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Im Nordwesten Gemischt sind die Gefühle nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten bei Unternehmern im Nordwesten. Mancher macht sich große Sorgen, etwa um den freien Handel. Andere bleiben gelassen – und einige sehen auch neue Chancen.

Dazu zählt etwa Klaus Mecking, Vorstand des Bleche-Spezialisten Graepel AG aus Löningen. „Mit unserem eigenen Produktionsstandort in den USA sehe ich die angekündigte Konzentration auf die Re-Industrialisierung der USA nicht negativ“, sagt er. So sei eine politische Stärkung der Industrie angekündigt. Und auch Graepel wolle sein Werk ausbauen. Mecking sagt auch: „Ein Präsident im Amt, in der Realität muss und wird sich anders verhalten als im Wahlkampf.“

Darauf setzen auch andere. Jan Müller, Vorstand der Braker Umschlaggruppe J. Müller, sagt: „Ich hoffe, dass die USA unter der neuen Regierung nicht die Anti-Handels-Rhetorik des Trump-Wahlkampfs in die Tat umsetzt.“ Seehäfen wie Brake bräuchten regen Warenaustausch.

Dass unter Trump „die tragenden Säulen der internationalen Wirtschaftskooperation keinen allzu großen Schaden nehmen“ – darauf hofft auch die Oldenburgische IHK. Allein aus dem Oldenburger Land hätten rund 80 Firmen Geschäftsbeziehungen in die USA, teils mit eigenen Standorten dort.

Die USA würden sich mit Handelsbeschränkungen auch eher selbst schaden, meint Dieter Janssen, Chef der Rolf Janssen Elektrotechnische Werke in Aurich: „Die protektionistischen Aussagen mögen vielleicht für einen Wahlkampf reichen, der Realität einer globalisierten Welt wird Herr Trump sich aber nicht entziehen können, ohne der US-Wirtschaft massiv zu schaden“, sagt er. Janssen exportiert oft auch indirekt in die USA. Für die Firma erwartet er letztlich „keine wirtschaftlichen Auswirkungen.“

Davon geht Folker Hellmeyer (Bremer Landesbank), auch für den Nordwesten insgesamt aus. Zwar werde Trump eine Fokussierung der USA auf eigene Interessen forcieren. Viele deutsche Firmen produzierten aber in den USA, und das spreche für Stabilität. „Dementsprechend sind auf mittlere Sicht auch keine negativen Auswirkungen auf unsere Region zu erwarten.“

Manche Unternehmen bleiben denn auch völlig gelassen: „Keinerlei erkennbare Auswirkung“ der Wahl gebe es etwa für die Meyer Werft, wie es in Papenburg hieß. Andere sehen sich mittelbar betroffen. Der Windkraftanlagenhersteller Enercon aus Aurich ist in den USA gar nicht tätig. Aber Sprecher Felix Rehwald sagt: „Wir hoffen, dass die Wahl nicht zu einem generellen Erstarken der alten, fossilen Energieerzeugung führt.“

Ulf Koschig, stellvertretender Vorstands-Chef des in den USA engagierten Fahrzeugteile-Spezialisten Vierol AG (Oldenburg), sieht am ehesten bei Trumps Persönlichkeit ein Problem: „Die größte Gefahr ist die emotionale Unberechenbarkeit.“ Er geht davon aus, dass sich „ein so großer Markt wie die USA nicht wirtschaftlich von Europa abschotten kann ohne negative Auswirkungen auf die US-Wirtschaft und Wall Street“.

Die „Schotten wieder dicht zu machen“ – so etwas würde „weder für die amerikanische Ökonomie noch für die europäische Wirtschaft gut sein“, betont Regionalforscher Dr. Arno Brandt (Cima/Hannover). Nötig seien stattdessen „mehr Kooperation und Abstimmung“.

Wie die Beziehungen sich entwickeln – das wird die Zeit zeigen. Etwa: Das bereits weit gediehene Handelsabkommen TTIP werde man nun „in einem ganz neuen Rahmen betrachten werden müssen“, erwartet Malte Smolna, Chef von Cetex Rheinfaser aus Ganderkesee. Aber er spürt schon ganz kurzfristig Auswirkungen der US-Wahl: Für Importe aus Asien habe man jährlich Devisenbedarf von 40 Millionen US-Dollar. Und so liege „unser Hauptaugenmerk der nächsten Tage und Wochen auf der Wechselkursentwicklung“, sagt Smolna mit Blick auf heftige Ausschläge.