Grünenkamp Betrifft: Zur Berichterstattung über die Schneekatastrophe im Winter 1978/1979 steuert Marlies Niemeyer aus Grünenkamp folgenden persönlichen Bericht bei.

Silvester 1978 schneite es sehr heftig. Schon die Tage davor hatte es etliche Male geschneit, und durch die Kälte blieb der Schnee liegen.

Ich war zu diesem Zeitpunkt mit unserem ersten Kind hochschwanger, der Geburtstermin war schon drei Tage überschritten. Mein Mann war etwas unruhig, zumal wir langsam einschneiten und sich schon Schneedünen in Grünenkamp gebildet hatten. Den ganzen Morgen lief er immer wieder nach draußen, um sich die Wetterlage anzusehen. „Du, Marlies, soll ich dich nicht lieber vorsichtshalber ins Krankenhaus bringen?“, fragte er. „Nein, es ist noch nicht soweit, und was soll ich im Krankenhaus, da liege ich auch nur rum“, antwortete ich. Damit war sie Sache erst mal vom Tisch.

Mit Omas Unterstützung überzeugt

Aber ich hatte die Rechnung ohne meinen Mann gemacht, er hatte sich Unterstützung von meiner in der Nachbarschaft wohnenden Oma geholt, die sollte mich davon überzeugen, dass ich besser im Krankenhaus aufgehoben wäre. Dazu muss ich noch erwähnen, dass ich damals in Wilhelmshaven im Sankt-Willehard-Hospital entbinden wollte und das ist 30 Kilometer entfernt.

„Marlies, kannst du denn nich äben biem Krankenhus anropen und nofrogen, ob du herkomen kannst?“, sagte meine Oma. „Ik kan di dor nich mehr bi helpen, bi mi is dat all so lang her.“ Meine Oma war in den Kriegs- und Nachkriegsjahren bei Hausgeburten in der Nachbarschaft behilflich gewesen.

Entbindung im Schneetreiben

Da wir noch kein Telefon zu der Zeit hatten, machte ich mich auf dem Weg zu unseren Nachbarn Dreyers, damit ich im Krankenhaus anrufen konnte. Kurze Zeit später machten wir uns auf dem Weg. Vier Männer aus der Nachbarschaft im zweiten Auto, dick angezogen und mit Seilen und Decken ausgerüstet, fuhren uns hinterher, damit sie uns helfen konnten, falls wir steckenbleiben würden. Nach über einer Stunde kamen wir in Wilhelmshaven an, und ich glaube, alle waren sehr froh, dass sie mich im Krankenhaus abgeliefert hatten. Den ganzen Tag schneite es noch und am Abend wurde es noch schlimmer mit den Schneeverwehungen.

Ich lag bei einer Bekannten, die schon ihr Baby hatte, auf dem Zimmer. Um Mitternacht haben wir noch mit einem Punsch auf das neue Jahr 1979 getrunken (natürlich ohne Alkohol). Kurz nach Mitternacht bin in den Kreißsaal gekommen.

Mein Mann wollte gerne bei der Geburt dabei sein, aber die Hebamme sagte mir, dass sie meinen Mann nicht angerufen habe, da in Sande bereits alles dichtgeschneit sei. Was die Hebamme und ich nicht wussten: Mein Mann hatte um Mitternacht auf der Station angerufen und wollte mir ein frohes neues Jahr wünschen. Die Schwester hat ihm dabei erzählt, dass man mich in den Kreißsaal gebracht hätte. Daraufhin ist er sofort losgefahren und stand um kurz nach 1 Uhr im Kreißsaal vor mir. Unser Sohn Björn wurde am 1. Januar 1979 um 2.02 Uhr als erstes Kind 1979 der Stadt Wilhelmshaven geboren.

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Sechs Wochen später, am 14. Februar 1979, sind wir in Grünenkamp für ein paar Tage ganz eingeschneit gewesen.

Mehr Artikel zum Jahrhundertwinter im Nordwesten 1978/79 finden Sie unter www.NWZonline.de/schneekatastrophe.

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