune auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sie war 1802 erbaut und 1955 abgerissen worden und bot Platz für 16 Pferde und mehr als 40 Kühe und damit hinreichend Raum für den Pferdewechsel der Reise- und Postkutschen.

Die später als „Gasthof zum Goldenen Löwen“ bekannte Wirtschaft wurde 1712 als Hofkrug des Gutes Loy aufgebaut. Errichtet wurde sie zunächst am Verbindungsweg zwischen der Dorfstraße und dem Hankhauser Weg. Um 1789, so Wiemken, wurde sie dann an den Hankhauser Weg verlegt.

Den Namen „Goldener Löwe“ verdankt das Gasthaus seinem Wirtshausschild, auf dem ein Harfe spielender Löwe abgebildet ist. Darunter steht: „Wohltun und fröhlich sein ist das Beste auf der Erde. Hier verkauft man Bier und Wein und auch Futter für die Pferde“. „Ich finde, dass ist eines der originellsten Wirtshausschilder, die wir haben“, sagt Wiemken. Es erinnert noch heute an die Geschichte des Hauses, das 1992 als Gaststätte aufgegeben wurde und seitdem als privater Wohnsitz genutzt wird.

Ebenfalls am Hankhauser Weg lag jene Gaststätte, die zuletzt als „Kaffeehaus Loy“ bekannt war. Sie war 1789 als kleine Krugwirtschaft gegründet worden. 1910 kaufte Hinrich Kroog die Gaststätte und baute sie zur Sommer- und Gartenwirtschaft „Zur Erholung“ aus. 1919 übernahm Robert Karl Eritz das Haus. Die „Eritz-Diele“ wurde fortan zum Markenzeichen. Seit 1928 wurde das Gasthaus von Theodor Carl Heinrich Feldmann als „Kaffeehaus Loy“ weitergeführt. Um 1958 wurde der Betrieb dann eingestellt.

„Bei der Bezeichnung Kaffeehaus handelt es sich eigentlich um einen städtischen Begriff“, erzählt Wiemken. Damals fuhr die Stadtbevölkerung mit dem Zug bis Loy, wanderte entlang der Lokale in Richtung Rastede, defilierte am Schloss vorbei und stieg in Rastede wieder in den Zug, schildert er.

Unmittelbar an der Braker Chaussee lag die „Wirtschaft Johann Bade“. Tischlermeister Dietrich Schmidt hatte in dem Gebäude 1854 eine Gastwirtschaft gegründet. Sein Sohn Friedrich Gerhard baute den Betrieb aus, der seit 1913 im Besitz von Johann Bade war. 1964 wurde die Wirtschaft aufgegeben.

Bau des Müllerhauses

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1812 wurde in Loy auch eine Mühle gebaut. Fünf Jahre später folgte der Bau des Müllerhauses, in dem sich auch die Schankwirtschaft befand. 1921 wurde die Mühle abgebrochen. Bis 1928 wurde dann eine Motormühle betrieben. Georg und Gerda Reimers führten die Geschäfte noch bis Anfang der 1960er Jahre weiter. Die noch verbliebenen Gebäude befinden sich heute auf dem Gelände der Feuerwehrschule.

„Mit der Schankwirtschaft bei der Mühle waren innerhalb von weniger als zehn Jahren vier der sechs Gaststättenbetriebe aufgegeben worden“, fasst Wiemken zusammen. 1992 schloss dann auch der „Goldene Löwe“. Heute existiert somit nur noch der „Gasthof zu Loyerberg“.

Frank Jacob Rastede/Wiefelstede / Redaktion Rastede
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