Emden Elf Windkraftanlagen, 3300 Geothermiepfähle, eine Photovoltaikanlage via Belegschaftsgenossenschaft oder ökologische Blühflächen für Bienen und andere Insekten – im Emder VW-Werk unternimmt man einiges, um die Umweltstrategie des Autobauers namens „Think Blue. Factory“ mit Leben zu füllen.

VW-Konzernchef Martin Winterkorn hat das Ziel ausgegeben, bis 2018 an der Spitze der Autoindustrie zu stehen – und zwar ökonomisch wie ökologisch. Das Emder Werk will dabei Vorreiter sein und setzt im Einklang mit der Strategie des Konzerns einerseits auf die Modularisierung der Produktion und andererseits auf eine Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, wie am Mittwoch bei einer Veranstaltung an dem ostfriesischen Standort deutlich wurde.

VW habe sich zum Ziel gesetzt, an allen Standorten der Marke, die wichtigsten Umweltkennwerte bis 2018 um 25 Prozent zu senken, erläuterte Peter Bosch, Leiter Strategie Produktion und Logistik der Marke Volkswagen. Dies bedeutete jeweils 25 Prozent weniger Energie- und Frischwasserverbrauch im Vergleich zu 2010, 25 Prozent weniger Abfall sowie 25 Prozent weniger Lösemittel- und CO2-Emissionen. „Wir möchten Vorbild in der Automobilindustrie sein“, sagt Bosch.

Erreicht werden sollen diese Ziele mit einem weltweit für alle Werke einheitlichen Maßnahmenkatalog, in dem zurzeit etwa 4000 Maßnahmen dokumentiert sind. Schwerpunkt in diesem Jahr ist das Thema Wasser und Emden sei dabei das Pilotwerk, so Bosch.

Wie Thomas Laaken, Leiter Umwelt- und Energiemanagement in Emden erläuterte, werde in dem ostfriesischen Werk etwa in einem bundesweit einmaligen Projekt an der Verringerung des Wassergehalts in abgepressten Abwasserschlämmen gearbeitet – mittels der Beimischung von Kunststoffflusen.

Weiteres Beispiel: Die neue Karosseriebauhalle steht auf mehr als 5000 Pfählen. 3300 davon sind Geothermiepfähle – laut VW das weltweit größte Oberflächengeothermiefeld. Die Pfähle sind mit Kunststoffröhren versehen, durch die Wasser zirkuliert, dass sowohl zum Kühlen als auch zum Heizen der Halle genutzt werden kann. Dadurch spare man 25 000 Kubikmeter Wasser pro Jahr und den Bau eines Kühlturms, so Laaken.

Um auch ökonomisch die angepeilten Ziele zu erreichen, setzt VW als Schlüssel auf die Modularisierung der Produktion, wie VW-Produktionsvorstand Dr. Hubert Waltl erläuterte. Was mit der Modularisierung von Fahrzeugen, dem „Modularen Querbaukasten“ (MQB), begonnen habe, werde auf die Fabriken als „Modularer Produktionsbaukasten“ (MPB) übertragen. „Die Modularisierung ist in der Produktion angekommen“, sagte Waltl.

Beim Modularen Querbaukasten geht es im Kern um eine Plattform für möglichst viele Autotypen. Angestrebt werde eine Standardisierung der Fahrzeugproduktion in mehr als 40 Modellen von VW, über Audi bis hin zu Skoda und Seat, so Waltl. „So können wir künftig etwa alle Antriebsarten, also auch Elektro- und Hybridfahrzeuge, auf einer Linie fahren“, erläutert er.

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Die Vorteile lägen vor allem in einem Mehr an Flexibilität – hohe Produktvielfalt bei gleichzeitig geringer Varianz der einzelnen Module, so Waltl. Weitere Vorzüge seien u.a. ein reduziertes Investitionsvolumen, höhere Qualität, geringerer Planungsaufwand und sinkende Kosten.

Die Vorteile der Baukastenstrategie wolle VW dabei auch in der Produktion an den Standorten weltweit konsequent anwenden und weiterentwickeln. So helfe die Vereinheitlichung gerade auch neuen Fabriken, weil so Produktionserfahrungen einfach übertragen werden könnten.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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