Von Rüdiger zu Klampen

Frage: Herr Henkel, Sie sprachen beim OLB-Forum in Cloppenburg über die Soziale Marktwirtschaft. Der stellvertretende OLB-Vorstandssprecher Dr. Peter Schinzing beklagte eingangs, nur eine Minderheit bekenne sich zu diesem System...

Henkel: ...und das erfüllt mich mit allergrößter Sorge. Die Soziale Marktwirtschaft als Basis unseres Wohlstandes ist zu Unrecht in Misskredit geraten.

Frage: Inwiefern?

Henkel: Das Fehlverhalten weniger Akteure wird in verantwortungsloser Weise generalisiert, auch politisch von Kreisen instrumentalisiert, die das System ablehnen. Nehmen wir als Beispiel die Banker. Es war doch nur eine kleine Gruppe innerhalb dieser Branche, die versagt hat, darunter einige Aufsichtsräte. Und warum haben sie versagt? Weil sie zu wenig Ahnung hatten, aber auch, weil offenbar die Regeln nicht ausreichten. Eine Marktwirtschaft benötigt aber klare Regeln.

Frage: Sie haben sich immer für Soziale Marktwirtschaft eingesetzt. Aber offenbar gibt es nicht genügend aktive Verteidiger dieses Systems.

Henkel: Es stimmt, wichtige Akteure engagieren sich weniger, als es möglich wäre. Viele vermeiden mittlerweile z.B. den Auftritt in Talkshows, weil sie sich dort nicht in die Ecke drängen lassen wollen. Man muss aber den Mut haben, da durch zu gehen.

Frage: Eine regionale Unternehmerinitiative – der Kleine Kreis – startet eine Initiative für die Soziale Marktwirtschaft. Ist das sinnvoll?

Henkel: Auf jeden Fall. Die Menschen sind vor allem in ihrer jeweiligen Region verankert. Wenn sich bekannte regionale Unternehmer engagieren, ist das besonders wirkungsvoll.

Frage: Mal zum Inhalt der Systemdiskussion über Marktwirtschaft. Soll der Staat sich bei Opel engagieren?

Henkel: Ich warne davor, dass der Staat sich an Industrieunternehmen beteiligt. Es ist meine feste Überzeugung, dass er damit überfordert wäre, und er würde den Wettbewerb verzerren. Außerdem würden unsere Kinder und Enkel mit Schulden belastet.

Frage: Aber in diesem Jahr ist Bundestagswahl. . .

Henkel: Ich wünsche den Akteuren der Großen Koalition, dass sie die Nerven nicht verlieren – und bei Bemühungen um die Rettung von Arbeitsplätzen einen Überbietungswettbewerb vermeiden.

Frage: Stichwort Manager-Gehälter. Unverdiente Boni usw. beschädigen das Image des Wirtschaftssystems. Das Thema ist nicht entschärft...

Henkel: Ich habe lange Zeit argumentiert, dass es das Recht der Eigentümer ist, über die Gehälter der Manager, etwa bei börsennotierten Konzernen, völlig frei zu entscheiden. Jetzt meine ich: Der Markt funktioniert bei der Festlegung von Managergehältern nicht immer sauber.

Frage: Wieso?

Henkel: Die Art und Weise, wie entschieden wird, muss verändert werden. Bisher war es häufig so, dass man sich von Beratern bescheinigen ließ, die eigenen Aufsichtsratsbezüge lägen unter dem Durchschnitt – deshalb müsse es mehr geben. Dann ging das gleiche Spiel beim nächsten DAX-Unternehmen los, das ganze System schraubte sich selbst ständig nach oben, es kam zu Exzessen. Das hat mit Markt nichts zu tun. Meist ist auch nur ein Bruchteil des Aufsichtsrates daran beteiligt, Vorstandsgehälter festzulegen. Das muss sich ändern. Das Thema muss im Aufsichtsrat breit diskutiert werden. Wir müssen das System der Gehaltsfindung verändern.

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Frage: Wie sollten Managergehälter bemessen werden?

Frage: Aus drei Teilen: dem festen Grundgehalt, einer Erfolgskomponente – wobei Erfolg individuell definiert werden kann, auch im Hinblick auf Arbeitsplätze, Umweltschutz, Kundenzufriedenheit –, sowie persönlich festgesetzten Zielen. So etwas ist bei Vorständen selten geworden. Gängig sind einheitliche Vorstandsbezüge. Das hat mit individueller Leistung wenig zu tun, das ist quasi Sozialismus im Vorstand.

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