Oldenburg 12.16 Uhr in den Weser-Ems-Hallen: Der Aufsichtsratsvorsitzende Otto Korte unterbricht die Tagesordnung der Hauptversammlung des Oldenburger Foto- und Onlinedruck-Dienstleisters Cewe. Darauf hatten wohl alle im Saal gewartet. Denn längst hat sich herumgesprochen, dass der Vorstandsvorsitzende Dr. Rolf Hollander am 30. Juni ausscheidet und in das Kuratorium wechselt.

„Wir haben zu danken“, sagte Korte: Mehr als 30 Jahre lang ist Hollander im Unternehmen. Seit 2005 steht er an der Spitze der Neumüller Cewe Color Stiftung. Hollander habe bei der Unternehmensführung ein gutes Händchen bewiesen, mit Empathie, Nachhaltigkeitsdenken und Entscheidungsfreudigkeit auch in schwierigen Phasen. In seiner Ära sei die digitale Transformation in beispielhafter Weise geschafft worden. Das würdigten die Aktionäre mit reichlich Beifall.

Korte rechnete vor den versammelten Anteilseignern auch den Wertzuwachs der Aktie seit Anfang 2005 zusammen – und kam in etwa auf eine Vervierfachung. Dieser „Faktor 4“, das sei doch „sensationell“ und „gelebter Shareholder-Value“.

Hollander, sichtlich gerührt, bat in der für ihn typischen Bescheidenheit erst einmal spontan rund 100 Mitarbeiter nach vorn, die für Gästebetreuung und Aktionärsfragen Dienst hatten. Hollander forderte für sie Applaus ein und schob in seinem Understatement noch nach: Er habe es eigentlich „leicht gehabt“, angesichts vieler „hervorragender“ Kollegen.

Für Hollanders Nachfolger Dr. Christian Friege (ab 1. Juli) bedeute die beschlossene achte Dividendenerhöhung (um 20 Cent auf 1,80 Euro je Aktie) in Folge eine „Vorlage“, so Korte. Es gelte, in den Club jener Firmen vorzudringen, die über zehn Jahre und mehr (steigende) Dividenden gezahlt hätten und stellte als Zielwert für 2017 schon mal 1,90 Euro je Aktie in den Raum.

Bei der eher untypischen Hauptversammlung gab es weiteres Lob für Hollander und die Unternehmensentwicklung auch von den Aktionärsvereinigungen – etwa für die „gelungene Transformation“ vom Analogen zum Digitalen (Peer Koch/DSW). Ohne diese würde es das Unternehmen heute wohl „nicht mehr geben“, sagte Christian Retkowski (SdK). Die Leistung sei „hervorragend“.

Auch Helmut Hartig als Vertreter der Erbengemeinschaft des Firmengründers Heinz Neumüller übermittelte einen „herzlichen Dank“. Hollander habe bei seinem Schaffen „Freude“ verkörpert. Bei der Versammlung mit 600 Aktionären und Gästen war auch der Sohn von Heinz Neumüller, Alexander, zugegen. Er wurde für sein „nachhaltiges Interesse“ am Lebenswerk des Vaters mit Beifall begrüßt.

Der künftige Cewe-Chef Christian Friege bestätigte in einem Ausblick bisherige Planungen für 2017: Im Mittel seien ein leicht wachsender Umsatz und eine Ergebnisverbesserung zu erwarten. Friege, bisher Vertriebsvorstand, betonte die Bedeutung der „vielfältigen Wege“, die Cewe-Kunden bei ihren Produktbestellungen nutzen könnten. Immer wichtiger werde das Smartphone. Das gelte auch für Aufträge an den Auftrags- bzw. Druckautomaten im Einzelhandel. Dort gibt es auch immer mehr junge Nutzer.

Der Gewinn des Unternehmens habe mittlerweile eine „neue Ebene erreicht“, sagte Finanzvorstand Dr. Olaf Holzkämper bei der Präsentation von Bilanz-Eckdaten für 2016. Die junge Sparte des kommerziellen Onlinedrucks sei dabei „vom Ergebnisfresser zum Ergebnisträger“ geworden.

Insgesamt sei es Cewe nun zum zweiten Mal gelungen, das erste Quartal des Jahres bereits mit Gewinn abzuschließen, betonte Holzkämper. Üblich waren über Jahrzehnte schwache Jahresstarts mit roten Zahlen. Ausschlaggebend für den Jahresgewinn ist heute fast allein das Weihnachtsgeschäft. Holzkämper betonte auch, dass Cewe praktisch keine Bankschulden habe.

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Vorstandskollege Carsten Heitkamp wies im Vorstands-Vortragsreigen vor den Aktionären auf die „Millionen Produktvarianten“ etwa bei Info-Flyern hin, die Cewe bietet. „Seit Neuestem können Sie bei uns sogar bedruckte Liegestühle bestellen.“ Vorstand Patrick Berkhouwer erläuterte Fortschritte in der Einzelhandelssparte: Sie hat mit vielen ihrer 143 Läden den Schwerpunkt in Skandinavien und Mittelosteuropa und ist zurück in der Gewinnzone. Thomas Mehls betonte das hohe Innovationstempo, auch etwa bei Handy-Hüllen mit aktuellen Foto-Motiven. Kollege Dr. Reiner Fageth führte live sein elektronisches Fotoalbum vor.

Erinnert wurde auch an die Verdienste des 2016 verstorbenen Aufsichtsrates Prof. Hans-Jürgen Appelrath um Cewe. Seinen Platz nimmt Paolo Dell’ Antonio ein. Der Experte für Marken und Internationalisierung war lange Vorstandssprecher bei Jägermeister. Ab dem heutigen Donnerstag ist er im Vorstand der Wilh. Werhahn KG.

Rüdiger zu Klampen Redaktionsleitung / Wirtschaftsredaktion
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