Bad Zwischenahn Als der traditionsreiche Wurst- und Fleischwarenhersteller Rügenwalder Mühle aus Bad Zwischenahn Ende 2014 ankündigte, in den Markt für vegetarische Produkte einsteigen zu wollen, waren viele skeptisch – auch im eigenen Haus. Mittlerweile sind die Zweifler verstummt. „Wir sind froh, dass wir dieses zweite Standbein aufbauen konnten“, sagt Rügenwalder-Geschäftsführer Godo Röben.

Die Geschäftszahlen, die die Geschäftsführung um Röben und Lothar Bentlage am Dienstag präsentierte, unterstreichen das. „2016 war ein schweres Jahr für die Branche“, sagt Röben. Dennoch sei es dem Bad Zwischenahner Hersteller gelungen, sowohl den Gesamtbruttoumsatz mit 204 Millionen Euro (2015: 205 Millionen Euro) als auch den Gesamtabsatz mit 24 400 Tonnen (2015: 24 421) nahezu konstant zu halten.

„Einen großen Anteil an diesem Erfolg hat unsere vegetarische Produktlinie“, erklärt er. Während Rügenwalder beim Absatz an fleischhaltigen Produkten 2016 Einbußen von fünf Prozent verzeichnet habe, sei der Veggie-Absatz bei dem Marktführer aus Bad Zwischenahn um 33 Prozent – und damit auch deutlich stärker als der Veggie-Gesamtmarkt (9,6 Prozent) – gestiegen.

Der Anteil der vegetarischen Produkte am Rügenwalder-Gesamtzumsatz belief sich nach Unternehmensangaben Ende 2016 auf 26 Prozent. „Unser Ziel ist es, 2020 40 Prozent unseres Umsatzes mit fleischfreien Produkten zu erwirtschaften“, sagt Röben.

Dass der Gesamtmarkt für Veggie-Wurst im ersten Halbjahr 2017 leicht rückläufig und mancher Experte schon ein Ende des „Hypes“ prophezeit, bereitet ihm keine Sorgenfalten. Der Rückgang am Gesamtmarkt sei vor allem auf Produktumstellungen bei einem großen Discounter zurückzuführen, und Rügenwalder selbst habe mit Veggie-Produkten auch im ersten Halbjahr 2017 um sieben Prozent zulegen können. „Dieser Markt wird dauerhaft steigen“, ist er überzeugt, „wenn auch nicht mehr so stark wie noch vor zwei Jahren“. Der Trend sei „unumkehrbar“.

Da aber auch der Trend, dass die Bundesbürger immer weniger Fleisch- und Wurstwaren essen, unumkehrbar scheint, bleibt das Geschäft für Rügenwalder herausfordernd. „Auch 2017 wird ein sehr schwieriges Jahr, was Fleisch und Wurst angeht“, erläutert Röben. „Es wird schwer, noch eine schwarze Null hinzukriegen“, sagt er mit Blick auf die Umsatzentwicklung für das Gesamtjahr. „Das erste Halbjahr lief wertmäßig unter Vorjahr“ ergänzt Bentlage.

Rügenwalder will dem aber nicht tatenlos zusehen. In dieser Woche sind die Ammerländer als erster großer Markenhersteller – zunächst mit zwei Varianten ihres „Schinken Spickers“ – in den Bio-Markt eingestiegen. „Und wir haben schon weitere Produkte in der Pipeline“, sagt Röben.

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Mit einem Gesamtmarkteil von ein bis zwei Prozent spielen Bio-Produkte bei Fleisch und Wurst bislang kaum eine Rolle. Etwa bei Eiern liegt der Bio-Anteil dagegen schon bei zehn Prozent. Das Hauptproblem bei Bio-Fleisch sei bislang die mangelnde Rohstoffbasis gewesen, so Röben. Bei Rügenwalder habe man nun die „Verlässlichkeit bei der Belieferung“ hinbekommen“, sagt Bentlage. Mittelfristig könne man sich bei den Ammerländern „eine ähnliche Entwicklung wie im vegetarischen Bereich“ und einen Bio-Umsatzanteil von zehn bis 15 Prozent vorstellen.

Potenzial sieht das Unternehmen (575 Mitarbeiter) auch noch im Export. Bislang ist Rügenwalder außerhalb Deutschlands nur in Österreich, der Schweiz und Luxemburg vertreten (Exportanteil 1,5 Prozent). Nun gebe es auch Expansionspläne in die skandinavischen Länder Dänemark, Schweden und Norwegen, erläutert Bentlage.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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