Vechta Geht es nach Kristian Horns, dann brauchen Lebensmittelhersteller künftig keine Testkäufer mehr durch echte Geschäfte schicken, um ihre Produkte, deren Sichtbarkeit und Platzierung im Laden zu testen. Stattdessen genügt es, wenn die Testkunden eine VR-Brille aufsetzen. „Wir bauen ganze Märkte virtuell nach und schaffen so ein virtuelles Verkaufsumfeld, das ideal zur Marktforschung genutzt werden kann“, sagt der Geschäftsführer von VR Insight aus Hamburg.

Virtuelle Realität ist nur eines der Themen bei der zweiten Auflage der IT-Konferenz „VillageCon“, die am Donnerstag in Vechta stattfand. Mehrere Hundert Fach- und Führungskräfte aus der IT-Branche tauschten sich im „Rasta Dome“ über Entwicklungen rund um den digitalen Wandel aus und lauschten Vorträgen von Experten. „Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Frage, wie mittelständische Unternehmen aus dem ländlichen Bereich die digitale Transformation optimal vollziehen können“, sagt Tim Fröhle, Gründer und Veranstalter der „VillageCon“.

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Die Bandbreite ist schon unter den knapp 20 Ausstellern groß: Gleich neben VR Insight erläutert das in Dublin ansässige Unternehmen „DocuSign“ etwa, wie sich Genehmigungen, Arbeitsprozesse und Unterschriften vollständig digitalisieren lassen. Und ein paar Schritte weiter zeigt die Peter Kenkel GmbH (Holdorf/Cappeln), was passiert, wenn IT auf Möbel trifft und wie sich die Büro- und Objekteinrichtungen verändern. Sogar die Telefonzelle lebt bei dem Unternehmen aus dem Oldenburger Münsterland in neuem Gewand, als Raum, in dem man im hektischen Büroalltag ein ruhiges Gespräch führen kann, wieder auf.

Dass Deutschland auf dem Weg zur digitalen Nation noch einen langen Weg vor sicht hat, macht IT-Sicherheitsexperte Sven Weizenegger in seinem Vortrag deutlich. Scharf kritisiert er etwa den schleppenden Breitbandausbau. „Wenn man das Netz nicht ausbaut, und zwar auch im ländlichen Raum, ist das eine Sabotage der Digitalisierung“, sagt er. Internet sei heute ein „Grundbedürfnis“. Hart ins Gericht geht er auch mit der Ausstattung des Digitalpakts für Schulen. „Fünf Milliarden Euro für die Bildung unserer Kinder sind ein Witz“, meint er.

Mit der Frage, wie sich mittelständische Betriebe in Zeiten des digitalen Wandels präsentieren müssen, befasst sich Marketingexperte Patrick Waldeck aus Ganderkesee. Entscheidend seien Positionierung, Inszenierung und guter Kundenservice. „Die Website ist heute das Herzstück des Unternehmens in der Außendarstellung“, sagt er. Zudem komme es darauf an, starke Marken aufzubauen – auch Personenmarken, wie es etwa Steve Jobs bei Apple vorgemacht habe. „Menschen kaufen von Menschen“, sagt Waldeck.

Christoph Helmes, Geschäftsführer der Oldenburger Digital-Beratung und Agentur „junge haie“, kritisiert, dass in Deutschland bei Veränderungsprozessen stets erst einmal Angst und ein „Ja, aber“ mitschwinge. „Wir Deutsche neigen dazu, erst einmal Probleme zu sehen und keine Lösungen“, sagt er. Dabei biete der digitale Wandel die Chance, eingefahrene Strukturen zu erneuern.

Drei Dimensionen seien mit Blick auf die Arbeitswelt entscheidend. Erstens die Organisation, also die Frage wie verändern wir die Arbeit – Stichwort Vereinfachung, Organisationsdesign. Zweitens die Infrastruktur. Dazu gehöre ein schneller Internetzugang, aber auch neue Bürokonzepte. Und drittens „Empowerment“, also Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um Mitarbeiterbeteiligung und Selbstverantwortung zu stärken. Man müsse die Mitarbeiter einbinden, ihnen nicht nur Aufgaben geben, sondern auch Berufung. Helmes’ Fazit: „Old ways won’t open new doors“ (Alte Wege öffnen keine neuen Türen).

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
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