Vechta /Hannover Der Nutri-Score auf Lebensmittelverpackungen als vergleichende Kennzeichnung für die Nährwertqualität der Produkte ist beim Verbraucher noch gar nicht richtig ins Bewusstsein gedrungen, da kommen schon die nächsten Kennzeichnungen um die Ecke. „Wir brauchen eine transparente, flächendeckende Kennzeichnung für regionale Lebensmittelprodukte“, forderten die niedersächsischen Minister für Landwirtschaft und Wirtschaft, Barbara Otte-Kinast und Bernd Althusmann, kürzlich. Mit einer weiteren Kennzeichnungsidee macht Unilever, weltweit einer der größten Konsumgüterhersteller, derzeit auf sich aufmerksam: Der Multi will sämtliche eigenen Produkte mit einem Klima-Label kennzeichnen.

Das Regional-Label

Mit dem Regional-Label wollen die beiden Minister den Einzelhandel dazu bringen, ihr Marketing stärker auf heimische Produkte auszurichten. „Nur dann kann aus der Wertschätzung durch die Kunden wirklich Wertschöpfung für die Landwirte werden, so Otte-Kinast.

Mit dem Klimalabel sollen die Konsumenten eine realistische Einschätzung der Klimawirkung einzelner Lebensmittel bekommen. „Etwa ein Fünftel der Klimabelastung eines Bürgers in Deutschland wird durch Lebensmittel verursacht. Die Verbraucher haben jedoch kaum eine Vorstellung davon, welche Lebensmittel besonders klimaschädlich sind“, stellt der Verbund Transformation agrar Niedersachsen (Trafo:agrar) in Vechta fest. Wie ein solches Klimalabel aussehen könnte, erläuterte kürzlich der Göttinger Agrarwissenschaftler Prof. Dr. Achim Spiller auf einer Trafo-Veranstaltung.

Was Spiller vorschwebt, ist – analog zum Nutri-Score – ein Climate-Score. Die Klimawirkung wird hier farblich und mit Buchstaben dargestellt. Ein dunkelgrünes A bedeutet „geringe Treibhausgasemission“; ein dunkelrotes E „hohe Treibhausgasemission“. Spiller: Solch eine Darstellung auf der Verpackung ist leicht verständlich, motivierend und unterstützt Änderungen im Ernährungsverhalten“.

Das Klima-Label

Der Wissenschaftler räumt allerdings ein, dass eine solche Darstellung „sehr grob ist“. Er möchte – „für aufgeklärtere Verbraucher“ – auf dem Label zusätzlich klein Zahlenangaben für CO2-Äquivalente pro Kilogramm des Produkts hinzufügen: etwa 0 bis 0,66 zum dunkelgrünen A und über 2,67 für das dunkelrote E.

Wichtig ist für Spiller, dass das Climate-Score-Label nicht nur im Handel, sondern auch in der Gastronomie, vor allem der Systemgastronomie, verwendet wird. „Und es muss ein verpflichtendes, staatliches Label sein, wenn es das Kaufverhalten der Verbraucher ändern soll. Wenn jeder sein eigenes Label macht, wird das Thema verbrannt.“

In der Diskussion auf der Trafo-Veranstaltung sprach sich der Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer, Gert Stuke, nachdrücklich gegen ein weiteres Klimalabel aus, auch um die Landwirte in Zeiten eines Tierwohllabels nicht zu überfordern. Dem widersprach Spiller: „Diese Zeit haben wir nicht.“ Die gesellschaftlichen Diskussionen liefen parallel, und der Klimawandel sei im vollen Gange.

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Nachhaltikeits–Label

„Nicht noch ein Label!“ So reagieren viele Landwirte, aber auch viele Verbraucher, auf die zunehmende Label-Flut. Ob Bio, Fair Trade, Tierwohl, Regional, Nährwert, Vegan . . .: Auf Lebensmittelverpackungen geht es immer bunter zu. Auf der Strecke bleibt im Label-Dschungel die eigentlich angestrebte Orientierungshilfe für den Verbraucher. Eine ganze Reihe dieser Kennzeichnungen ließen sich aber vielleicht zusammenfassen, merkte eine Teilnehmerin der Trafo-Veranstaltung in Vechta an: in einem umfassenden Nachhaltigkeits-Label.

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